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Artikel vom 15.06.2005

Art 36 Basel

Von Anus bis Warhol

Fotospaziergang durch die Art 36 Basel 2005 - Alle Fotos: J.-P. Lienhard, Basel © 2005

Von Jürg-Peter Lienhard



Vergängliche Kunst vor der Art 36 Basel: Eisblöcke, die die Art nicht überleben, aber auch die Art Nummer 36 ist nur auf Zeit grösstes Museum der Welt…



BASEL. Seit Mittwoch, 15. Juni 2005, hat in Basel die weltgrösste Kunstmesse der Moderne ihre Pforten geöffnet - als weltgrösstes Museum auf Zeit. Das Happening dauert bis Montag, 20. Juni 2005, und bringt die besten Künstler der Gegenwart, die renommiertesten Galerien und die potentesten Kunstkäufer der Welt an die Stadt am Rheinknie.

Seit ich mit entsinnen kann, und das sind nun mittlerweile 36 Kunstmessen Art, hat es an einer Vernissage noch nie geregnet. Anders an der Vernissage 2005 am Dienstag, 14. Juni 2005, wo das Vergnügen sehen und gesehen werden durch unerbittlich heftige Gewitter erschwert wurde: Im Nu war der zuvor gerammelt volle Rundhof des alten Mustermesse-Baus leergefegt; viele Besucher zogen es vor, sich in die Messeräume zu verziehen, wo man vor lauter Leute, kaum ein Bild ungestört betrachten konnte - geschweige denn für einen Kauf evaluieren…

Fürs Publikum ohne grossen Geldbeutel lohnt sich immerhin der Besuch der Art Unlimited, die ganz interessante Installationen zu bieten hat - allerdings nicht fürs Wohnzimmer geeignet… Auch auf dem Messevorplatz sind einige Installationen aufgestellt: Eine «Anus-Bar» - wie geschmackvoll… - und Schachfiguren in Zahnform - wie sinnig…

Übel bekleidete Schickeria…

Wo es ans Geld geht, in der Halle mit der grossen Uhr, stellt Beyeler dieses Jahr zum letzten Mal aus - mit Picasso und Giacometti. Teuer ist auch Warhol, der da und dort angeboten wird.

Woran es liegt, dass ich dieses Jahr unter den Vermiselle-Gästen nur schlecht angezogene Leute beobachten konnte - kaum ein schönes Bein in kurzem Mini -, kann ich nicht sagen - stimmt aber bedenklich: Wenn schon keine Kravatte, dann nicht auch noch blaue Jeans, deren Hosenboden bis an die Knie rutscht! Schrillen, «Künstler-ähnlichen» Plunder sah man hingegen dann und wann - getragen von reichlich gepolsterten Damen im vorgerückten Alter, und wohl von solchen, die die «Sloggi»-Werbung verbieten wollen… Geschmacklos auch die langen, spitzen Damen-Stöckel, von denen es nun auch solche - pfui! - als Schlüpfer gib; darüber ausgefranste Hosenbeine, schmutzig, Fäden ziehend und richtig schlampig.

Wo Geld ist, ist Altershheim…

Dort, wo Geld stinkt, gibt es auch wenig Junge: Ein Altersheim-Touch lag über der Vernissage-Gesellschaft. Und wie ich gehört habe, zeigen die Jungen in der ganzen Stadt verteilt ihre Revoluzzereien. So zum Beispiel zwei Zürcher Künstlerinnen in der Rotlicht-Bar «RedRose» - allerdings nur in einer Show von 19 bis 21 Uhr. Danach ist allerdings wieder das «normale» Nacktarsch-Programm für solche, die sich wohl nicht für Kunst interessieren…

Für Kunst interessiern sich hingegen die bildhübschen Leserinnen und die klugen Leser von webjournal.ch. Und um deren Appetit auf die Art 36 Basel anzuregen, habe ich hier von meinem Fotospaziergang einige Müsterchen anzubieten. Gucken Sie hier, gehen Sie aber hin und schauen Sie selbst:

































































«Gold-Pflästerung…





Was würde Delacroix zu dieser Foto-Arbeit wohl sagen?













Alle Fotos: Jürg-Peter Lienhard, Basel © 2005

Von Jürg-Peter Lienhard



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