Artikel vom 27.09.2007

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Elsass - Kultur

Auf ins «Texti‘Val»!

Naturfasern sind der Trend der Mode-Avantgarde und jetzt am Wochenende vom 28. bis 30. September 2007 am 1. Markt der Naturfasern-Couture von Husseren-Wesserling zu bewundern

Von Jürg-Peter Lienhard



Junge Mode, wilde Mode: Wildes Design in Natur- statt Kunstfasern als Avantgarde-Mode im Parc von Wesserling.


Weder Nylon noch Acryl, weder Plastik noch GoreTex, sondern Textiles aus den so «altmodischen» Materialien wie Seide, Mohair, Angora, reine Leinen, Flachs, Hanf, Filz oder «Peau-retournée»-Lederpelzen, sind der Trend bei den jungen Modemachern Frankreichs. Sie haben Aufwind in der Branche, die in der Vergangenheit nur allzu leichtfertig ihr Konow-how nach Asien «auslagerte». Und wieder hat das junge Team um Eric Jacob vom Parc de Wesserling, dem traditionsreichen Textilort am Fusse der Vogesen, den Trend erfasst und startet jetzt ein neues Festival der Ideen und der Kreationen unter dem Titel «Texti‘Val».

Die Idee lag nahe, der jungen Textil-Kreation im Park von Wesserling ein Forum zu bieten, gehörte hier doch der Park mit seinem Lust- und Jagdschloss aus dem 17. Jahrhundert einst den mächtigen elsässischen Textilbaronen. Diese bauten am Fuss des Moränehügels schon vor der französischen Revolution eine ganze Reihe von Textilfabriken, die exzellente Textilien für den französischen Königshof und später in die ganze Welt hinaus lieferten.

Das Schloss wurde erst vor wenigen Jahren unter Denkmalschutz gestellt, wartet aber noch auf seine vollständige Restauration. In den lange leergestandenen Fabrikations-Gebäuden, die auf dem riesigen Parkgelände angesiedelt sind, haben sich nach der von den siebziger Jahren bis zur Jahrtausendwende anhaltenden Textilkrise, nach und nach zahlreiche neue Betriebe installiert, meist handwerkliche und etliche Kunsthandwerkliche aus dem Textilsektor. Im ältesten Webereigebäude hat der Gemeindeverbund des Tales von Saint-Amarin ein äusserst ansprechend gestaltetes Textilmuseum durch den Historiker Eric Jacob einrichten lassen.




Jacob zielte mit dem Museum gleich von Anfang darauf ab, Textilgeschichte und Mode so zu zeigen, dass sie in einem Zusammenhang gesehen werden können, und dass sie daher Anregungen für die Gegenwart provozieren. Zunächst hat er dies mit Künstlern veranstaltet, die mit textiler Kunst zu einem jährlich neuen Thema für Aufsehen sorgten.

Die Kontakte zu der jungen Textilszene links und rechts und über die Grenzen nach Deutschland, der Schweiz und nach Innerfrankreich, drängten den Präsentations-Markt für Neuschöpfungen mit Naturmaterialien geradezu auf. Der Name «Texti‘Val» jedenfalls ist gut gewählt, lässt sich auch auf Deutsch gut aussprechen und vereinigt Textil und dieses traditionsreiche Textil-Tal in einem. Eric Jacob hat vor 13 Jahren im anderen gloriosen elsässischen Textil-Tal, Sainte-Marie-aux-Mines, bereits einen Riecher für verborgene Leidenschaften gehabt, als er das inzwischen sehr erfolgreiche Textil-Event des Patchwork-Festivals aus dem Nichts auf die Beine stellte.




Das Programm «Texti‘Val», dem «1er marché de la création textile naturelle», ist denn bereits enorm vielfältig, überraschungsvoll und schlicht anziehend (anziehend drängt sich sowieso für ein Textil-Event auf…): Abgesehen davon, dass alle Kreationen Neuschöpfungen, also Avantgarde-Mode sind, stammen sie von rund 30 Herstellern aus den wenigen noch produzierenden Naturfaser-Gegenden Frankreichs. Viele sind aus dem Süden, wo die Schafzucht die Wolle liefert oder wo noch Leinen und Hanf hergestellt werden.




