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Artikel vom 24.05.2007

Basel - Kultur

Baldo Podic geht in Pension

Der Nachfolger des kroatischen Dirigenten am Theater Basel heisst Gabriel Feltz

Von Redaktion



Baldo Podic sagte mal in einem Interview: «Es kann einem nichts Besseres passieren als die Schweiz.» Wir sagen: «Dem Theater Basel konnte nichts Besseres passieren, als Baldo Podić!»


Baldo Podic ist nicht nur ein grossartiger Musiker, sondern auch eine sehr angenehme Person und ein anständiger Vorgesetzter. Wie aus dem Communiqué des Basler Theaters vom Donnerstag, 24. Mai 2007, hervorgeht, «wird er sich altersbedingt aus seiner festen Position am Theater Basel zurückziehen». Sein Nachfolger ist der 1971 in Ost-Berlin geborene Gabriel Feltz, neudeutsch in der Pressemeldung «First Principal Guest Conductor» genannt, was auch auf Deutsch nicht weniger technokratisch «erster Haupt-Gast-Dirigent» heisst… Na ja, unserem stets bewunderten Podic wünscht webjournal.ch alles Gute für seine Alters-Residenz als «conductor in residence»…

Der Name des Dirigenten Baldo Podić ist seit einem Vierteljahrhundert mit dem Basler Stadttheater verbunden. Er schloss 1965 sein Studium an der Musikakademie in Zagreb mit Auszeichnung ab und wurde sofort als Assistent der Zagreber Philharmonie engagiert.

Schon drei Jahre später folgten Verpflichtungen an den bekanntesten Theaterhäusern Europas und den USA. Außerdem war er musikalischer Leiter des Opernstudios in Paris.

Das erste Mal dirigierte Podic in Basel 1975.

Im Jahre 1983 wurde er erster Kapellmeister am Stadttheater Basel. Viele Aufführungen unter seiner Leitung haben sich im Gedächtnis der Basler eingeprägt: Deutsches Requiem von Brahms, Verdis Rigoletto und Maskenball, Figaros Hochzeit von Mozart, Turandot von Puccini, Hänsel und Gretel von Humperdinck, Bellinis Norma. Bonn hat ihn nach der Aufführung der Fledermaus von J. Strauss gefeiert, Düsseldorf nach Verdis Othello und La Traviata, Wagners Tristan und Isolde, Carmen von Bizet, die musikalische Leitung von Manon und Die lustige Witwe an der Chicago Lyric Opera. Baldo Podić ist auch als Dozent für das Fach Korrepetition Opernstudio an der Musik-Akademie der Stadt Basel tätig.

Den grossen Musiker zeichnet eine ungewöhnliche Bescheidenheit und Zurückgezogenheit aus. Jeder Glamour ist ihm fremd. Dennoch ist und bleibt er eine unbestrittene Autorität für das ganze Orchester und alle anderen Mitarbeiter.


Das curriculum vitae von Feltz



Der «Neue» aus Berlin: Gabriel Feltz

Gabriel Feltz, 1971 in Berlin geboren, ist seit Saison 2004/2005 Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker. Von 2001 bis 2005 war er Generalmusikdirektor des Philharmonischen Orchesters und des Theaters Altenburg-Gera. Gabriel Feltz studierte an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin und schloss 1994 sein Studium in den Fächern Dirigieren und Klavier ab. Danach war er Assistent bei Gerd Albrecht an der Hamburgischen Staatsoper. Erste Engagements führten ihn anschließend an die Städtischen Bühnen Lübeck (1995-1997) und an das Bremer Theater (1997-2000).

1993 gewann Gabriel Feltz den 1. Preis des 4. Berliner Dirigentenkurses der Ferenc-Friscay-Gesellschaft. 1996 wurde er als einer von zwei "Conducting Fellows" des Tanglewood Music Center ausgewählt und trat dort in gemeinsamen Konzerten mit Seiji Ozawa und Bernard Haitink auf. 1997 war er Finalist des Bonner Dirigentenwettbewerbes und dirigierte das Abschlusskonzert des Beethovenfestes.

1999 wurde Gabriel Feltz Preisträger des Dirigentenforums des Deutschen Musikrates.

