Artikel vom 18.01.2004

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Elsass - Allgemeines

4500 Haushalte ohne Trinkwasser

Verschmutztes Trinkwasser im Sundgau: In mehreren Gemeinden dürfen die Menschen das Wasser nicht einmal zum Geschirrwaschen benutzen.

Von Jürg-Peter Lienhard



Gerade mal eine Pet-Flasche pro Kopf und Tag als Trinkwasserration verteilt das Wasserwirtschaftsamt von Altkirch an die Bevölkerung der betroffenen Gemeinden. Foto zVg

ALTKIRCH.- Das ist die Quittung für jahrelange Maiswirtschaft: Mehrere Gemeinden im südelssässischen Sundgau in der Gegend von Altkirch können seit Freitag, 16. Januar 2004, ihr Trinkwasser nicht mehr gebrauchen. Als Folge der starken Regenfälle der letzten Tage in diesem Gebiet vermögen die durch den intensiven Maisanbau erodierten Böden das Wasser nicht mehr genügend filtern.

Die ersten Analysen des Wassers am Donnerstag, 15. Januar 2004, haben einen deutlichen Anstieg von Schwebestoffen ergeben, welche die Gefahr einer bakteriologischen Verunreinigung in den vom privaten Wasserwerk von Heimsbrunn belieferten Gemeinden wahrscheinlich machen. Das «Trinkwasser» darf daher nicht einmal mehr zum Geschirrspülen, geschweige denn zum Zähneputzen benutzt werden. Das Wasserwerk hat nun in Zusammenarbeit mit der departementalen Sanitätsdirektion eiligst Massnahmen ergriffen.

Betroffen sind namentlich die Gemeinden Aspach, Flaxlanden, Froeningen, Galfingen, Heidwiller, Heimsbrunn, Hochstatt, Illfurth, Zillisheim sowie die Wasserversorgung von Spechbach/Saint-Bernard.

Bei diesem neuerlichen Ausfall der Trinkwasserversorgung wegen Verschmutzung kam zum ersten Mal im Elsass das vom Wasserwirtschaftsamt geschaffene telefonische Alarmsystem zum Zug: Innerhalb zwei Stunden, nachdem die automatische Analyse die Alarmmarke erreichte, war die Nachricht an die Konsumenten weitergegeben worden. Allerdings gab es etliche Wasserbezüger unter den 4500 betroffenen Haushalten, die gleichwohl nicht die Nachricht per Telefon erfuhren. Viele sollen erst aus dem Radio, von Nachbarn oder gar erst aus der Zeitung von der Warnung erfahren haben, berichteten verschiedene Medien im Elsass.

2700 Pet-Flaschen in einem Tag verteilt

Mit der Warnung vor dem Genuss des Trinkwassers wurden die Bewohner der betroffenen Gemeinden am Freitag, 17. Januar 2004, aufgefordert, sich zum Bezug von Mineralwasser beim Wasserwirtschaftsamt von Altkirch einzufinden. Nach Medienberichten sollen bereits um acht Uhr in der Frühe Hunderte von Konsumenten vor dessen Toren auf die Ankunft der Mineralwasser-Lieferung gewartet haben.

Doch es seien mehrere Stunden vergangen, bis der Camion aus Schlettstadt mit lediglich rund zwanzig Paletten Pet-Wasserflaschen eintraf. Inzwischen seien aber mehr als 2700 Packungen zu sechs 1 1/2-Liter-Flaschen verteilt worden - angesichts der Anzahl betroffener Bewohner, entspreche dies pro Kopf anderhalb Liter Wasser…

Bis wann im südlichen Elsass die Warnung vor dem Gebrauch des «Trinkwassers» in Kraft bleibt, ist bei der derzeitigen Wetterlage nicht abzusehen. Sicher ist jedenfalls, dass selbst nach Abflauen der Regenperiode es immer noch 72 Stunden dauern dürfte, bis bis die Analysen wieder einen halbwegs zulässigen Wert angeben.

Von Jürg-Peter Lienhard


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