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Artikel vom 28.02.2008

Basel - Wirtschaft

Teuro 08

Hotels schlagen auf

Die Basler Hotel-Branche reagiert mit unterschiedlicher Preispolitik auf die drei Fussballwochen vom kommenden Juni

Von Redaktion



Der Hotel-Portier repräsentiert das Hotel - die Preispolitik des Hauses jedoch das Renommée. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008


Eine Umfrage von webjournal.ch bei den Basler Hotels ergibt ein differenziertes Bild, was die Aufpreise der Hotelbranche während der «Euro 08» betrifft: Klar, die meisten Hotels schlagen auf - das Angebot bestimmt den Preis. Mehrhundertprozentige Aufpreise nannte eine wohl überforderte Hotel-Receptionistin - andere waren gewarnt vor solchen Anfragen und verhielten sich bedeckt. Und wieder andere legten Wert darauf, dass man nicht «Aepfel» mit «Birnen» vergleiche, aber die «schwarzen Schafe» von «nötiger» Kritik nicht verschone…

Was bleibt nach der «Teuro 08» für die Allgemeinheit der Stadt Basel? Ende Juni 2008 wissen wir mehr, Ende Juni wissen wir, wo das «Grosse Geld» gelandet und wem nur «der gute Ruf der Kulturstadt Basel» übriggeblieben ist!

Wo geben auswärtige Fussballfans Geld aus? Zuerst im Gast- und Hotelgewerbe! Es lag daher auf der Hand, diese Umfrage zuerst bei den Hotels durchzuführen. Gleich zu Beginn der Umfrage wurde klar, dass «kleinere» Hotels eine ganz andere Strategie fahren als die grossen.

Während man bei den luxuriöseren Hotels - Grösse hat nichts mit Komfort zu tun -, eine gewisse Unbeschwertheit bei der Preisbenennung feststellen konnte, machten die «populäreren» gleich ganz dicht, wenn man die Preisanfrage in Zusammenhang mit einer journalistischen Umfrage stellte…

Schliesslich wurde ziemlich deutlich, dass sich der Grossteil der Hotels nicht von Journalisten in die Karten blicken lassen will, und bei einigen Hotels wurde man den Verdacht nicht los, dass wir angelogen werden sollten. Und mit der Zeit kam auch heraus, dass sich gewisse Hotelbesitzer untereinander vor der Anfrage warnten.

Unter diesen Umständen war es unmöglich eine Preisliste zu erstellen, zumal einige Hotels überhaupt keine Auskunft geben wollten. Es wäre also ungerecht und unjournalistisch, die kargen Informationen von unabsichtlich «kommunikativen» Hotels zu publizieren, wenn der Grossteil der Branche zinkt oder zögert… Somit bleiben uns anstelle von direkten Zitaten nur Zusammenfassungen, was aber nicht minder erhellend sein sollte.

Die einzigen beiden Fragen lauteten:

1. Was kostet ein Einzelzimmer vom Donnerstag, 28. auf Freitag, 29. Februar 2008?

und

2. Was kostet dasselbe Zimmer während der «Euro 08» an einem Spieltag?



• Ein Kleinbasler Hotel der «Touristenklasse» gab zunächst unbedenklich den Preis für ein Zimmer mit Frühstück von 153.20 Franken an. Bei der zweiten Frage hingegen wurde die Receptionistin doch unsicher und fragte die Chefin, die offenbar im Raum anwesend war. Diese kam dann ans Telefon, und als ihr gesagt wurde, es handle sich um eine journalistische Umfrage, nannte sie den Preis für die «Euro 08»-Zeit mit 163.20 Franken. Auf unsere Nachfrage, ob sie wirklich nur 10 Franken Aufschlag verlange, bestätigte sie trotzig. Die Vermutung liegt nahe, dass wir in den Augen der Wirtin uns da nicht einmischen sollten…

• Ein Turm-Hotel im Kleinbasel nannte den gegenwätigen Einzelzimmer-Preis zwischen 290 und 320 Franken exklusive Frühstück. Die Zimmer für die «Euro 08» seien jedoch ausverkauft, zumal sie «en bloc» einem Veranstalter zu einem «nicht kommunizierbaren» Preis verkauft worden seien: «Wieviel der pro Zimmer mehr verlangt, als wir verrechnen, können wir daher nicht sagen.» Was also dem Deal zugrundeliegt, kann nur vermutet werden, aber vorstellbar ist, dass da einer sowieso rechtzeitig den Riecher für ein Spekulationsgeschäft hatte - vielleicht gar ein «Insider»…

