Artikel vom 12.01.2004

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Elsass - Kultur

Tante Jutta aus Kalkutta

Spass hoch zehn verspricht erneut die Theatertruppe um Bernard Kuentz von Hagenthal-le-Bas. Dieses Jahr begeistern die zehn bodenständigen Elsässer Schauspieler wiederum mit einem rassigen Schwank: «Tante Jutta aus Kalkutta».

Von Jürg-Peter Lienhard



HAGENTHAL-LE-BAS.- Das «Rezept» eines Schwankes ist etwa immer gleich: Verwechslungen, Pantoffelhelden und Schlitzohren geteilt durch Happy-End gleich unbeschwerte Unterhaltung. Doch wenn die Akteure elsässisch sprechen, zumal den erdigen Sundgauer-Dialekt, dann ist ein köstlicher Abend garantiert - und obendrein macht man den Elsässern Mut, Ihre Muttersprache zu pflegen.

Seit Jahren schon ist Bernard Kuentz «Hausregisseur» am «Stadttheater» von Hagenthal-le-Bas - einer eher tristen Architektur von Mehrzweckhalle. Aber wenn seine eingeschworene Truppe traditionellerweise jeweils nach den Feiertagen mit ihrer sorgfältig einstudierten Produktion auftritt, «lüpft» es jeweils die Ziegel bei den kräftigen Lachern, die die Schwänke beim gemischtnationalen Publikum erzeugen: Das «Théâtre Dialéctal de Hagenthal-le-Bas» hat eine fast eingeschworene Clientèle aus der Basler und der badischen Nachbarschaft, natürlich nebst den einheimischen Liebhabern. Denn wo sonst hört man noch solchen deftigen Mutterwitz in ursprünglichster Dialektversion im Elsass?

«O Calcutta!»

Bernard Kuentz pflegt nämlich seinen Heimatdialekt Elsässisch, indem er die meist im Original deutsch verfassten Schwänke gleich selbst in sein erdiges Idiom übersetzt. So auch beim diesjährigen Schwank von Otto Schwarz und Max Reimann, der den Titel original trägt: «Die wunderbare Familie Hannemann». Darin kommt eben auch die reiche Tante Jutta vor, die - um des Reimes Willen - in Kalkutta wohnt, aber deswegen auch den zweisprachigen Elsässern ein weiteres Wortspiel erlaubt: Kalkutta wird auf Französisch (phonetisch) «calcütta» ausgesprochen, was man auf Französisch eben auch als « quel cul t‘as» («Welcher Hintern Du hast!») verstehen kann (zumindest seit dem Erfolgsmusical «O Calcutta!»)…

Auf jeden Fall wird diese Tante Jutta von ihrem Neffen, einem in steten Geldnöten steckenden Jurastudenten um Hilfe aus seinen finanziellen Verlegenheiten angegangen. Zum «letzten Mal» erklärt sich die reiche Tante bereit, ihm aus der Patsche zu helfen - unter einer Bedingung: dass er sich endlich auf den geraden Weg aller bürgerlichen Söhne begebe und heirate… Doch dem lebenslustigen Luftikus ist alles andere zu Mute, als still im Hafen der Ehe vor Anker zu gehen. Darum kommt er auf die verheerende Idee, einen seiner Gassenkameraden zu verkleiden und ihn als seine «Braut» vor der überraschend angereisten Tante Jutta auszugeben. Der Rest ist eine Verkettung unglücklichster Umstände, die schliesslich aber doch zur Heirat des entlarvten Schlaumeiers führen…

Unbeschwerte Unterhaltung garantiert

Nun besteht bei den Inszenierungen von Bernard Kuentz das grösste Vergnügen nicht etwa in einer - das gehört halt eben zum Genre des Schwanks - besonders anspruchsvollen Geschichte. Vielmehr ist es die Umsetzung in die elsässische Eigenart: Einen Elsässer kann man fast ungeschminkt auf eine Bühne stellen - und fertig ist der Schwank. Die haben nämlich einen Mutterwitz aus ihrer Sprache bewahrt, die zum Beispiel die Schweizer mit ihren meist «langsamen» Dialekten und den vergermanisierten fremdsprachigen Begriffsanreicherungen längst verloren haben. Den Elsässern kommt natürlich auch das Frankophone zupass, das schnelle Sprechen, der Hang zur Komik - freiwillig oder unfreiwillig.



Eine «Spezialität» der Inszenierungen in Hagenthal-le-Bas ist jeweils das sorgfältig ausgestattete Bühnenbild, das örtliche Handwerker gewissermassen als «Referenz» ihrer Produkte zur Verfügung stellen.

Den Baslern und den Badenern empfehle ich daher mit Garantie, dass sie ihren Spass haben werden, wenn sie hingehen - aber sie werden auch, wie gesagt, den Elsässern mit dem Theaterbesuch Mut zur Bewahrung ihres leider aussterbenden Dialektes machen. Dann kommt hinzu, dass jede Vorstellung mit einer Tombola abschliesst und die Hälfte der Plätze an Tischen plaziert ist, wo eben elsässischer Weisser oder französischer Roten oder Kaffee-Kuchen konsumiert werden kann.

Weitere Vorstellungen

Nachdem die ersten beiden abgehaltenen Vorstellungen schon lange ausverkauft waren, gibt es für die weiteren Repräsentationen noch Plätze - allerdings für die vom kommenden Wochenende nur noch beschränkt:

Vorstellungen an den Samstagen des 17., 24. und 31. Januar sowie 7. Februar, jeweils um 20.15 Uhr; am Sonntag, 18. Januar um 14.30 Uhr sowie an den Freitagen, 23. und 30. Januar, jeweils um 20.15 Uhr in der Mehrzweckhalle von Hagenthal-le-Bas.

Reservationen und Vorverkauf: Jeweils Dienstag und Donnerstag von 17 bis 20 Uhr im «Theaterhysli» (neben der Mehrzweckhalle) oder per Telefon unter 0033-389-68 18 15. Eintrittspreise Erwachsene: 8 Euro; Kinder 5 Euro.

Von Jürg-Peter Lienhard


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