Artikel vom 19.02.2006

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Basel - Kultur

Mit Fotoreportage am Schluss

Basler Musik auf hohem Niveau

Das «Monstre-Trommelkonzert» 2006 ist musikalisch auf höchstem Niveau - über den Rahmen kann man streiten…

Von Jürg-Peter Lienhard



«Barbara»-Clique auf Baschis Narrenschiff vor der Rückseite der Basler Postkarten-Ansicht…



Das «Drummeli» ist vorab eine musikalische Darbietung; der Rahmen dazu nur der Puderzucker auf dem Gugelhopf. Der Jahrgang wird durch die musikalische Qualität bestimmt und nicht durch die Witze am Rand. Auch wenn diese gerne als Rosinen aus dem «Gebäck» gepickt werden. Der Jahrgang 2006 ist ein hervorragender!

Wer aktiv an der Fasnacht teilnimmt, sieht diese stets nur gerade aus den zwei Löchlein, die ihnen die Sicht aus der Larve am Gesamtgeschehen erlaubt. Was andere Cliquen machen, bleibt dann eben verborgen. Das Drummeli hingegen ist die Gelegenheit, auch mal zu sehen, zu hören, wie der Auftritt anderer Vereine aussieht und tönt. Vor allem tönt. Von den 30 Nummern (inklusive Pause Nummer 18), die so ein «Monstre » umfasst, sind 20 davon reine Konzerte für Trommel und Pfeifen.

Zum «Rahmen» gehörten 2006: 1 Schnitzelbangg, 1 Guggemuusig, 5 Raamestiggli, je 1 Pro- und Epilog. Das sollte die strenge Abfolge der Konzerte etwas auflockern und ist keinesfalls repräsentativ für die Sujets an der kommenden Fasnacht. Wer «unterhaltendes» Fasnachts-Cabaret erwartet, ist eindeutig im falschen Film: Das Bedürfnis der «Zivilisten» nach diesbezüglicher «Unterhaltung» wird in letzter Zeit von den von Jahr zu Jahr zunehmenden Vorfasnachts-Veranstaltungen mit so entlarvenden Titeln im minuesken Diminutiv wie «Pfyfferli», «Mymöösli» oder anderen «-lis» übernommen.

In der Volkskunde sind 100 Jahre eine lange Zeitspanne - das Drummeli hat sich seit seinem ersten Auftritt vor 101 Jahren mehrfach und tiefgreifend gewandelt - so wie die (Fasnachts-)Gesellschaft auch. Aus der jüngsten Drummeli-Geschichte hat sich ein für das Konzertkonzept bedeutender Schnitt ergeben: Der Auszug des Drummelis aus dem «Variété-Theater Küchlin» von der Grossbasler Steinen in den grossen Festsaal der Mustermesse im Kleinbasel.

Kiechli-Auszug brachte Verlust, aber auch Vorteile

Zwar verlor mit diesem aus kommerziellen Gründen erfolgten Auszug aus dem Kinotheater das Drummeli an Intimität - erzeugt durch die Guckkasten-Bühne, die Theater-Balkonreihen und das «Cigarren-Obligatorium» -, doch die Grösse des Muba-Festsaales und seiner Nebenräume ermöglicht nun, was im «Kiechli» nicht möglich war: Dass die aktiven Teilnehmer, die Cliquen, sich begegnen. An der diesjährigen Premiere dauerte dies wieder bis in die frühen Morgenstunden. Der Austausch und die Begegnung unter den Cliquenmitgliedern trägt zu Vergleichen und damit zur Entwicklung des Qualitätsstandards der Musik bei!

Eigentlich ist es so: Die Fasnacht gehört den Aktiven; das Publikum ist nur Kulisse und steht nur zu oft im Weg der Cliquen. Doch ohne Publikum wäre eine Fasnacht wie ein Gugelhopf ohne Mehl: Luft… Auch Cliquen buhlen deshalb um die Gunst des Publikums, und im Zeitalter von TV-Shows und 20 Minuten scheint es, dass der Rahmen immer medientechnischer gestaltet sein will.

So ging denn die Premiere des 99. Drummelis vor zwei Jahren völlig in die Hose, weil das Beamer-Computerprogramm ausgestiegen war und einige Cliquen ihre Darstellung auf dem virtuellen Bild aufbauten - das dann ausblieb und ein schwarzes dunkles Loch hinterliess. Zum Beispiel bei der CCB, die deswegen gar nicht auftreten konnte…

Immerhin hat man inzwischen aus diesen Fussangeln der «modernité» gelernt - aber auch beim diesjährigen Drummeli war festzustellen, dass etliche Cliquen beim Dekor auf den Beamer zurückgriffen. Aus Bequemlichkeit freilich, denn die «echte» Dekors verwendenden Cliquen machten in jedem Fall ein ganz anderes «Gesicht» und wurden mit entsprechendem Zusatzapplaus belohnt («d‘Lälli»!).

