Artikel vom 08.01.2008

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Basel - Kultur

Der Buchladen am Spalentor bleibt!

Nach 55 Jahren Ganzoni sind weitere 55 Jahre mit Isabelle Hof angesagt…

Von Jürg-Peter Lienhard



Eine Aera geht zu Ende, und fliessend hat eine neue begonnen: Morgestraich-Druggede in der Traditions-Buchhandlung am Spalentor. Alle Fotos: J.-P. Lienhard, Basel © 2008


Es gibt sie noch, die Leute, die Bücher lesen und an Büchern interessiert sind. Und wie! So eine Sardinenbüchsenstimmung am Dienstag, 8. Januar 2008, in der gewiss nicht kleinen Buchhandlung Ganzoni am Spalentor habe ich nicht mal an der überaus stark besuchten Lesung von Dieter Forte erlebt! Das Ereignis: Das Buchhändler-Ehepaar Ruth und Ulrich Ganzoni beendet ihre 36-jährige Buchhändlertätigkeit, aber lässt das Geschäft in den Händen ihrer früheren Mitarbeiterin Isabelle Hof weiterleben.



Die Ganzoni-Buchhändler von rechts nach links: Ulrich Ganzoni, Ruth Ganzoni vorne und Isabelle Hof hinten.


Wenn man bedenkt, was die Aufhebung der Buchpreisbindung für die Literatur in der Deutschschweiz bedeutet, für Basel für Folgen hat und noch haben wird, so grenzt es doch an ein Wunder, dass die junge Buchhändlerin Isabelle Hof das enorme finanzielle Risiko auf sich genommen hat, um die Nachfolge des Ehepaares Ganzoni anzutreten.

Damit begeht sie nicht nur ein ungewisses Wagnis, sondern sorgt auch dafür, dass der Spalen eine Buchhandlung, nein, die Buchhandlung Ganzoni, erhalten bleibt. Der Name ist Programm und bleibt Programm, wie Ulrich Ganzoni bei der Vorstellung seiner Nachfolgerin erklärte. Isabelle Hof arbeitete als Angestellte 15 Jahren bei den Ganzonis, kennt den Laden und seine höchst anspruchsvolle Kundschaft bestens und will daher auch in Zukunft für Kontinuität des Geschäftes besorgt sein.

Das Ehepaar Ganzoni war 36 Jahre in der familieneigenen Buchhandlung tätig, das mit ihrem Abtreten nun ein 55-jähriges Kapitel des Geschäftes beschliesst. Abschiedsstimmung kam aber nicht auf, die Nachfolgerin Isabelle Hof hatte ja auch schon einige Zeit faktisch den Laden geführt. Es war wohl auch ein bisschen Neugier dabei von Seiten der Kundschaft, die zu diesem Riesenandrang führte, aber die Leute wollten mit ihrem Erscheinen eben auch manifestieren, dass eine Buchhandlung eben nicht ein banales Geschäft ist, wie ein Kiosk oder die Post (…), sondern eben auch einen gewissen Kulturauftrag erfüllt, der oft mit viel Leidenschaft und Herzblut für mitunter geringe Margen geleistet wird.

Erstaunlich war dann, dass in dieser Morgestraich-Druggede die Leute tatsächlich ausharrten, kaum zum Apéro-Tisch vordringen konnten und mucksmäuschen still Hans-Dieter Jendreyko lauschten, der doch als routinierter Schauspieler eine starke Stimme hat, jedoch aufs Mikrofon verzichtete, weil er durch die Druggede nicht vorankam und dann halt höchste Aufmerksamkeit erforderte, damit man ihn überhaupt hören konnte. Zwar habe ich nicht mehr im Kopf, wessen Texte er las - Ingeborg Bachmann war darunter - aber ein Satz ist mir geblieben: Dass sich Schriftsteller nicht «der Sprache bedienten» - das tun Journalisten und Werbetreibende. Vielleicht mailt mir Isabelle Hof den kompletten Text, damit ich mir den Satz dick anstreichen und an den Bildschirm kleben kann…




Klugen Köpfen sieht man es an - von hinten wie von vorne: Isabelle Hof beim Bad in der Menge…

Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Homepage der Buchhandlung Ganzoni


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