Artikel vom 10.08.2005

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Zolli-Apero August 2005

Schwimmen will gelernt sein

Viel Jungvolk in den Gehegen des Basler Zoologischen Gartens: Bei den Seelöwen, bei den Meerkatzen und bei den Schimpansen gibt's herzige Buschis zu sehen

Von Jürg-Peter Lienhard



Die berühmtesten Zolli-Mitarbeiter: Affenforscher Jörg Hess (mit Notizblock, links) und Seelöwen-Tierpfleger Markus Ruf (rechts) vor dem Becken mit den schwimmenden Säugern aus Kalifornien. Alle Fotos: J.-P. Lienhard, Basel @ 2005



BASEL. zoo/jpl.- Nicht alle kürzlich geborenen Jungen dürfen schon dem neugierigen Publikum ausgesetzt werden. Das hat seine Gründe, auch wenn schon durchgesickert ist, dass es in der neuen Wildfang-Löwengruppe bereits ein Löwenbuschi gegeben hat. Denn gerade letzteres braucht noch unbedingt seine Ruhe und wird deshalb von seiner Mama zurzeit in der Wurfbox versteckt gehalten.

Kurator Thomas Jermann bedauerte am traditionellen Zolli-Apero vom 10. August 2005 die Indiskretion der Gratiszeitung «20 Minuten», weil sich durch die Publikation des Geburtsereignisses bei den Löwen das Publikum getäuscht vorkommen muss: Geburten werden vom Zolli erst mitgeteilt, wenn die Jungtiere auch fürs Publikum zu sehen sind. Das wird bei den Löwen noch eine Zeitlang nicht der Fall sein, wie auch bei der zweiten Löwengeburt, die bald ansteht.

Immerhin gibt es jedoch im Zolli zurzeit viel attraktives Jungvolk, viel herziges und lustiges, gleichwohl zu sehen. Nämlich bei den Seelöwen haben gleich zwei Buschis die Schwimmschule ihrer Mütter endlich erfolgreich beendet und tollen jetzt mit den alten und jungen Mitgliedern der kalifornischen Seelöwen-Gruppe im grundwassergespiesenen Seelöwenbecken herum (spannende Fütterung jeweils täglich um 16.15 Uhr).



Wenns ihnen seelöwenwohl ist, kommen sie nicht mehr aus dem Wasser und sind schwer zu fotografieren. Mir wars aber zu kalt für eine Tauchgang als Unterwasserfotograf - sorry liebe Leser!.



Eine Besonderheit bei den Seelöwen ist - wer hätte das gedacht -, sie kommen als Nichtschwimmer auf die Welt und müssen erst das Schwimmen von ihren Müttern erlernen. Dies dauert dann zwei bis drei Wochen, wie der berühmte Seelöwenwärter Markus Ruf erklärte. Er muss nach der Geburt eines Seelöwenbuschis ständig auf der Hut sein, damit keines ertrinkt oder unter die Flossen des schwergewichtigen Vaters gerät.

Erstaunlich war von Ruf zu hören, dass die doch so pudelmunter rumschwimmenden und -tauchenden Seelöwen sehr schwierig in Gefangenschaft zu züchten sind: Das Seelöwenbecken wurde 1922 eröffnet, aber erst 1971 gab es erstmals ein Jungtier im Basler Zolli. Das war auch ein Verdienst von Markus Ruf, der inzwischen ja schon ein halber Seelöwe geworden ist und mitunter bei seinen spielerischen und spektakulären Fütterungs-Ritualen auch gleich mit dem Bullen kopfüber ins Becken gumpt - sehr zum Gaudi der vielen hundert Zuschauer jeweils.

Seit dieser ersten Geburt fand das Gebären bei den Seelöwinnen Nachahmung, und Ruf hat dann bis heute 42 Jungtiere grossziehen können. Allerdings war das Jahr 2005 auch das erste Jahr ganz problemloser Geburten, die ohne Rufs Hilfe vonstatten ging: Am 23. und 24. Juni kamen je ein Seelöwenbuschi von den Müttern «Ukiah» und «Tuba» auf die Welt: «Cloë» und «Clive» - mit amerikanischen Namen, wie es sich für kalifornische Seelöwen geziemt. Sie blieben dann mehr als einen Monat im Stall, umsorgt von ihren Müttern, aber auch von Markus Ruf, der eben darauf achtete, dass keines ertrank, bevor es die Schwimmschule erfolgreich abgeschlossen hatte.

Mehr Meerkatzen: Zwei Geburten

Junge gibt's auch bei den Meerkatzen zu sehen. Vielleicht erinnern Sie sich an den Zolli-Apero-Bericht vom April 2005: Damals berichteten wir, dass der Zolli eine Gruppe dieser Affenart aus Israel aus einer erbärmlich geführten Privathaltung aufgenommen hat. Nun sind diese Äffchen, eher so gross wie ein Zwergpudel statt wie eine Katze, komplett hier eingewöhnt. Haben eine tolle Affeninsel, artgerecht mit Bäumen zum Klettern, Gebüsch zum Versteckis spielen und Brennesseln für - ich weiss nicht wofür, sie wuchern jedenfalls am Weiherrand.



