Artikel vom 14.11.2005

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Basel - Allgemeines

Aadie Mäss!

Die traditionsreiche Basler Herbstmesse ist am Sonntag, 13. November 2005, um 22 Uhr zu Ende gegangenen - Der «Hääfelimärt» auf dem Petersplatz dauert noch weiter bis zum Dienstag, 15. November 2005

Von Jürg-Peter Lienhard



«d'Mäss» und die Fasnacht sind zwei der herausragenden Angelpunkte in der Basler Agenda. Die Herbstmesse 2005 gehört (bald) der Vergangeneheit an - einer goldenen notabene! Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2005



Die diesjährige Basler Herbstmesse geht als «Herbschtmäss der klingenden Kassen» in die 535-jähriges Geschichte dieses grössten Jahrmarktes der Schweiz ein: Das sensationelle Herbstwetter mit seiner ungewöhnlichen Milde und voller Sonnenschein verursachte einen Zulauf zu den sieben über die ganze Stadt verstreuten Standorten wie noch nie. Auch die Polizei hat Grund sich zu freuen (siehe Medien-Communiqué am Schluss dieses Artikels).

Punkt zehn Uhr am Sonntagabend, 13. November 2005, läutete das «Martinsglöggli» die Herbstmsse aus. Traditionellerweise erhält dabei der Sigrist der Martinskirche in Basel, der das kleinste Glöcklein des Kirchturmes von Hand läutet, einen Woll-Handschuh - den rechten jeweils, denn beim Einläuten erhält er vorerst nur den linken…

Die letzte Fahrt auf der «Calypso»-Bahn auf dem Innenstadt-Standort Barfüsserplatz begleitete der momentan als Hit allenorten gehörte Ohrwurm «‘s Martinsglöggli». Das Lied der Gruppe «Basler Elstere» stammt aus dem Album «Musikalische und gereimte Liebeserklärung an Basel». Es wurde gestaltet von Werner F. Vögeli.

Abgekupferte Melodie?

Wahrscheinlich hat er die eingängige Melodie bei Robert Stolz‘s Filmmusik «Das Lied ist aus» von 1930 abgekupfert. Es tönt ziemlich ähnlich wie der andere Ohrwurm «Adieu, du kleiner Gardeoffizier…» und ist etwas unbeholfen nicht ganz lupenrein «Baseldytsch» gesungen. Nämlich in einer Mischung aus dem «Daig»- und dem zeitgenössischen Dialekt: Das «Gglingg, gglangg» beispielsweise, das man in Basel nicht nur im «Daig» mit einem härteren G ausspricht: «Gkling, gklang»…

Aber das alles hat nicht verhindert, dass «‘s Martinsglöggli» zum Hit selbst auf Radio DRS wurde, das den Song eben aus dem aktuellen Anlass der Basler «Herbschtmäss» für Hörerwünsche selbst aus der «inneren» Schweiz unablässig abdudelte. Das Liedlein hat ein gewisses «Sentimental-Potential», weswegen es der Schausteller von der «Calypso» auch zum Ausklang seines Basler Gastspieles ertönen liess und damit genau das Ohr des Publikums der letzten Fahrt traf: Dieses klatschte, nachdem die letzte Note verklungen war…

1471 auf dem Reichstag von Regensburg…

Die sentimentale Beziehung der Basler (auf Französisch heisst «sentimental» eben «gefühlvoll» und ist keineswegs abwertend gemeint, so wie es die «kühlen Nordlichter» eben nicht verstehen…) kommt aus der jahrhundertealten Tradition des Basler Messeplatzes: Basel erhielt am 11. Juli 1471 auf dem Reichstag zu Regensburg - also noch vor dem Eintritt Basels in die Eidgenossenschaft anno 1501 - vom deutschen Kaiser Friedrich III. das Recht, «für ewige Zeiten» zwei Messen im Jahr abzuhalten - je eine im Frühling und eine im Herbst.

Während die Herbstmesse ein lokales Ereignis geblieben ist, auch wenn es weitherum im Dreiländereck viel Publikum anzieht, ist die Frühjahrsmesse zu einem weltweit operierenden Unternehmen geworden: nämlich zur «Schweizer Mustermesse», die «Mutter aller Basler Messen», die erst seit jüngstem nun «Messe Schweiz» heisst.

