Artikel vom 05.03.2006

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Basel - Allgemeines

Basler Morgenstreich in Weiss

Seit 1963 fiel in Basel nie mehr so viel Schnee vom Himmel, und der erste «Morgeschtraich» seit dem 1. Morgenstreich von 1835 wird wohl als «Schneestampfer» in die Basler Fasnachtsgeschichte eingehen…

Von Jürg-Peter Lienhard



2005 war Schnee an der Basler Fasnacht nur als Skulptur zu sehen - 2006 jedoch dominiert Schnee das Geschehen in den Strassen. Foto: Renée S., Basel © 2005



Am Montag, 6. März 2006, beginnt um 4 Uhr in der Früh und exakt mit dem Glockenschlag, der Basler Morgenstreich - der Auftakt zur dreitägigen Basler Strassenfasnacht. Wohl im «Schneepflutter», wie die Basler sagen, denn von den zwischen 40 und 60 Zentimeter Schnee, die in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag zuvor fielen, wird vor allem Matsch die Pisten der Fasnächtler behindern und dem Publikum das Vergnügen vergällen.

So weit sich aktive Fasnächtler in Basel zurückerinnern mögen, hat es am «Morgeschtraich» noch nie Schnee in den enormen Mengen vom Sonntag, 5. März 2006, gegeben. Doch geschneit hat es an der Basler Fasnacht immer wieder. Peter Achten, China-Korrespondent des Schweizer Radio, erinnert sich an den «Gugge»-Dienstag des Jahres 1986, als es plötzlich mit dicken, fetten Flocken zu schneien begann und in ganz kurzer Zeit wohl über 30 Zentimeter Schnee auf die Fasnächtler fiel. Damals tönten dann die lautstarken «Guggen» und die Trommel- und Pfeifermusik, als ob man eine Wolldecke über die Cliquen gelegt hätte: Der Schnee dämpfte den Schall empfindlich…

Für diese Schnee-Fasnacht 2006 haben sich gemäss Fasnachts-Comité 508 Gruppierungen für den Cortège, wie in Basel der Umzug baslerisch-eigenwillig geheissen wird, angemeldet. Gemäss Comité bedeutet dies eine leichte Steigerung zum Vorjahr, wo «nur» 493 «Einheiten» unterwegs waren. Dadurch kann die Zahl der aktiv teilnehmenden Fasnächtler auf um die 20‘000 Nasen geschätzt werden - eine Zahl, die seit zehn Jahren trotz stets winzigen statistischen Fluktuationen stabil geblieben ist.



Auf diese Foto sind viele Basler stolz: Der prominenteste «Schwoob», der je die Basler Fasnacht besuchte, war Bertolt Brecht, hier im massgeschneiderten Arbeiter-Kostüm.



Demgegenüber stehen wohl um die 500‘000 Passive, also Zuschauer und Gäste von allen Regionen der Welt, die zumindest am «Morgeschtraich» dem fasnächtlichen Geschehen zuschauen. Eine bedenkliche Zahl nannte der Obmann des Fasnachts-Comités an der traditionellen Pressekonferenz, Felix Rudolf von Rohr, jedoch auch: Die Zahl der Jungen Garden und der Binggisse ist von 2284 im Jahr 1996 auf 1855 für die Fasnacht 2006 zurückgegangen. Eine Alarmmeldung für die Pflege des Nachwuchses, dem das Comité mit besonderen Massnahmen nun wieder auf die Beine helfen will. Nämlich mit der Intensivierung der ersten Trommel- oder Pfeiferstunde am Wochenende nach der Fasnacht auf dem Barfüsserplatz.

Extrem vielfältig sind die traditionell stets verklausuliert angekündigten Sujets der Gruppen, wie aus dem «Rädäbäng», dem offiziellen Fasnachts-Führer zu entnehmen ist und der dieses Jahr erstmals viel früher in den Verkauf an den Kiosken gelangte: Der Schwerpunkt liegt offenbar auf meist lokalen Themen - wodurch Auswärtige wohl noch weniger von der Basler Fasnacht verstehen werden, zumal die Basler Fasnacht ja eigentlich eine «interne» Angelegenheit der Stadt am Rheinknie ist. Allerdings gibt es gleichwohl einige Spitzenreiter der Sujets: So zum Beispiel die Zunahme von Verboten, Vorschriften, Normierungen, Bussen und Gebühren in der Stadt, die mit dem Gesetz der Verbannung von Plastik-Stühlen auf den innerstädtischen Strassen-Cafés ihren grotesken Höhepunkt erlebte.

