Artikel vom 05.01.2006

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Elsass Kultur

Ausflugs-Tip

Wohin in der Weihnachtswoche?

Unbekannte Festtagstraditionen und Animationen für Kind und Kegel im Ecomusée d‘Alsace bis zum 3. Januar 2006

Von Jürg-Peter Lienhard



Wer ist der seltsame Pelzkauz neben dem Esel? Es ist die mittelalterliche Version des Sankt Nikolaus - mehr darüber demnächst im Ecomusée d'Alsace.



UNGERSHEIM (F).- Eine Festtagswoche ausserhalb «ausgetretener Pfade» verspricht das elsässische Freilichtmuseum Ecomusée d‘Alsace bei Ungersheim in der Nähe von Mulhouse und 42 Kilometer, 42 Minuten von Basel: Sonderschauen mit wenig bekannten Aspekten zu alemannische Weihnachten am Oberrhein, Demonstrationen und Degustationen sowie Weihnachts-Attraktionen für Kind und Kegel.

Sie wissen es, Sie haben es hier auf webjournal.ch gelesen: Das Ecomusée d‘Alsace ist wegen behördlicher Ignoranz in finanzielle Bedrängnis geraten. Wem dies sehr weh tut, kann seinen Beitrag leisten, indem er gerade jetzt dem Ecomusée d‘Alsace seine Aufwartung macht. Und dabei erst noch mit schönen Erlebnissen und interessantenen Animationen «belohnt» wird.

Wenn Sie es nicht wissen, dann dürfen Sie es im Ecomusée d‘Alsace erfahren: Weihnachten mit Tannenbaum und Kerzlein, das «Christkindli», sind hier am Oberrhein «geboren» und von da aus in alle Welt getragen worden. Darum schwitzt der Sankt-Nikolaus in seiner dicken Winterkleidung bei unseren Antipoden, weil in Australien gegenwärtig Sommer ist. Seltsam auch, dass die Australier unter einem «Tannenbaum» Weihnachten feiern, obwohl es dort gar keine richtigen Tannenbäume gibt: Der Weihnachtsbaum ist dort nämlich aus Plastik…

Emigranten verbreiteten den Weihnachtsbaum

Der «Export» der alemannischen Weihnachten hat nichts mit dem modernen Tourismus zu tun, der es Kreti und Pleti erlaubt, innerhalb von zwölf Stunden vom kalten Norden in den warmen Süden ans andere Ende der Welt zu gelangen. Die Verbreitung des Weihnachtsbaumes hat einen traurigen sozialen Hintergrund: Weil im 19. Jahrhundert unsere Gegend durch Kriege Hungersnöte herrschten, durch überkommene gesellschaftliche Verhältnisse die Leute keine Zukunft hatten oder weil die unterjochten Kolonien der Grossmächte Reichtum und Abenteuer versprachen, emigrierten Massen von Europäern in die «neuen» Kontinente. Und in ihrem Rucksack der «Tannenbaum», die oberrheinische Weihnachten mitsamt Sankt Nikolaus.

Wem schöne Dekorationen für Weihnachten als Thema nicht genügt, findet daher im Ecomusée d‘Alsace bis zum 3. Januar 2006 ausreichendes Material, um sich mit der Geschichte dieses Riesenfestes der abendländischen Gesellschaft auf nicht ausgetrampelten Pfaden auseinanderzusetzen. Nebst den Sonderschauen sind Demonstrationen für die Zubereitung der traditionellen Festtagsleckerbissen zu erwarten: Gutzibacken, Backwaren aller Art, wie die weihnächtliche «Berawecka», das deutsch geheissene Birnbrot (in Basel: «Biirewegge») oder andere kulinarische Köstlichkeiten für das Festgedeck.

Für Kinder wird sehr viel getan, schliesslich ist Weihnachten die Zeit der Kinder, der Familien zumal: Hier gibt es Ateliers für die Gestaltung von Glückwunschkarten und für Kerzenziehen. Ein Marionetten-Theater zeigt die Aufführung «Pechvogel Hans Trapp» (Les malheurs de Hans Trapp). Hans Trapp ist die elsässische Version des «Schmutzli» (in der Region Basel) oder des «Knecht Ruprechts» (im Badischen), dem Begleiter des Santiglausens.

Auch an Silvester: Traditions-Gala

Wer unter Gross und Klein Lust hat, darf auch in den Weihnachts-Chören mitsingen, oder nur einfach zuhören: Der Ecomusée-Chor singt und musiziert im Rahmen von «Café-Concert» in der warmen Stube. Und apropos «warme Stube»: Abends ab 20 Uhr gibt es im Restaurant «La Taverne» animierte Soupers, wo Schauspieler und Schauspielerinnen weihnächtliche Figuren und Bräuche vorführen (jeden Abend bis zum 27. Dezember 2005).

Übrigens noch ein Tip, falls Sie an Silvester etwas Besonderes, ewas Romantisches, etwas Unvergessliches erleben wollen: Das Restaurant des Ecomusée d‘Alsace bietet eine bäumige Silvester-Gala. Und weil die ja bis in den ersten Tag des neuen Jahres hineindauert, wird das letzte «Drämmli», der letzte Zug dann bereits abgefahren sein. Dafür stehen wunderschöne Zimmer in den authentischen elsässischen Fachwerk-Pavillions der Hotel-Anlage im schönsten Dorf Europas bereit - ohne Promille-Kontrolle notabene…




An jeder Ecke des 80 Häuser zählenden Museums-Dorfes wartet etwas Weihnächtliches auf grosse und kleine Besucher…



Nützliche Informationen

Restaurant-Reservationen

Tel. 0033 3 89 74 44 95 (von der Schweiz und von Deutschland aus)
oder 03 89 74 44 95 (in Frankreich)

Allgemeine Informationen und Hotel-Reservation

Tel. 0033 3 89 74 44 74 (von der Schweiz und von Deutschland aus)
Fax 03 89 74 44 65 (in Frankreich)

Eintrittspreise bis 2. Januar 2006

Erwachsene: 7,50 Euro
Kinder: (von 6 bis 16 Jahre): 3 Euro

Öffnungszeiten bis 2. Januar 2006

Museum und Animationen: 10 bis 17 Uhr

Restaurant: abends geöffnet, Zugang von ausserhalb des Museums

Hotel: Récéption rund um die Uhr

Das Museums-Dorf schliesst in der Winterperiode vom 3. Januar bis 17. März 2006 und eröffnet am Samstag, 17. März 2006, die kommende Saison 2006

Hotel und Restaurant schliessen ganz vom 3. Januar bis 27. Februar 2006




Statt Konsum-Fest, war Weihnachten früher ein Fest der Traditionen und Rituale, die im Ecomusée d'Alsace wieder entdeckt werden können. Alle Fotos: Ecomusée d'Alsace

Von Jürg-Peter Lienhard


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