Artikel vom 17.02.2006

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Basel - Kultur

The Belly of Francesca

Die Nachfolgerin von Ulrike Jehle vom Architekturmuseum Basel verspricht gewissermassen eine «Kreuzung» zwischen Basel und Berlin

Von Reinhardt Stumm



Letztes Jahr war sie blond, wie eine Zeitung meldete. Ob blond oder brünett, Francesca Ferguson wird der Architektur-Stadt Basel zumindest ideenmässig einen neuen Anstrich geben…



Architektur im Ausbau begriffen: Das Architekturmuseum Basel darf sich fortan Schweizerisches Architekturmuseum nennen. Ab September wird es von Francesca Ferguson geleitet, die am Freitag, 17. Februar 2006, die Basler Presse begrüsste.

«Transdisziplinärer Diskurs» sagt sie so beiläufig und flüssig, wie andere Leute «guten Morgen» sagen. Über ihre Arbeit spricht sie souverän und im Vollbesitz jenes Jargons, der zum Gewerbe gehört. Die Weltwoche bestaunte schon letzte Woche ein Vokabular, zu dem urbane Kaputtheitsästhetik und Spassguerilla ebenso zu gehören scheinen wie trendiges Kreativnetzwerk und Kontaktbörse.

Francesca Ferguson (39), aus siebzig Bewerbungen gewählte Direktorin des Schweizerischen Architekturmuseums – und ab September 2006 Nachfolgerin Ulrike Jehles, der eigentlichen Begründerin des nun in der Basler Kunsthalle beheimateten Instituts -, greift mit beiden Händen nach dem Lorbeerkranz, den Basel ihr entgegenhält.

Dass er in ihren Händen nicht verdorrt, ist so gut wie sicher. Sie ist unternehmungslustig, umtriebig und ehrgeizig, sie hat sich im Laufe ihrer Berliner Jahre einen Ruf als Ausstellungsmacherin erworben, hat also Erfahrung – nicht zuletzt mit Behörden und Ämtern, die auf auratische Erscheinungen des Betriebs leichter und schneller reagieren als auf die Bedächtigen und Vorsorglichen.

Nein, konkrete Pläne hat sie noch nicht, wie sollte sie auch, nachdem sie nun gerade einmal vor vier Wochen gewählt wurde, aber ein paar Andeutungen machte sie schon. So will sie nicht nur als Autorin von Ausstellungen wirksam sein, sondern auch als Herausgeberin – «Editor» sagt die zweisprachige Britin, die Tochter eines englischen Diplomaten und einer deutschen Mutter.

Sie rechnet auf Beziehungen, die sie im Laufe ihrer bisherigen Arbeit knüpfen konnte, und schwärmt dabei natürlich pflichtgemäss von der fabelhaften Lage dieser Kulturstadt Basel.

Sie gründete 1999 in Berlin das Architekturfestival Urban Drift, «a collaborative platform for contemporary urban strategies» (siehe Linkadresse am Schluss dieses Artikels), das mit Ausstellungen, Konferenzen, Symposien und Workshops nicht nur relevante Architekturthemen reflektiert, sondern – mit einem deutlich erweiterten Architekturbegriff – neue erfindet.

Hoffnungsvolle Voraussetzungen zur Befriedigung des Feuilletons, das ja bemängelte, dass das Basler Architekturmuseum «schon lange keine schlechte Kritik mehr einstecken musste – vor allem, weil seine Ausstellungen niemandem wehttaten» (Weltwoche 7/06).

Warten wir ab, was aus der Kreuzung Basel/Berlin werden wird – aus Solidität, Exaktheit und wissenschaftlichem Anspruch hier, aus jugendlichem Elan und der Beherrschung quotenmachenden Jargons dort.

Die Pressekonferenz bot den Veranstaltern Gelegenheit, von Leitbildern für die Arbeit des Museums zu sprechen, Architektur als einen Teil modernen Lifestyles zu verstehen, als Instrument der Stadtentwicklung – und sich damit zur Wehr zu setzen gegen jene, die in der Gegenwarts-Architektur ein altes Phänomen in neuer Verkleidung erkennen wollen, das Errichten massloser Monolithe, hybrider, gigantischer Denkmäler auf Kosten der unterdrückten Umwelt.




Text zu Francesca Ferguson zur Ausstellung «Urban drift» 2003 in Berlin. (Titel und Legenden: jpl/Titel in Anlehnung an Peter Greenaways Film «The Belly of an Architect»)

Von Reinhardt Stumm

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Link zu «Urban drift», Berliner Architekturfestival


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