Dem Israeli aus der erbärmlichen Privatzucht, scheints hierzulande gut zu gefallen. Aber auch er kann keine Sekunde stillhalten für den Fotografen…



Mit vier Meerkatzen (ein Chef, drei Weibchen) fing die Gruppe bei der Etoschaanlage an und hat sich in der kurzen Zeit ihrer Ansiedlung zu einer Kolonie von neun Häuptern vermehrt. Am 17. Juli und am 4. August kamen die jüngsten zur Welt: «Nafasi» und «Chawa», die sich sofort nach der Geburt in Meerkatzenmanier mit Händchen und Füsschen an Mamis Bauchhaaren festhielten. Diese Mutter/Kind-Paare sind süss anzusehen und laden zum Beobachten.

Radau bei den Schimpansen

Spektakulärer, vor allem für Kinder, dürfte die neuste fürs Publikum sichtbare Geburt sein: «Colebe», ein am 12. Juli geborener Schimpansen-Spitzbube. Er ist noch klein und wenig behaart, aber sooo süss! Seine Mutter ist «Quamisha», wie der berühmte Affenforscher und Ehrendoktor der Basler Alma Mater, Jörg Hess, zu berichten wusste. Wenn Hess über Affen redet, kommt er in Fahrt; das Affenhaus dröhnt von seiner Stimme, und er ist plötzlich auch von allen Affenhaus-Besuchern umringt, die den Zolli-Presse-Apero-Journalisten und deren mitessenden Begleitungen den Platz streitig machen.



Ein älteres Jungtier auf dem Buckel seiner Mutter - es ist aber nicht der ganz kleine, neue, fast unbehaarte Schimpansenbube «Colebe». Die Streifen auf dem Bild rühren nicht etwa von einer verwackelten Aufnahme, sondern sind Dreck auf der Käfig-Montere…



«Colebes» Vater ist der betagte Familienchef «Eros» und einziger erwachsene Mann in der Familie. Er kennt Jörg Hess gut und umgekehrt, ja sie gleichen sich von Jahr zu Jahr mehr, wie mir Kollegen am Apero erstaunt bestätigten. Doch dieser «Eros» kann es nicht ausstehen, wenn sein Humoniden-alter-ego ihn nicht exklusiv begrüsst und Reden vor äffenden Journalisten hält: «Eros» trat wütend gegen das Käfig-Fenster oder polterte mit der Faust daran, um die nötige Ehrerbietung zu erzwingen. Doch wenn Jörg Hess in Fahrt ist, ist er der Haupt-Aff, und «Eros» kann toben, wie er will…



Der tobende «Eros» machte aus Eifersucht derart Terror, dass Scheibe und Kamera wackelten…



Das viele Volk, das Hess besonders aus dem Publikum anzog, verhinderte dann selbstverständlich, dass ich die Hälfte seiner Ausführungen nicht mitbekam, denn je lauter er sprach, desto mehr Krachterror verübte «Eros» und desto mehr kreischten die Kinderhorden voller Vergnügen: Es war ein Affenlärm - wortwörtlich.



…was die anderen sonst ganz vergnügten Mitglieder der Schimpansenfamlie jedoch nicht im geringsten störte.



Zum Glück verteilt der Zolli seit kurzem am Apero ein Communiqué mit Stichworten zu den besuchten Themen oder Tieren. Wohl weil viele Journalisten heute nicht mehr zuhören wollen, vielleicht auch gar, weil sie nicht schreiben können oder dafür nicht bezahlt werden. Auf jeden Fall gelingt es mir nun damit, das Wichtigste aus Jörg Hessens Vortrag hier aus dem Communiqué zusammenzufassen und damit den Bericht zu diesem bei schönstem Wetter und mit viel Publikum abgehaltenen Zolli-Apero August 2005 zu beenden:

Schon mit der Geburt «Colebes» erwies sich Mama «Quamisha» als äusserst besorgte und fürsorgliche Mutter, die ihr Neugeborenes umsichtig trägt, pflegt, warmhält und versorgt.

«Colebe» ist «Quamishas» drittes Kind. Ihre ersten beiden Neugeborenen hat «Quamisha» allerdings verloren. Sie starben beide zwischen dem ersten und zweiten Lebenstag. Um so erfreulicher ist es, dass dieses Mal alles gut zu gehen scheint und Mutter und Sohn seit der Geburt gesund und wohlauf sind.

«Quamisha» selber ist, als Kind von Mutter «Jacky» im Mai 1993 im Zolli zur Welt gekommen. Mit dem kleinen Sohn «Colebe» zählt die Basler Schimpansenfamilie heute neun Mitglieder. Ihr gehören neben dem Mann «Eros» die erwachsenen Schimpansenfrauen «Jacky», «Lua», «Xindra», «Benga» und «Quamisha» an sowie Jackys beide Kinder, die noch kleine Tochter «Zamana» und der etwas ältere Sohn «Wakili».



Schimpansen und die anderen Gross-Affen im Basler Zolli sind die Attraktion für Kinder und andere klugen Leut'

Von Jürg-Peter Lienhard


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