Artikel vom 20.11.2005

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Basel - Allgemeines

Wellness-Trend in der Hotellerie

Die «Igeho 05», die Fachmesse für Gastronomie und Hotellerie in Basel, ist eröffnet und läuft noch bis Mittwoch, 23. November 2005

Von Jürg-Peter Lienhard



Die «Weltkochschau» in Basel an der «Igeho 05» heisst halt so, aber in Paris und Mailand hingegen hats an solchen Messen Leute «von Welt», denen Tafelkultur in die Gene geipmpft ist, und die nicht mit den Fingern nach dem (Amateur-)Kellner schnappen… Fotos: J.-P. Lienhard, Basel @ 2005)



Erneut fehlt an der Igeho, der «Internationalen Fachmesse für Gemeinschaftsgastronomie, Gastronomie und Hotellerie», eine Etage im Rundhof-Gebäude der Messe Basel. Die Messeleitung umschreibt dies im Presse-Communiqué diplomatisch so: «Die Igeho 05 verzeichnet trotz angespannter wirtschaftlicher Situation der Branche auch in diesem Jahr eine hohe Beteiligung» - nämlich noch 832 Aussteller aus der Schweiz und aus dem Ausland.

In der Branche kriselt es, und wenn man die Anbieter-Stände und das Angebot betrachtet, wird schnell klar, was einer der wichtigen Knackpunkte in der Gastronomie und Hotellerie ist: Die enormen Investitionen in Betrieb und Ausstattung, deren Ansprüche immer höher werden und immer schneller aus der Mode kommen. Da auch die Personalkosten entscheidend mitwirken, sind an der Messe Anbieter stark vertreten, die Geräte und Systeme zur Rationalisierung anbieten.

In welchen der beiden Gebäuden (Rundhof- und Hauptgebäude), in denen die Igeho stattfindet, man immer herumwandelt, man sieht fast nur enorm grosse und teuer ausgestattete Stände. Gekocht und gebraten wird auf Teufel komm raus, um Maschinen, Herde und Convenience-Ware zu demonstrieren - aber Kulinarisches wird nicht angeboten! Die Igeho ist eben kein Kulinarium, sondern eine Messe für Gastro-Technik.

Wackelbetten-Hit…

Vornehmlich im Rundhof wird Hotelbedarf angeboten. Auffallend sind die vielen Firmen, die mit Wellness-Produkten werben. Hotels sind eben nicht mehr nur reine Unterkünfte, sondern «Erlebnis»-Etablissements, wozu Sauna, Wackelbett, Patent-Skiständer, Mountainbikes, elektrische Betten und Luxus-Badezimmer gehören.

Erstaunlich ist, was ein Hotel- oder Restaurant alles an Material braucht, um den Betrieb am laufen zu halten. Da gibts Anbieter für Kerzen, zumal für sogenannte «Teelichter», die aber mindestens acht Stunden brennen sollen, Servietten, Menükarten, und Dekorationen in Hülle und Fülle. Stühle in jeder nur erdenklichen Form, darunter ein komplett Lederbezogener für sagenhafte 100 Euro - allerdings bekommt man den Stuhl zu diesem Preis nur, wenn man mindestens 36 davon bestellt! Ein Stand will elektrische Klaviere verkaufen und ein anderer bietet «künstlerische» Bilder zur Ausschmückung der Hotelzimmer - da wollt ich dann nicht übernachten…

Degustation heisst in der Schweiz: gratis Saufen!

Einen Wahnsinns-Lärm empfängt einen in der Degustation im Obergeschoss der Halle 5 im Hauptgebäude: Man könnte sich denken, dass Service-Personal und Wirte auswärts die besseren Manieren ausüben, als wie sie sie so oft von ihren Gästen aushalten müssen… Aber da wird einem wieder mal deutlich der Unterschied zwischen der Gast- und Tafelkultur von Italien, Frankreich und Österreich vor Augen geführt…




Ein unglaublich vielfältiges Angebot an Hotel- und Restaurationsbedarf auch im kleinen: Riesenauswahl an Menukarten-Hüllen.




Gegen solche Hotelkunst im Gästezimmer gibts nur eins: abhängen! Aber am Morgen das Aufhängen nicht vergessen, sonst kommt die Padrone, wie mir das mal geschah, molto furioso an den Frühstücks-Tisch geschnaubt…




Innerschweizer sind Biertrinker, weshalb es an diesem Stand abgeht… Dabei sollte doch ein Beizer immer auch mal was Neues ausprobieren - wenigstens an einer Fachmesse!




Ernorme Aufbauten und Stände überall an der Igeho 05 fallen ins Auge.




Gut gewürzte «Kunst» mit farbigen Gewürzen - eine phantasievolle Gestaltung des Angebots.




Sie bläst für Schabziger aus dem Glarnerland ins (Alp-)Horn.




Sowas nennt man anderswo «Grümpelkammer» - hier ist es aber auch ein Beispiel, wie man mit Gerümpel, statt mit teuren Investitionen Cachet erzeugen - und Geld verdienen kann: Der Basler Hansjörg Bürgin (links) mit seinem originellen Stand an der Igeho 05, der fast originalgetreu seine Bar am Rümelins-Platz in Basel nachbildet (Rundhofhalle).




Kunststück, dass die trinkfreudigen Service- und Wirtehorden in der Degustation den Suva-Stand links liegen lassen: Das Plakat weist auf «12 gute Gründe, heute keinen Alkohol zu trinken»…




…während es an diesem Stand zumindest einen Grund gibt, Milch zu trinekn…


Die «Igeho 05» dauert vom 19. bis 23. November 2005 und findet in den Hallen der Messe Basel/Schweiz statt.

Von Jürg-Peter Lienhard

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