Artikel vom 01.01.2008

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Ottokars Cinétips

«Was immer es ist, ich bin dagegen!»

Dieser Satz stammt einmal nicht von Ex-Bundesrat Christoph Blocher, sondern von Groucho Marx

Von Ottokar Schnepf



Spaulding, Driftwood, Hackenbush heissen Typen, die verkörpert von Groucho Marx zu Kultfiguren wurden.


Die Marx Brothers sind anscheinend in Vergessenheit geraten. Selten bis überhaupt nicht ist einer ihrer insgesamt 13 Filme im Kino oder am Fernsehen zu geniessen. Lieber servieren sämtliche TV-Sender am Sylvester- oder Neujahrs-Abend den ausgelaugten Streifen «Dinner for One». Deshalb stimmt der Satz von Butler James: «The same procedure every year» im doppelten Sinne.

Dabei würden die Filme der Marx Brothers exzellent zum Sylvester-Programm passen. Doch die surrealistischen Spassmacher vom Dienst hatten es bei uns und um uns herum in Europa immer schon schwer. Obwohl ihr erster Film «Coconuts» 1929 entstanden ist, schwappte diese Form des Marxismus erst Ende der 60er über den grossen Teich. In jener Zeit der Auflehnung gegen eine autoritätshörige Generation trafen Chico, Harpo, Groucho und manchmal Zeppo mit ihrem anarchistischen Humor und ihrer Lust an der Störung spiessbürgerlicher Ordnung den Nerv: «Je suis Marxiste - tendance Groucho» war denn auch während der Studentenrevolte an Pariser Hausmauern zu lesen.

Zu dieser Zeit lagen Hollywood und der Rest der Welt vor allem dem Anführer der Anarchisten-Brothers Groucho zu Füssen, der mit Frack, Hornbrille (ohne Gläser) und aufgemaltem Schnauz den bornierten Grossbürger karikierte und gesellschaftliche Normen demontierte. Unvergesslich sind die Kalauer geblieben: «Entweder der Mann ist tot, oder meine Uhr ist stehen geblieben» (A Day at the Races), «Es ist zu spät, den Krieg aufzuhalten. Ich habe das Schlachtfeld schon für einen Monat gemietet» und: «Sie sind verloren, wenn man Sie findet!» - «Quatsch, wie kann man verloren sein, wenn man gefunden wird?» (Duck Soup/Die Marx Brothers im Krieg).




«Wir haben herausgefunden, dass wir nicht herausgefunden haben!» Chico, Groucho, Peppo, Harpo Marx - die anarchistischsten Brüder des 20. Jahrhundderts.


Grouchos Einfluss auf die Pop-Kultur ist bis heute unbestritten: Die «Monthy Pythons» wären ohne die Marx Brothers kaum denkbar. Woody Allen zitiert sein Idol in nahezu jedem Film. Und die Groucho-Brille mit Plastiknase und Schnauz ist ein Schlager auf Kostümfesten.

Und trotzdem starb Groucho Marx am 19. August 1977 im Alter von 86 Jahren nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Presse war zwar bestens vorbereitet, seit Tagen schon lag Groucho im Koma. Umfangreiche Nachrufe lagen druckbereit auf den Zeitungsredaktionen. Und dann starb Elvis Presley am 16. August. Die Zeitungen hatten «die meiste Tinte, die für die Lobpreisungen von Pop-Ikonen reserviert war, bereits aufgebraucht» (Marx-Biograf Stefan Kanfer).

Das Time-Magazine dampfte den Marx-Nachruf auf 35 Zeilen ein; der Artikel über Presley nahm dreieinhalb Seiten in Beschlag. An dieser Gewichtung hat sich bis heute nichts geändert.

«Skandal in der Oper» heisst ein Marx Brothers-Film; «Skandal im Fernsehen und im Kino» möchte man ausrufen!

Von Ottokar Schnepf


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