Die «Mäss»-Düfte…

Die Tradition der Basler Herbstmesse, von den Baslern kurz und liebevoll einfach «d‘Mäss» genannt, lebt von den vielfältigen Eindrücken, die das Schausteller-Gewerbe zusammen mit den Marktfahrern aus der ganzen Schweiz zu vermitteln vermag: Der Duft zumal, der aus den Confiserie- und Wurstbuden strömt und einen unwiderstehlichen Hauch über die Messe-Standorte verbreitet.

Zum Beispiel die Zuckerbäcker-Spezialität «Maagebrot», das dieses Jahr von den Journalisten der «Basler Zeitung» ausführlich getestet, degustiert und benotet wurde. Dann auch gebrannte Mandeln, Marroni, Zuckerwatte, «Türken-Honig», Bratwürste, die Basler «Glepfer» vom Grill (in der Restschweiz profan «Cervelat» geheissen) und auch die «Mässmögge», «glaasige» oder «gefüllte», die jeder für sich eingeschworene Liebhaber hat.

Die «hilfreiche» Zentrifugalkraft

Dann sind es auch die wahnwitzig beleuchteten Fahrgeschäfte, die «Bahnen», wie ihnen Kinder und Erwachsene sagen, die Musik, der summende Lärm, das Gekreische der Mädchen auf den immer schneller und immer höher werdenden Attraktionen, und bei der heranwachsenden Jugend das Kribbeln beim verstohlenen «Spienzeln» nach dem anderen Geschlecht, das sich bei den «Bahnen» tummelt, wo deren Zentrifugalkraft «automatisch» ein Zusammendrücken verursacht…

Traditionell ist auch das Start-Datum, das jeweils 14 Tage vor dem Sankt Martinstag angesetzt ist und immer auf den Samstag vor Ende Oktober punkt 12 Uhr fällt sowie vierzehn Tage zwischen drei Sonntagen dauert. Der grosse Krämermarkt auf dem Petersplatz, der «Hääfelimärt», dauert jedoch traditionell immer zwei Tage über das Ende des Schausteller-Jahrmarktes hinaus.

Noch bis Dienstag, 15. November 2005…

Der «Hääfelimärt» hat seinen Namen von der Abteilung des Krämermarktes, wo Geschirr, also «Häfeli» feilgeboten wird. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren das vor allem Keramiker aus dem elsässischen Soufflenheim, heute sind es jedoch Occasions-Händler mit Geschirrwaren aus der ganzen Welt.

Dieses Jahr, 2005, endet der «Hääfelimärt» am Dienstag, 15. November. Und dann ist wieder Schluss mit der «Herbschtmäss» für ein Jahr. Und schon werden die Buden für die zahlreichen Weihnachtsmärkte hergerichtet…

Und aus der Sicht der Basler Polizei

Medien-Communiqué des Sicherheits-Departements

Das war eine tolle Herbstmesse

Die 535. Auflage der Basler Herbstmesse ist auch aus der Sicht der Polizei erfreulich verlaufen. Weder kam es zu Sachbeschädigungen noch sexuellen Belästigungen. Auch mussten keine «Hausverbote» ausgesprochen werden. Gegenüber dem Vorjahr hat sich lediglich die Zahl der Personenkontrollen und der Festnahmen erhöht.

Während der Herbstmesse hat die Polizei auf allen Messeplätzen sehr intensiv Personenkontrollen durchgeführt. Insgesamt wurden 702 Personen kontrolliert, wovon die meisten wie in den letzten Jahren auf dem Kasernenareal. 11 Personen wurden festgenommen. Die intensive Präsenz der Polizei bewirkte, dass es bei zwei Fällen von Tätlichkeiten blieb, auch diese Zahl ist kleiner als in den letzten Jahren.

Sich anbahnende Schlägereien konnten meist im Keime erstickt werden. Sie bahnten sich zudem jeweils zu einer Zeit lange nach dem abendlichen Messeschluss an und im Zusammenhang mit anderen Veranstaltungen und erheblichem Alkoholkonsum.

Gemeldet wurden bis Messeschluss insgesamt 15 kleinere Diebstähle und 12 Taschendiebstähle, auch diese Zahlen liegen unter dem Durchschnitt der letzten Jahre. Zudem nahmen die Polizistinnen und Polizisten 175 Fundgegenstände in Verwahrung, die nicht alle wieder abgeholt wurden; dies ganz im Gegenteil zu den 64 vorübergehend «verloren» gegangenen Kindern.

Von Jürg-Peter Lienhard


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