Artikel vom 07.01.2006

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Basel - Allgemeines

Das Übel mit den Nachtlokalen

Wieder gravierender Vorfall in der «Bar Rouge»: Verletzter auf dem Messeplatz – Umstände unklar

Von Redaktion



Scheint eine ausgelassen fröhliche Gesellschaft auf den roten Liegesitzen der «Bar Rouge» im 110 Meter hohen Basler Messeturm zu sein - doch ab einem gewissen Alkoholpegel und zu fortgeschrittener Stunde in der Frühe nimmt das Konfliktpotential erheblich zu. Fotos: Homepage «Bar Rouge»



BASEL. red.- Die Meldung der Basler Polizei weist erneut auf die Problematik der Nachtöffnungszeiten von Nachtlokalen hin und stellt mithin die schon einmal revidierte Bewilligungspraxis wieder in den Brennpunkt. Lesen Sie die Meldung und den Kommentar dazu.

pol.- Am Samstag, 7. Januar 2006, etwas nach 2 Uhr in der Frühe, wurden Security-Leute der «Bar Rouge» im Messeturm darauf aufmerksam gemacht, dass auf der Tanzfläche ein Mann am Boden schlafen würde. Als die Angestellten den Mann aufstellten wollten, muss dieser offenbar aggressiv reagiert haben, worauf er via Lift und Eingangshalle auf die Strasse gestellt wurde.

Kurz darauf wurde der Polizei gemeldet, dass vor dem Messeturm eine Schlägerei stattfände, worauf die Polizei kurze Zeit später am Ort eintraf und eine Gruppe alkoholisierte Jugendliche antraf, wobei die Stimmung als aufgeheizt und aggressiv geschildert wurde.

Gleichzeitig stiess die Polizei auf denjenigen Mann, welcher kurz zuvor aus der «Bar Rouge» gewiesen wurde. Dieser lag am Boden, rang um Luft und verlor kurz darauf das Bewusststein. Nach einer ersten Reanimation durch Polizeiangehörige, wurde der Bewusstlose mit der Basler Berufssanität in die Notfallstation der Universitätsspitals eingeliefert.

Gemäss ärztlichen Angaben erlitt der Eingelieferte eine Schädelverletzung und Verletzungen im Brustkorb, wobei keine Lebensgefahr besteht.

Da die Aussagen von Zeugen und weiteren Personen teilweise sehr widersprüchlich sind, kann der Tathergang und der Verlauf der Auseinandersetzung zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar nachvollzogen werden. Das Kriminalkommissariat bittet deshalb Personen, die sachdienliche Angaben machen können, sich mit dem Kriminalkommissariat Basel-Stadt, Tel. 061 267 71 11 in Verbindung zu setzen oder sich auf einem Polizeiposten zu melden.




Der Blick von der letzten Etage des 110 Meter hohen Messerturms durch die Fenster der «Bar Rouge» auf Basels Skyline ist tagsüber höchst attraktiv. Nachts, wenn es dunkelt, geht niemand wegen des Ausblicks dort hinauf…


jpl.- Es ist unverständlich, was stets in und um die «Bar Rouge» im Messeturm jeweils abläuft: Messerstechereien, Schiessereien, Schlägereien, Besäufnisse, Belästigungen und Dreck aus allen Löchern, wozu der Mensch zur Ein- und Ausgabe verfügt.

Ursachen und Massnahmen liegen auf der Hand. Ursache ist die «Nachtbewilligigung», die am Wochenende bis um 4 Uhr in der Frühe besteht. Wer nach Mitternacht in so einem Etablissement aufkreuzt, ist meist schon angetrunken, wenn nicht gar besoffen, und hat irgend ein Beziehungs-Defizit. Ein temporärers oder charakterlich verankertes, auf jeden Fall ein Defizit, das er in solchen Milieus spazieren führt. Das betrifft allerdings nicht nur die «Bar Rouge», sondern der ganze Nachtvogel-Betrieb, wofür man in Basel erst vor wenigen Jahren Sonderbewilligungen eingeführt hat.

Dies geschah im damaligen Polizeidepartement unter dessen Vorsteher Karl Schnyder, der den gewerblichen und lobbyistisch-politischen Forderungen sehr skeptisch gegenüberstand: «Gewisse Leute gehörten um diese Zeit ins Bett…», meinte er und hat bis heute Recht behalten. Immerhin musste die Bewilligungspraxis für verlängerte Öffnungszeiten im Gastgewerbe und insbesondere für Nachtschuppen der übelsten Art eingeschränkt werden. Gleichwohl besteht weiterer Bedarf, wie das stets wiederkehrende Problem der «Bar Rouge» deutlich macht!

Die Nachtlokal-Problematik ist auf Leute zurückzuführen, die für sich wohl kaum je die Öffnungszeiten bis um 4 Uhr in der Frühe - oder noch länger, auch ohne Bewilligung - in Anspruch nehmen. Jedoch dem Beizer-Gewerbe Sukkurs geben und zuschaufeln mit der naiven Einstellung, dass Basel es sich als «Grosstadt» nicht leisten könne, den Gästen und Ausstellern der zahlreichen Messen und anderen Grossereignissen eine Bettruhe ab Mitternacht zu verordnen.

In Wirklichkeit ist es so, dass das grosse Heer der temporär in Basel anwesenden Aussteller entweder per Auto heim ins Heija reist oder dann abends so hundemüde ist, dass sie angesichts der anstrengenden nächsten Messetage die Klappe bevorzugen, statt die «Bar Rouge» oder ähnliche «weltoffene» Etablissements.

Wer als Messebesucher nach Basel reist, will die Stadt zumeist am Tag erleben, zumal die Messe-Stadt Basel auch die Stadt der Museen ist… Und denjenigen unter den Messebesuchern, denen das Interesse dazu fehlt, liegen die vielen Puffs rund um die Messe näher am Leib oder eben die Nachtbars, die kräftig Kasse machen und über ihre Lobby die Mär ihrer «Notwendigkeit» für eine «weltoffene», «tolerante» Stadt im Dreiländereck verbreiten.

Mit der Formel «Weltoffen» als Generator für Probleme jeglicher Art sind sie allerdings nicht alleine, denn die «Ballermeile» Steinenvorstadt, das Lärmfloss auf dem Rhein und die FCB-Auswüchse sind genau so danebengeratene Bestrebungen, der Kleinstadt Basel das Image einer weltoffenen, toleranten Grosstadt zu verpassen. Zügellosigkeit nennt man das - was mit Toleranz verwechselt wird…


Von Redaktion


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