Artikel vom 10.02.2005

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Szene

Neue Kunsthallen-Bar

Wiedereröffnung in Basels Traditions-Beiz am Steinenberg

Von Jürg-Peter Lienhard



Ganz neu, aber schon brökelt die Decke: Seltsamer Designer-Einfall für den Bar-Bereich der neuen Kunsthallen-Bar. Fotos: J.-P. Lienhard, Basel © 2005



BASEL.- Gute Kunde für Apero-Gäste: Das Kunsthallen-Restaurant hat am Mittwoch, 9. Februar 2005, seine neue Bar im Eingangsbereich eröffnet. Die Einrichtung - Geschmack ist eben Geschmacksache - ist sehr kühl-modern, dunkel und nicht besonders originell oder gar schön! Noch am Eröffnungsabend wurde die neue Bar von der Jugend erobert, was der Bar-Chef mit gemischten Gefühlen beobachtete.

Es hat immer wieder eine Bar im Kunsthalle-Restaurant gegeben. Und immer wieder wurde am Eingangsbereich herumgeschräubelt - und immer wieder mit der falschen Hand… In der Periode der Familie Früh gab es schon mal eine Bar am selben Ort, wie die jetzige plaziert ist: Da trafen sich in den frühen siebziger Jahren Leute vom Theater oder von der Trendsetter-Werbeagentur GGK. Der «Schluuch», die ursprüngliche Restaurationshalle aus dem 19. Jahrhundert mit seinen imposanten neo-romantischen Lüftelmalereien, besass einen knarrenden Parkettboden mit rotem Teppich vom Eingang bis zum Büffet.

Noch war das Kunsthalle-Restaurant kein Szenetreff, vielmehr war sie die Kantine des alten Stadttheaters, wo Ballettchef Orlikowsky und Theaterdirektor Werner Düggelin sowie der Ballettmeister Kleiber Hof hielten und auch sonst viele Künstler immer den Ton angaben. Mit dem Rausreissen des Parkettbodens fingen dann viele unglückliche Änderungen an, die bis heute nicht abgerissen haben. So verdunkelt nun im «Schluuch» das auf schwarzschoggi angestrichene Getäfer die Atmosphäre - im Gegensatz zum lichtdurchfluteten ehemaligen Wintergarten-Anbau, dem sogenannten Weissen Teil.



Höhle in der Kunsthöhle: Sitzbereich in der neuen Kunsthallen-Bar. Grau und kalt…



Zur selben Zeit, als der Boden erneuert wurde, hat die Familie Früh die Bar geschlossen und zu einem Büro umgebaut sowie den Eingang verlegt - die Bar war eben in der damaligen Zeit nicht rentabel. Als dem inzwischen verstorbenen Romano Villa zusammen mit dem jetzigen Wirt Peter Wyss das Kunsthalle-Restaurant vom Kunstverein übergeben wurde, weil dieses Profit-Center des Kunstvereins unter der Witwe Früh eher ein Kosten-Center geworden war, haben die beiden im ersten Stock eine Edel-Bar mit Séparé eingerichtet. Immerhin hatten sie mit den Innenarchitekten des zweimal umgebauten Interieurs eine glückliche Hand.

Doch die Lage im ersten Stock, die über eine kalt-moderne Eisen-Wendeltreppe erstiegen werden musste, hat besonders in wärmeren Jahreszeiten oder an «stillen Tagen» keinen befriedigenden Umsatz gefördert. Schliesslich machte der Kunstverein diese Räume für die die Ausstellungsfläche der Kunsthalle geltend, womit die Bar im ersten Stock zugemacht wurde.

Neue Toiletten-Anlage und neuer Eingang

Nach längeren Umbauzeiten wurde nun der Eingangsbereich wieder in einer Flucht mit dem Eingang zum Restaurant umgebaut und die hässliche alte Toilettenanlage neu gestaltet. Durch die Verlegung des Eingangs konnte der gewonnene Platz für die neue Bar verwendet werden und das ehemalige Betriebsbüro zu einem weiteren Bar-Raum mit Sitzplätzen und Tischchen ergänzt werden.

Die nun im Parterre des Kunsthalle-Restaurants angesiedelte Bar dürfte sich sehr wohl als Bereicherung der Innenstadt-Szene entwickeln. Obwohl sie mit ganz grau-schwarz gehaltener Bemalung nicht besonders «warm» wirkt, dafür aber nun nicht mehr im ersten Stock angesiedelt ist. Die Eroberung der Bar am Eröffnungstag durch die Jugend hat der italienische Bar-Chef mit gemischten Gefühlen erlebt: Die Bar sollte eben ein «gehobenes» Publikum ansprechen.

Gutverdienende Langweiler verdrängten Künstler

Indessen war zu bemerkten, dass diese Jugend über recht viel Sackgeld verfügen muss, hat sie doch gleich happigteure süsse Drinks geordert. Und was das «gehobene» Publikum betrifft, so ist die Künstlerschaft Zug um Zug durch Bank- und Versicherungs-Bürogummis aus dem Restaurant vertrieben worden - und hat der gewünschten «gehobenen» Kundschaft Platz gemacht. Überflüssig zu sagen, dass damit eine bünzlige Langweiligkeit in das Kunsthalle-Restaurant eingekehrt ist, und wahrscheinlich auch bleiben wird…

Von Jürg-Peter Lienhard


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