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Artikel vom 09.08.2005

Gesundheit

Fernsehen macht dicke Kinder

Raus zum Spielen: Ein Informationsblatt für Eltern von Fernsehkindern klärt in elf Sprachen über Risiken und Nebenwirkungen des Vor-dem-Glotze-Sitzens auf

Von Jürg-Peter Lienhard



Nicht nur Immigrantenkinder werden vor dem Fernseher ruhiggestellt: Ein Drittel aller Basler Grundschüler Glotzt, statt Gluggeret in der Freizeit.



BASEL.sd.- «Ist das Fernsehen ein Bewegungskiller?», frägt das Basler Sanitätsdepartement diskret - wohl, weil sie den Massen des Fernseh-Mainstreams nicht zu fest auf die eingeschlafenen Füsse treten will. Und doch ist das Ergebnis einer Untersuchung höchst alarmierend, wie einem Pressecommuniqué vom Dienstag, 9. August 2005, zu entnehmen ist: 14 Prozent der Basler Kindergartenschüler (!) haben einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer…

In den unteren Primarschulen von Basel-Stadt sind es schon über 17 Prozent der ABC-Schützen, die über einen eigenen Fernseher verfügen dürfen. Zählt man auch die Kinder dazu, die am elterlichen TV-Apparat Glotze gucken oder Computerspiele betreiben, sind es rund ein Drittel aller Grundschulkinder, die sich mehr als eine Stunde Bewegung pro Tag von den Bildschirmen stehlen lassen.

Der Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention der Gesundheitsdienste des Sanitätsdepartementes Basel-Stadt ist diese Entwicklung nicht verborgen geblieben. In einer repräsentativen Elternbefragung sehen sich die Amtsverantwortlichen nun auch mit den obgenannten Zahlen bestätigt: Fernsehen und Computerspielen im frühen Kindesalter bedeutet Mangel an Bewegung, die doch gerade in dieser wichtigen Periode des Heranwachsens für die Gesundheit so entscheidend ist.



Bald auch für Buben Büstenhalter-Zwang (BHZ) in der Häfelischule? Bewegungsarmut durch Glotzegucken und Schnellfrass machens möglich.



Zumindest vor dem «Hintergrund von zunehmendem Bewegungsmangel und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ist der richtige Umgang mit Fernseher sowie Computer- und Videospielen in der Freizeit heute ein wichtiges Thema», stellen die Gesundheitsdienste daher fest. Das breite Medienangebot - dessen Eindringen in die Kinderzimmer kaum gebremst werden kann - sollte nach Auffassung der Behörden «nicht dazu führen, dass der natürliche und gesunde Bewegungsdrang von Kindern gebremst wird».

Was also tun, was unternehmen, um die Eltern aufs Thema zu schubsen - zumal auf Einwanderer aus Kulturen, bei denen das Fernsehen so etwas wie die oberste kulturelle Errungenschaft bedeutet? Der schulärztliche Dienst macht nun einen ersten Schritt bei dieser heiklen Aufklärungsarbeit wider die vermeintliche «individuelle Freiheit» und gibt ein Informationsblatt in elf Sprachen der gängigsten Immigrantengruppen heraus.



Wenn die Alten zu blöd sind, um ihren Kindern eine tolle Geschichte zu erzählen, oder um mit ihnen rauszugehen zum Spielen, und stattdessen lieber faul Glotze gucken und Dickmacher futtern, dann werden auch die Kinder blöd und fett!



Das webjournal.ch lädt seine geschätzten Leser und Leserinnen ein, dieses Infoblatt hier mit nachfolgendem Link als PDF-Dokument herunterzuladen und es den in Frage kommenden Nachbarfamlien fremdländischer Herkunft zukommen zu lassen. Vielleicht ist dies ein erster Schritt zum Kontakt mit den unbekannten Nachbarn und zur Diskussion über Probleme bei der Gestaltung des gesundheitsförderlichen Umfeldes der gemeinsamen Kinder?

Das Faltblatt des Schulärztlichen Dienstes Basel-Stadt ist in folgenden Sprachen erhältlich: Deutsch, Albanisch, Südslawische Sprachen, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Tamilisch und Türkisch. Es kann angefordert werden bei:
Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Gesundheitsdienste, Schulärztlicher Dienst, St. Alban-Vorstadt 12, 4052 Basel, Tel. 061 267 45 20, Fax 061 272 36 88.

Von Jürg-Peter Lienhard

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