Aber diese Sujet-Schwerpunkte sagen überhaupt nichts aus über die Qualität der Umsetzung aus. Es kann daher viele Überraschungen geben, und mit denen wird stets gerechnet - denn die Sujets sind eigentlich bis zur Fasnacht geheim, und ein oft noch so «harmlos» scheinendes entpuppt sich aufgrund phantasievoller Umsetzung und Kreativität als eigentlicher Renner. Auch die Verse der Wagen-Cliquen und der Schnitzelbangg-Sänger prägen den gesamten Eindruck des Jahrganges genau so stark, wie die Strassenfasnacht.

Wagen-Ausstellung im «Schärme»

Wer «Baseldytsch» zu lesen imstande ist, wird sich über die neu geordneten Ausstellungen der am Morgenstreich mitgeführten Laternen und den Sujet-Wagen des Cortèges der beiden Fasnachts-Nachmittagumzüge vom Montag und Mittwoch freuen. Die Laternenausstellung ist, wie schon seit ein paar Jahren, jeweils von Montag Abend bis Mittwoch Morgen auf dem Münsterplatz, wo sie eine nicht nur fasnächtliche atmosphärische Stimmung zu verbreiten vermag. Neu sind dieses Jahr die besser organisierten Verpflegungsstätten, zumal auf dem Kasernen-Areal, wo die Requisiten und Wagen ausgestellt sind und die Beiz nun im warmen Kasernengebäude untergebracht ist.

Wiederum kann man Schnitzelbängge in zahlreichen Gaststätten der Innenstadt und an der Peripherie hören und sehen - jeweils am Montag und am Mittwochabend. Die Präsentation der Comité-Schnitzelbänke ist an diesen Abenden wie immer im Theater, wo es aber - entgegen anderslautenden Gerüchten - immer noch Billette zu haben gibt.

Apropos Billette: Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) - das «Drämmli» - verkehren selbstverständlich nicht so wie üblich, denn die ganze Innenstadt ist an der Fasnacht fast ganztägig gesperrt. Das «Drämmli» (und die Busse) haben natürlich infolge des Schneefalles grosse Mühe, und es ist nicht klar, wie die Extra-Fahrpläne für Morgenstreich und Strassenfasnacht eingehalten werden können. Am besten orientieren Sie sich direkt bei den BVB über untenstehenden Link.

Die Redaktion von webjournal.ch wünscht seinen Lesern und -innen eine schöne Stiefel-Fasnacht, wohl mit Schneeball- statt mit Räppli-Schlacht…

PS: Apropos BVB: Die letzte Aktualisierung der BVB-Homepage stammt aus dem letzten Jahrhundert - Schnee am 4./5. März 2006, hin oder her. Ob der Fahrplan zur Fasnacht eingehalten werden kann, steht im Schnee geschrieben, aber nicht auf der BVB-Homepage. Als Leserservice bieten wir den Fansachts-Fahrplan zum runtersaugen mittels untenstehendem Link an - damit man nicht deswegen eine Stunde auf der BVB-Homepage suchen muss…

PS II: Die Polizei hat am Sonntag, 5. März 2006, in Zusammenarbeit mit anderen öffentlichen Diensten einen Zustandsbericht herausgegeben, worin die entsprechenden aktuellen Informationen zur «Schnee-Fasnacht» 2006 und auch die einschränkenden Massnahmen enthalten sind. Lesen Sie das Communiqué via untenstehendem Link.




Eine der Laternen vom Morgeschtraich 2002, die den «Züri-Leu» zeigt, der Basel gefressen hat. Foto: J.-P. Lienhard, Basel @ 2006

Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Fahrpläne und Auskünfte der BVB für die Fasnacht 2006

• webjournal.ch-Leserservice: BVB-Fasnachtsfahrpläne 2006 im PDF-Format zum runtersaugen

• Lesen Sie das Behörden-Communiqué zur «Schnee-Fasnacht»

• Horaire de Bus St-Louis–Bâle pour le Morgenstreich 2006


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