• Ziemlich offen und ohne Zögern hat uns eines der grossen Messehotels seine Preispolitik verraten. Immerhin war die in der Branche bereits bekannt und hat zumindest bei einem der von uns befragten anderen Hoteliers scharfe Kritik erzeugt, ohne dass wir ihn darauf angesprochen hätten… Dieses grosse Haus verlangt in der «Zwischen-Messezeit» - eben die genannten gegenwärtigen Tage - 236 Franken fürs Einzelzimmer ohne Frühstück. Für die «Euro 08» ist dasselbe Zimmer nicht unter einer Gesamtreservation von - «mindestens» - drei Tagen zu je 450 Franken zu haben. Immerhin mit Frühstück…

• Am Bahnhof ein ähnliches Bild: Ein Luxushotel verlangt zurzeit 390 Franken ohne Frühstück, aber über Preise während der «Euro 08» will man Stillschweigen bewahren, zumal das Hotel während den Spieltagen ausgebucht sei. An den anderen Tagen im Juni, wo keine Spiele stattfinden, so war gleichwohl zu erfahren, kostet das Einzelzimmer doch 590 Franken. Das sei aber der «normale Hochsaison-Preis».

• So nebenbei erfuhren wir, dass es in Basel am Bahnhof noch Einzelzimmer-Unterkünfte ab 120 Franken pro Nacht und mit korrektem Komfort zu haben gibt - und zwar ganzjährig, allerdings ausserhalb der «Euro 08».

• Eines der ältesten und renommiertesten Hotels der Stadt am Rheinknie gab mit seinem Marketing-Chef einen klaren Einblick in die Geschäftsstrategie des noblen Hauses, womit er auch gleich erhellte, warum sein Hotel eben diesen Ruf gewonnen hat: Die Einzelzimmer bewegen sich gegenwärtig zwischen 350 und 415 Franken; während der Hochsaison vielleicht gegen 50 Prozent mehr. Doch damit hat es sich - auch während der «Euro 08». Das Hotel verfügt nämlich über eine langjährige Stammkundschaft, Firmen zumal, auf die man auch nach der «Euro 08» zählen will. Diese einmalig mit «Phantasiepreisen» für immer zu verärgern drohen, will man um alles Geld der kurzlebigen «Euro 08» denn doch nicht.

• So ähnlich sieht es auch ein mittleres Hotel in Bahnhofnähe: Es bietet Zimmer zwischen 195 und 245 Franken und - das einzige in Basel, das diesen originellen Gästedienst im Preis einschliesst - ein «Mobilitätsticket», das die Gratisbenützung des öffentlichen Verkehrs von Tram und Bus während des Aufenthaltes erlaubt. Die Zimmer der «Euro 08» seien hingegen an die Stammkundschaft vergeben, die nicht wesentlich mehr bezahle als während den Messeveranstaltungen, an denen diese Gäste mehrmals im Jahr als Mitarbeiter von Ausstellern oder Firmen teilnehmen.

• Es gibt immerhin einige Hotels, die «Kontingente» an Vermittler verkauften. Davon war - bei allem eingesetzten Charme - absolut nichts Greifbares und schon gar keine Zahlen zu erfahren. Bleiben diese Vermittler, oder sagen wir «Zwischenhändler», wegen exorbitanten Preisen auf Zimmern sitzen, dürften sich vielleicht während der «Euro 08» Zimmer zu relativen Schnäppchenpreisen ergattern lassen…

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es in bezug auf die «Euro 08» drei verschiedene Preispolitiken gibt:

• Das Stammgäste-Hotel, das allerhöchstens einen moderaten Aufschlag verlangt.

• Das eher renommeelose Hotel, das mit Mehrtagebuchungen zu aussergewöhnlichen Preisen kräftig zulangt.

• Das Gross-Hotel, das Kontigente an einen spekulativen Wiederverkäufer verkauft hat.


Nebst diesen drei Hauptgewichten gibt es etliche mit sehr individuellen Preisgestaltungen. Ob die nun zutreffen werden oder nicht, sei dahingestellt. Wer im «Mittelfeld» liegt, der schaut genau, was die anderen anbieten - aber offenbar sind immer noch Hotelzimmer während der «Euro 08» zu haben. Fragt sich nur, zu welchem Preis, und ob die dann auch einen entsprechend zahlenden Gast beherbergen werden…


Von Redaktion



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