Artikel vom 23.11.2005

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Mit Stumm unterwegs

Alles sauber unter Glas

Noch von Donnerstag, 24. bis Samstag, 26. November 2005, sind die Werke des Eisenplastikers Jakob Engler und des Malers Konrad Hofer im alten Reservoir von Allschwil in ungewöhnlicher Umgebung zu sehen

Von Reinhardt Stumm



Jakob Englers Eisenskulpturen und Konrad Hofers Bilder inmitten von Spargelkraut, Farnen und, und, und…Fotos: Werner Beetschen, Beetschen Studios
AG für audiovisuelle Medien, Binningen @ 2005




ALLSCHWIL (BL).- Die grosse Gefahr ist ja immer, dass aus Klasse Kitsch wird. Es gibt in Allschwil, auf dem Weg nach Schönenbuch, einen nach und nach eingeschlafenen und schliesslich stillgelegten Gartenbaubetrieb, eine Reihe grosser, moderner, mit allen technischen Errungenschaften ausgestatteter Gewächshäuser (automatische Lüftungs- und Schattierungsanlagen, automatisch gesteuerte Heizung), die schrecklich aussehen, wenn sie ungebraucht sind und leer stehen. Weshalb das so ist, weiss ich nicht. Was aber macht man nun damit?




Ein paar Leute hatten gleich ein paar gute Ideen. Die Grünhäuser sind hell, geräumig, und wenn sie nicht nach Ertrag pro Quadratmeter unterhalten werden müssen, erlauben sie auf wundervolle Weise das Nebeneinander von diesem und jenem. Also von heimeligen Leseecken und kleinen Kaffeebuffets, von weitläufigen Kiesplätzen neben langen Pflanzentischen, auf denen die brauchbaren Grünpflanzen stehen, deren Kraut zum Beispiel von Basler Floristen geschätzt wird. Kränze und Blumengebinde bieten viel Platz für das, was die Leute despektierlich Spargelkraut nennen (Asparagus); Farnblätter sind beliebt und was weiss ich.

Man kann also mit seiner Patricia Highsmith oder mit Hansjörg Schneiders neuestem Roman hier im Kalthaus, oder im Warmhaus nebenan, beim Kaffee sitzen und lesen (keine Angst, warm ist es heute überall), und daneben wässert eine tüchtige Gärtnerin die Töpfe und Kübel. Man kann Musik hören, man kann sogar Filme ansehen – ich greife ein bisschen vor, es ist noch nicht ganz so weit, die neuen Unternehmer haben ja gerade erst angefangen, die – salopp gesagt - Bude wieder auf Vordermann zu bringen, brauchbar zu machen, diesen Häusern eine neue Bestimmung zu geben und das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: Es muss ästhetisch befriedigend sein und es muss brauchbar und praktisch sein. Was wir bis jetzt gesehen haben, erfüllt diese Forderungen – und wenn die kühnen Pläne Wirklichkeit werden, woran die Besitzerfamilie Hess und die beiden munteren Landschaftsgärtner Lavater und Hofer (Hola Gartengestaltung) sehr zielstrebig arbeiten, dann kann sich Allschwil sehr bald zu einem neuen Anziehungspunkt gratulieren.

Mit Kraft und Phantasie, spielerisch und vergnügt

Noch von Donnerstag, 24. bis Samstag, 26. November 2005 (Öffnungszeiten siehe unten), stellen Jakob Engler – der Eisenplastiker, den man in Basel nicht vorstellen muss – und der Maler Konrad Hofer (den muss man freilich in Basel auch nicht vorstellen) in den jetzt schon zugänglichen Häusern aus, und was man da sieht, kann einen nur zum Schwärmen bringen. Es ist wirklich diese Verbindung von Geist und Materie, von Raum und Füllung, von Form und, ja, Formlosigkeit (die ein Prärogativ, auf deutsch ein Vorrecht der Natur ist). Allein schon jenes eine Gewächshaus, in dem man unter und zwischen meterlangen Gurken wandelt, um sich, wenn man will, an Englers Eisen-Skulpturen blaue Flecken zu holen, das ist schon was!

Das hat Kraft und Phantasie, ist spielerisch und vergnügt, unangestrengt und heiter, und genau das schafft die Atmosphäre, in der die Begegnung mit Werken der Kunst reine, die Phantasie beflügelnde Animation ist. Hier ist nichts angestrengt und bedeutungsvoll, alles ist ganz selbstverständlich und eben doch oder gerade deshalb voller Anreize und Impulse, sich darauf einzulassen. Für die Kunstwerke gut – und wenn sie bestehen, um so besser! Konrad Hofer ist übrigens der Vater des einen der beiden Hola-Unternehmers.

Es ist ein Anfang, ein vielversprechender, auch ein fröhlicher Anfang, ganz unverkrampft. Es wird weiter um- oder ausgebaut – das heisst, eigentlich wird ja gar nicht gebaut, es wird eingerichtet. Ein Kindertheater, ein Café, ein Raum für Konzerte, an Modeschauen, an Tagungen wird gedacht – wer vier Wände, ein Dach (auch wenn es aus Glas ist), Licht und Luft braucht, findet es hier, im Überfluss.

Also dann!

Ausstellung (letzte Tage): Donnerstag, 24. und Freitag, 25. November 2005, von 17 bis 19 Uhr und Samstag (Finissage), 26. Noebember 2005, von 11 bis 14 Uhr

Von Reinhardt Stumm


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