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Artikel vom 29.01.2009

Elsass - Allgemeines

Sesshafte Zugvögel

Normalerweise verbringen sie den Winter im warmen Süden, trotzdem sind momentan mehrere Dutzend Weisstörche im Zoo Basel anzutreffen

Von Redaktion



Ein ornithologisch ungewöhnliches Bild: Pionierstörche aus dem Wiederansiedlungs-Projekt sind «Winterstörche» geworden und warten im Basler Zolli im Schnee darauf, ihre Portion zu erhalten, bis sie wieder auf den nicht mehr gefrorenen Feldern selber Futter finden können. Foto: Thomas Jermann, Zoo Basel © 2009


«Winterstörche» von überall besuchen zurzeit den Zoo Basel. Der Grund, weshalb die Zugvögel den Winter lieber im kalten Norden verbringen, geht auf die erfolgreichen Wiederansiedlungsprojekte im Elsass und in der Schweiz zurück. In den 50-er Jahren fing man mit dem Projekt an, bei dem die Vögel an der Reise nach Afrika gehindert wurden. Inzwischen ist der Weisstorch wieder heimisch. Die sehr alt werdenden Projektstörche aber bleiben ihren alten Gewohnheiten treu und verzichten auf «Winterferien» im Süden. Nicht aber ihre Nachkommen.

Ein ungewöhnliches Bild bietet sich zurzeit im Zoo Basel: Bis zu 32 Weissstörche warten am späten Vormittag beim oberen Weiher auf ihre Portion Weissfisch. Normalerweise verbringen die Störche den Winter in warmen Regionen Afrikas, wo sie genug Nahrung finden, um sich Reserven für den Rückflug anzufressen.

Die «Winterstörche» gehen grösstenteils auf ein Wiederansiedlungsprojekt der Vogelwarte Sempach zurück, das Max Bloesch in Altreu im Jahre 1948 zu verwirklichen begann, nachdem die ursprüngliche Storchenpopulation in der Schweiz ausgestorben war. Um nicht auch noch die letzten Vögel auf der Zugroute zu verlieren, wurden die sogenannten Projektstörche am Flug nach Afrika gehindert und für die Zucht eingesetzt. Das Konzept war erfolgreich, und heute brüten wieder an die 200 Weisstorch-Paare in der Schweiz; im benachbarten Elsass nochmals so viele.

Die jüngeren Nachwuchsstörche hingegen fliegen wieder nach Afrika und zurück. Die Projektstörche haben jedoch dieses Verhalten verlernt und bleiben in der Schweiz. Im Herbst trifft man sie häufig auf den umliegenden Feldern, im Winter, wenn sie im gefrorenen Boden keine Nahrung mehr finden, kommen die Vögel in die Storchenstützpunkte zurück.

Auch der Zoo Basel setzt sich seit Jahren für den Schutz und Erhalt dieser Art ein und hilft den winterlichen Besuchern die kalten Tage durchzustehen. Wenn der Boden wieder aufgetaut ist, wird die Fütterung eingestellt, deshalb finden sich die Vögel nur im Zolli ein, wenn ausserhalb die Nahrung zu knapp geworden ist.

Die Zug-Störche, die ihren «Winterurlaub» an der Wärme verbringen, kommen im März und April zur Brut zurück in die Schweiz und ins Elsass und fliegen erst im frühen Herbst wieder in den Süden. Die Jungvögel reisen vor ihren Eltern ab und finden mit Hilfe eines inneren «Kompasses» ihren Weg selbständig, ohne Führung durch erfahrene Altvögel. Im Gegensatz zu den Erwachsenen bleiben die Jungen bis zur Geschlechtsreife zwei bis vier Jahre in Afrika und kehren erst dann erstmals nach Europa zurück.



«Sommerstorch» im Elsass. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009

Von Redaktion



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