Gabriel Feltz dirigierte so bedeutende Orchester wie das Deutsche Symphonie- Orchester Berlin, das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks München im Rahmen des Internationalen ARD-Wettbewerbes München 2003, das Bayerische Staatsorchester, das Gürzenich-Orchester Köln, die Rundfunk-Sinfonieorchester in Berlin, Köln und Leipzig, das Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchester, die Staatskapelle Weimar, die Essener Philharmoniker, das Konzerthausorchester Berlin (ehemals Berliner Sinfonie-Orchester), das Beethoven Orchester Bonn, die Bremer Philharmoniker, die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin, die Dresdner Philharmonie, das RIAS-Jugendorchester Berlin, die Bamberger Symphoniker in Produktionen für den Bayerischen Rundfunk München sowie das Orchester der Flämischen Oper Antwerpen. 2000/2001 leitete Gabriel Feltz am Bremer Theater die Neuproduktion von Luigi Nonos "Intolleranza" in der Regie von Johann Kresnik. An der Bayerischen Staatsoper München debütierte er im März 1999 mit einer Balletturaufführung und ist seitdem dort regelmäßig Gast, so erneut im Juli 2006.

Im Oktober 2004 gab Gabriel Feltz sein erfolgreiches Debüt mit der Staatskapelle Dresden in der Semperoper, im Januar/Februar 2005 stand er für eine Produktion des Bayerischen Rundfunks München erneut am Pult der Bamberger Symphoniker. Außerdem dirigierte er das Philharmonische Staatsorchester Halle auf einer Gastspielreise in die Schweiz mit Konzerten in der Genfer Viktoria Hall und der Tonhalle Zürich. In der Saison 2005/2006 folgte er u. a. Einladungen des Bundesjugendorchesters zu einer Deutschlandtournee sowie zu Konzerten mit der Jenaer Philharmonie und dem Nationaltheater-Orchester Mannheim.

2006/2007 gibt Gabriel Feltz u. a. Konzerte mit dem Radio Sinfonie-Orchester Wien, dem Berner Symphonie-Orchester, dem Philharmonischen Staatorchester Mainz, dem Philharmonischen Orchester Freiburg, der Norddeutschen Philharmonie Rostock, dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken sowie dem KBS Symphony Orchestra Seoul. In der Saison 2007/2008 dirigiert Gabriel Feltz u. a. Konzerte mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt Nürnberg, dem Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, der Anhaltischen Philharmonie Dessau und folgt einer Wiedereinladung des Sinfonieorchesters St. Gallen. In der Saison 2008/2009 dirigiert Gabriel Feltz die Wiederaufnahme der Oper „Caligula“ von Detlef Glanert an der Oper Frankfurt/Main. Zahlreiche Rundfunkaufnahmen von Opern- und Konzertliteratur bezeugen Gabriel Feltz’ Interesse an neuer Musik. Im Herbst 2004 erschien bei Sony Classical eine CD mit Werken von Prokofjew als Weltersteinspielung (Radio-Philharmonie des NDR Hannover). Weitere Aufnahmen umfassen Orchesterwerke von Ottorino Respighi, Josef Suk und Richard Strauss (Alpensinfonie) mit dem Philharmonischen Orchester des Theaters Altenburg-Gera bei Dreyer-Gaido sowie von Friedrich Witt und Johann Nepomuk Hummel mit dem Thüringischen Kammerorchester Weimar bei Deutsche Schallplatten.

Im Herbst 2005 erschien bei Dreyer-Gaido eine CD der Stuttgarter Philharmoniker unter Leitung von Gabriel Feltz mit drei unterschiedlichen Werken der Musikliteratur- R. Strauss „Also sprach Zarathustra“, G. Ligeti „Athmosphères“ sowie W. A. Mozart Sinfonie C-Dur „Jupiter-Sinfonie“. Im Jahre 2006 folgte -wiederum unter dem Label Dreyer-Gaido- eine CD mit zwei Werken Rachmaninoffs „Der Fels“ und „Die Toteninsel“ sowie mit Skrjabin „ Promethée. Im Februar 2007 hat die “Foundation Serge Rachmaninoff“ die Stuttgarter Philharmoniker unter Leitung ihres Chefdirigenten Gabriel Feltz in Würdigung des bis heute umfangreichsten Aufführungszyklus eines deutschen Orchesters mit Werken Rachmaninoffs mit dem „Prix Rachmaninoff 2006“ ausgezeichnet.

Von Redaktion



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