Artikel vom 11.03.2008

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Ottokars Cinétips

Phantome aus dem Pleistozän

Götter und Geister beherrschen die Welt, Mammuts lassen die Erde erbeben, Steinzeit-Jäger kämpfen gegen Säbelzahn-Tiger und andere prähistorische Raubtiere - in Roland Emmerichs «10 000 BC»

Von Ottokar Schnepf



Als das Mammut röhrte waren die Neandertaler bereits ausgestorben und Urmensch Ötzi noch nicht geboren.


1967 bezirzte sexy Raquel Welch im Pelz-Bikini die Jäger auf der Leinwand genau so wie die Zuschauer im Kinosaal. Der Kolossalfilm «Eine Million Jahre vor unserer Zeit» war ein Remake vom 1940 entstandenen «One Million B.C.» mit Carole Landys und Victor Mature in den Hauptrollen. Jetzt feiert diese lange scheintote Filmgattung mit «10 000 B.C.» fröhliche Auferstehung in einem Mammut-Blockbuster, der noch einmal die ganze Menschheitsfamilie vors wärmende Lagerfeuer auf der Kinoleinwand ziehen will.

Das könnte dem mit Grosstieren («Godzilla») und Zeitreisen («The Day After Tomorrow») gleichermassen vertrauten Regisseur Roland Emmerich bestens gelingen, indem er mit den neuesten filmtricktechnischen Mitteln das Begriffslose illustriert und Naturgewalten entfesselt, die der jugendliche Held immer wieder bändigen muss.

Dazu legt der Film einen imponierenden Parcours durch die urzeitliche Flora und Fauna vor. So wie er für seine Mammuts, Säbelzahntiger und Riesenvögel Storyboard-Entwürfe mit Bewegungsabläufen vertrauter Tierarten «kreuzt», generiert er eine komplett synthetische Urwelt, in der eisige Höhen und tropische Dschungel, Savannen und Wüsten die Bühne abgeben für eine Mixtur imaginärer und realer Kulturen.

So weit so gut. In grossen Dimensionen hat Roland Emmerich bei der Durchführung seiner Kino-Produktionen schon immer gedacht; seine Filme strotzen von jeher vor Spezialeffekten - die aber gerade deswegen Oberflächlichkeit und technokratische Beliebigkeit vermitteln, die einer adäquaten Geschichte keinen Platz einräumen.

Dem Plot um einen jungen Jäger, der sich gegen feindliche Kriegsherren und vorsintflutliche Raubtiere behaupten muss, kommt deshalb nur sekundäre Bedeutung zu. Die «10 000 B.C.»-Inszenierung konzentriert sich in erster Linie auf spektakuläre und visuelle Effekte. Gegen aufkommende Langeweile rettet diesmal leider keine Raquel Welch im Fell-Bikini.

Von Ottokar Schnepf


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