Artikel vom 19.02.2006

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Elsass - Allgemeines

AKTUALISIERT 20.2.2006, 16 H

Elsässer Störche in Gefahr!

Das Eintreffen der Vogelgrippe im Norden des Lyoner Departementes bereitet Sorgen um die elsässische Population der Schwäne und des Wappentieres

Von Redaktion



Fast auf jedem Dach im elsässischen Freilichtmuseum Ecomusée d'Alsace brütet ein Storchenpaar. Fotos: J.-P. Lienhard, Basel @ 2006



Von einer durch «falsche Information in Psychose versetzte Bevölkerung» spricht der Direktor der unterelsässischen Liga für Vogelschutz (LPO), Christian Braun: Aufgrund der ersten Meldungen über das Aufkommen der Vogelgrippe in Italien, Deutschland und nun auch im Norden des Lyoner Departementes, rufen verängstigte Elsässer bei ihm an und fragen, ob man nicht sogleich die Nester der Schwalben zerstören soll.

Für ihn ist es keine Frage, dass über kurz oder lang auch das Elsass mit Fällen von Vogelgrippe konfrontiert wird. Schliesslich sind im Elsass rund ein Drittel aller 7000 in Frankreich beheimateten Schwäne ansässig, nebst der grössten Storchenpopulation des Landes. Allerdings grassiert unter den elsässischen Schwänen schon lange eine Art Tuberkulose, während andere, nicht zu den Zugvögeln zu rechnende Arten, eine Schnabelkrankheit aufweisen. Dieselben Symptome übrigens, wie sie Vogelarten in Deutschland aufweisen, die unter Umweltgiften leiden.

Gänse und Enten im Ecomusée d‘Alsace in Ungersheim sind seit den erste Massnahmen im letzten Jahr 2005 nicht mehr ins Freie gelassen worden und müssen im Stall bleiben, bis mehr über die im Anzug befindliche Vogelgrippe bekannt ist. Im Departement Ain, nördlich von Lyon und an die Schweizer Grenze bei Genf anstossend, ist am Samstag, 18. Februar 2006, bei einer Wildente das auch für Menschen gefährliche Virus H5H1.

Im Ecomusée d‘Alsace gibt es im ganzen Freilichtmuseum verteilt verschiedene Haustier-Ställe, angefangen von den Eseln über die schwarzen Wollschweine bis zu Ziegen, Pferde und Geflügel. Die Massnahmen für den Fall der Ankunft von Vogelgrippe sind schon seit einer Weile in Frankreich diskutiert und geplant worden. Auf den Alarm aus der Bresse, wo es Federvieh zuhauf gibt, hat das Ecomusée d‘Alsace unverzüglich reagiert und die vorbereiteten Schritte eingeleitet, wie Philipp Glück, Verantwortlicher des Tierparks im Freilichtmuseum gegenüber webjournal.ch erklärte.

Winterpause im Ecomusée bis 18. März 2006

Der Museumspark ist indessen wegen der Winterpause fürs Publikum sowieso bis zum Samstag, 18. März 2006, geschlossen. Doch das museumseigene Geflügel wird auch dann noch eingesperrt bleiben und nur in den Ställen gefüttert, weil Mitte März die Wildvögel, insbesondere die ausgewilderten Störche, aus dem Süden ihre Nistplätze am Oberrhein wieder aufsuchen. Ohne Futter im Freien werden auch die Wildvögel ausbleiben oder sich nur in Gewässern und Tümpeln in der Umgebung aufhalten.

Die Ansiedlung von Störchen im Elsass wird durch ein departementales Projekt schon seit über 20 Jahren mit Erfolg betrieben. Die Methode ist von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach ausgebrütet worden, als dessen Folge der Storch am Oberrhein, zumal in der Nordwestschweiz, im Südbadischen und eben im Elsass wieder heimisch werden konnte.

Aus dem Strochenprogramm des Ecomusée d'Alsace sind ungefähr 30 freifliegende, jeweils zur Saison wieder migrierende, Paare entstanden (die sich ein Strorchenleben lang treu bleiben). Einige davon haben sich bis weit ins Badische und in die Nordwestschweiz niedergelassen, wie man aufgrund der Beringung feststellen konnte.

Wo aus Aufzuchten an den Standort gewöhnte Storchenpaare leben, besteht keine Kontaktgefahr mit ihren verwilderten Nachkommen, denn diese mischen sich nicht miteinander. Kontakt kann hingegen an den Futterstellen entstehen.

Mülhauser Zoo impft Grossvögel

Laut Philippe Glück vom Ecomusée d‘Alsace ist am 1. März 2006 eine Konferenz mit den Verantwortlichen der Gesundheits- und Veterinär-Abteilungen des Departementes, sowie des Storchenprojektes «Aprecial» («Association pour la reintroduction des Cigognes en Alsace») und den Tierpflegern des Ecomusée d‘Alsace vorgesehen. Spätestens dann werden die weiteren Massnahmen betreffend Störche zur Ausführung umgesetzt und kommuniziert.

Bereits hat der Mülhauser Zoo damit begonnen, die seit Oktober 2005 ergriffenen Massnahmen für den Schutz der rund 600 Zoo-Vögel zu erneuern. So werden nun die rund 150 Grossvögel wie etwa Pelikane und Flamingos der für sie nicht ganz ungefährlichen Impfung unterzogen. Die anderen Vögel erhalten Hausarrest. Aber auch die Besucher müssten die Volieren meiden, sofern sich die Vogelgrippe hier niederlässt.






Was wäre das Ecomusée d'Alsace ohne das Wappentier des Elsass für seine LIebhaber? Aber auch die Vogelgrippe-Katastrophe gehört zur Zivilisationsgeschichte, die nun durch eine weitere Dimension erweitert wird: Neben Krieg und Naturgewalten nun auch um die vom Menschen mitverursachte Zoonose!





Der franzöische Landwirtschaftsminister Dominique Bussereau erklärte zu der am Samstag, 18. Februar 2006, erfolgten Bestätigung des ersten Falles eine Befalls durch das Virus H5N1, dass das Virus vorerst erst bei einer wildlebenden Ente lokalisiert wurde. Es bestünden derzeit keine Anzeichen, dass das Virus auch als Haustiere gehaltenes Federvieh bedrohe. Immerhin ist Federvieh ein wichtiges Fleischprodukt in Frankreich, wichtiger als in Deutschland und sowieso als in der Schweiz. Das Virus H5N1, in Frankreich «la grippe aviaire» (von lat. avarus, der Vogel) genannt, hätte beispielsweise im Burgund verheerende Folgen für die Kulinarier, denn dort werden stets freilaufend im Wald Bresse-Hühner gehalten - die zu den weltberühmten «Poulet de Bresse» verarbeitet werden.

Von Redaktion


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