Wenn Kenner Kennern applaudieren…

Und wenn ich bei dieser allgemeinen Betrachtung schon auf eine aktuelle Darbietung hinweise, dann auch auf diese - und zwar, weil sie zeigt, dass am Drummeli immer noch die musikalischen Darbietungen erwartet und bewertet werden: Das hervorragende Arrangement «Amère» der «Verschnuffer» (Christian Wildi und Benno Hunziker) wurde von meinem Tischnachbar, einem bekannten VKB-Mitglied, mit einem begeisterten Ausruf im immerhin doch höchst herausstechenden Fortissimo des Applauses gewürdigt (auch wenn amer masculin ist und ohne Graf, gäll Benno!).

Auf jeden Fall vermerken aktive Teilnehmer am Drummeli eine enorme Qualitätssteigerung der konzertanten Darbietungen, was seit mehr als zehn Jahren festzustellen sei, und wohl auf die Begegnungsmöglichkeiten im Muba-Festsaal zurückzuführen ist. Da können die einzelnen Rosinen aus dem Rahmen mal süss, mal bitter schmecken - für die musikalische Zukunft des Drummelis darf man sich freuen. Hingegen bietet das breite Nudelbrett der Festsaalbühne einige Fussangeln für das Amateurtheater, das das Drummeli ja ist, und ein gefährliches Spielfeld für «Ehrgeizig-Originelle» aus dem Bereich der virtuellen Technik!

Gleichwohl aber noch eine Bemerkung zur Qualität des diesjährigen Raame und der Raamestiggli: Der Bangg war ganz toll, die «Gugge-Mysli» perfekt, einige der Raame ganz ordenltich, und auch mit einigen Pointen-Höhepunkten versehen. Ganz aus dem Rahmen fällt jedoch ein überlanges, mit schweren Requisiten ausgestattetes und auf Hauchdeutsch vorgetragenes zum Thema Zäch, das schwer nach persönlicher Abrechnung riecht und mangels Satire entfernt werden sollte! Dies ist ein Tiefschlag fürs Drummeli-Jahr 2006, und er ist von niemandem goutiert worden! Daher: Solche Entgleisungen schlagen sich eben doch im Gesamteindruck nieder und verleiten «Experten» zu blöden Zensuren!



Einige kommentierte Illustrationen zum Drummeli 2006 - als Zückerchen, nicht als Wertung!




«D'Verschnuuffer» mit dem toll gemachten Arrangement «Amère», dessen falsch geschriebener Titel ein deutlicher Hinweis darauf ist, warum sich gewisse Kreise für Hauchdeutsch in der Hääfelischuel einsetzen: weil französische Grammatik und Rechtschreibung eben noch schwerer sind!




Traditionell gehört stets eine, nur eine, Guggemuusig zum Drummeli. Dieses Jahr sind es die «Gugge-Mysli», die exakt 200 Jahre nach Mozarts Geburtsjahr gegründet worden waren und heute fast so perfekt spielen, als würden sie unter der Baguette des Genius der klassischen Periode domptiert.




Der Riesenapplaus für die «Basler Bebbi» hat nicht nur mit ihrem musikalischen Vortrag, sondern auch mit der Präsentation des kritischen Sujets zu tun.




Ein höchst bemerkenswerter Auftritt der «Lälli» - akustisch sowieso und optisch erst recht!




Dieses Jahr handelt viel vom Dood, eine Lieblingsthematik der Basler Fasnachtsveranstaltungen. Das Raamestiggli «'s doot Basel» («'s» schreibt man so: der «Grabstein Apostroph steht für ausgelassene Buchstaben; hier z.B. «Das») entlehnt bei Hugo Alfven oder seinen populären Interpreten wie etwa Lys Assia die Melodie zu einem Spottlied auf Malama: «Mais-non, mais-non».




Auch «Die Versoffene Deecht» brillierten musikalisch und optisch: Unter einem Beamer-Dia des Wohnortes von Lucius Munatius Plancus, dem vermeintlichen Gründer Basels, der hier auch vom Tambourmajor dargestellt wird.




Traditionell tritt stets auch ein Schnitzelbangg auf. Dieses Jahr «D Zahnstocher», die mit sehr guten, politsch hintersinningen, überraschenden Pointen für frenetischem Applaius sorgten.Ihr Rquisit: die Anspielung ohne Worte auf den bissigen Fifi der «G-Punkt»…




Muss unbedingt erwähnt werden: das Arrangement des «upgedateten» Tango der «Seibi»: wahrhaft gelungen!




Epilog-Raamestiggli unter Verwendung des Sujets der Fasnachtsblaggedde 2006




Schlussbild des muskalisch herovrragenden Drummeli-Jahrgangs 2006


Von Jürg-Peter Lienhard


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