Programm und Aktivitäten


Ausstellungen im Kunsthandwerker-Pavillon

25 Aussteller zeigen Kreationen in

• Mohair (Decken, Stola, Pullover, Kinder-Gilets, Mützen und Schärpen)
• Leinenwebereien (Vesten, Mäntel, Ponchos)
• Färben (mit Naturfarben bemalte Stoffe)
• Wolle (Strickwesten und Wollsachen)
• Filz (Taschen, Kappen und Mützen, Gilets, Accessoires)
• Peau retournée, das ist Fellbekleidung, wobei die Haut aussen getragen wird (Mäntel, Jacken, Pantoffeln)
• Seide (Seidenmalereien, Seiden-Bekleidung)
• Angora (Strickwolle, Pullover)
• Garne (gesponnene Garne und Bekleidung in Garnen)





Textil-Kunst im Textil-Museum

• Françoise Chamagne: Textil-Plastiken mit Filz und Leinen
• Mathilde Grolleau: Plastiken in Haarseide, Rohstrukturen durch wilde und pflanzliche Textilien
• Françoise Brès: Stoffe in Naturfarben getränkt, «tragbare Kunst»



Vorführungen im Textil-Museum

• Krempeln und Weben: an allen drei Tagen von 10 bis 18 Uhr
• Filzherstellung: Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr
• Kelsch-Weben: Freitag und Samstag von 10 bis 18 Uhr





Modenschauen, Tanzmodeschau

• Freitag: 14.30 Uhr und 16.30 Uhr
• Samstag und Sonntag: 11 Uhr, 14.30 Uhr und 16 Uhr


Offene Ateliers im Park-Gelände

• Holschnitzer-Atelier: Spielzeugherstellung
• Bijouterie Roswitha Puls: Kleinode in alter und neuer Technik
• Cornaline Création: Ziersteine natur oder mit Silber, Kristalle
• Manufacture d‘Impréssion de Wesserling: Tisch-Textilien, Faiënce und Kristallgläser
• Delphia: Digitaler Textildruck
• Atelier Etoffe des Fées: Kimonos und Einzelstücke, Show-Bekleidung, Riesen-Maskottchen
• Atelier Rêves et Toiles: Künstlerische und kunsthandwerkliche Produkte - Bilder, Bijoux, textile Objekte
• L‘atelier d‘en face: Fantasie-Bekleidung, Theater-Kostüme, Einzelstücke, Textilarbeiten in edlen oder rezyklierten Materialien
• Pattywes: Textil-Kreationen und Gewobenes





Und ausserdem:

Benutzen Sie den Besuch von «Texti‘Val», um vor Saisonschluss am Sonntag, 30. September 2007, den Schlossgarten zu besichtigen. Darin befinden sich der Zier- und Gemüsegarten sowie die Gartenausstellung «Jardins d‘Eau».


Besichtigen Sie auch das Textil-Museum mit seinen Ausstellungen zur Textil-Fabrikation und seiner Geschichte, sowie die Sonderuasstellung «8. Triennale der Textil-Miniaturen» aus den Museen von Angers und Quilt Art (Patchwork) und den Raum Roman Gros, der Indienne aus der Zeit zwischen 1762 und 1840 zeigt.

Vorführungen: Weben, Hand-Stoffdruck und Digitaldruck täglich um 11.15 Uhr, 14, 15.30 Uhr und 16.30 Uhr.


Quilt Art, die neue Ausstellung von textiler Kunst in Patchwork-Technik - bis 28. Oktober 2007












Nützliche Informationen

Eintrittspreise «Texti‘Val»
vom 28. bis 30. September 2007 von 10 bis 18.30 Uhr

Reduzierte Eintrittspreise: Im Eintritt für «Texti‘Val» inbegriffen ist auch der Zutritt in alle Park-Gelände und -Gebäude, ins Textil-Museum, in den Zier- und Gemüsegarten und in die Gartenausstellung «Jardins d‘eau».

• Erwachsene: 3.50 €uro (statt 7 €uro)
• Kinder ab 10 Jahre: 1.50 €uro (statt 3.50 €uro)
• Kinder unter 10 Jahren gratis


Verpflegung (2 Restaurants, Caféteria)

• Restaurant «La Clématite», einfach und preiswert
• Restaurant «Coté Jardin», zwischen den Mahlzeiten auch «Salon de thé»
• Erfrischungen in der Caféteria des Textil-Museums oder im Tierpark



Adresse:

Parc de Wesserling
F-68470 Husseren-Wesserling
Tel. 0033 3 89 38 28 08
eMail: info@parc-wesserling.fr
Homepage: www.parc-wesserling.fr



Anfahrt

• Per Zug/Velo: siehe Fahrplan im Format PDF, abrufbar unter untenstehendem Link. Der Bahnhof Husseren-Wesserling befindet sich 200 Meter vom Park-Eingang.
• Per Fahrzeug: Auf der A35 Basel–Mulhouse in die A36, Ausfahrt Thann Richtung Thann auf der N66, via Thann–Saint-Amarin zum Ziel Husseren-Wesserling, wo die Zufahrt zum Park am Dorf-Eingang gut sichtbar beschildert ist.



Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Fahrplan Laufenburg–Frick–Basel–Mulhouse

• Fahrplan Mulhouse–Husseren

• Das Programm «Texti'Val» (franz.) im Format PDF

• Mehr über den Parc de Wesserling (deutsch)


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