Artikel vom 30.01.2005

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Fasnacht

Bericht und Musikurteil

Ein musikalisches Drummeli-Jubiläum

Kein Spektakel, dafür saubere Auftritte der Cliquen an der Premiere - ein Ohrenschmaus für Kenner! – Palmarès am Schluss dieses Artikels

Von Redaktion



Byhni frey firs Drummeli 2005 - Nummere 100!



-- Von Jürg-Peter Lienhard (Text) und Marcel Schaffner (kommentierte Begutachtung der Cliquen-Beiträge) --


BASEL.- Für einmal die gute Nachricht zuerst: Keine einzige Clique hat dieses Jahr von unserem musikalischen «Begutachter», dem Trommelhund der Ueli, Marcel Schaffner, einen «Balken» für ungenügenden Vortrag erhalten. Im Gegenteil: Die allermeisten Vorträge haben «super» bis «sehr gut» abgeschnitten! Damit dürfte der diesjähige Jahrgang des Drummeli wohl als einer der musikalischten in die hundertjährige Geschichte dieser Vorfasnachtsveranstaltung eingehen. Lesen Sie die Urteile des musikalischen Begutachters am Schluss dieses Artikels.

Der Schwerpunkt auf saubere Präsentation und Musikvortrag hat sich gelohnt. Auf die «Show-Elemente» vom letzten Jahr, die prompt eine Panne des Beamers und die unfreiwillige «Aussperrung» der CCB-Clique zur Folge hatte, hat die diesjährige Regie wohlweislich verzichtet. Vielmehr wurde mit wohldosiertem Licht und sehr diskreten, eher an Dia-Projektionen erinnernde Beamer-«Illustrationen» gearbeitet - was das Augen- respektive das Ohrenmerk voll auf die musikalische Darbietung konzentieren liess.



Das beste aller Rahmestiggli: Sujet Rauchen im Hinterhof mit dem Raucher-Krebslein alias Bölleli.



Die weniger gute Nachricht betrifft den Inhalt der Rahmestiggli, die teils sehr schwach getextet oder über Gebühr in die Länge gezogen waren. Da hat dann auch die Zürcher Regie voll durchgeschlagen; z.B. mit der ans Musical «Cats» anlehnenden «Show» mit Katzen und gegen Anita Fetz. Diese Art Inszenieung gehört eigentlich nicht ans Drummeli. Und auch die Begleitmusik aus der Niederdorf-Oper mit dem abgedroschenen Ohrwurm «Der Heiri hätt es Chalb verchauft» oder der Mackie-Messer-Song aus Brechts «Dreigroschenoper» habe ich als Einmischung, ja gar als «Kontamination» aus dem Grosskanton empfunden.



Zu jedem Drummeli gehört eine Gugge - auch wenns an der Fasnacht davon viel mehr gibt als Cliquen… Hier der sauschöne Auftritt (Kostüme und Musik) der Grachsymphoniker



Die Basler Fasnacht ist eine Angelegenheit der Basler. Das hat nichts mit Intoleranz zu tun, sondern mit regionaler Identität: Die Zürcher haben ihren Zürcher Blick und das Zürcher Fernsehen. Auf Basler Mist wachsen eben ganz eigene Pflänzchen, und die sind schützenswert angesichts grosssprecherischer Limmat-Shows! Zürcher Elemente am baslerischsten aller baslerischen Vorfastnachtsveranstaltungen einzubinden ist - so will ich meinen - eine Schnapsidee!



Prolog zum Fasnachtsmotto BVB



Apropos «Zürcher»: Ein Seitenhieb auf diese lieben Miteidgenossen muss gekonnt sein - sonst wirds blöd. Schon mehr als ein Seitenhieb wirkt blöd, und wenn er immer wieder kommt, dann ists geschmaklos, unfasnächtlerisch!



Rahmestiggli «Wilhelm Täll»



Schade auch, dass die Regie den ganzen tollen Drummeli-Abend am Schluss einfach «sterben» liess: Der traditionelle Epilog am Vorstellungs-Ende, ein hühnerhauterzeugendes Bekenntnis zu den «drey scheenschte Dääg», hätte statt mit «Lichter aus» mit einem trommelnden und pfeifenden Abgang enden sollen. So war das Publikum kurz konsterniert und begann nur zögerlich zu klatschen. Ein tosender Schluss-Applaus wäre diesem musikalischen Jubiläums-Drummeli mehr als angemessen gewesen!



Sauschön, was in diesem Rahmestiggli wie dr Bach ab gschwumme kunnt…



Interessant auch die Sprache in einigen Rahmestiggli: Das wohl von einem «zugewanderten» Basler getextet Motto der kommenden Fasnacht 2005 «Näbe de Schiine» kam dann in einem Rahmestiggli zum richtigen «Näb». Seltsam auch, dass die «amtlichen Fasnachtsköpfe» nicht wissen, oder vergessen haben, dass «Baseldytsch» eben nicht «Baseldütsch» ist, sondern die Sprache des «Daig», den man stets an der Fasnacht mit übetriebenem «Baseldytsch» parodiert - oder besser gesagt: parodierte, denn der «Daig» ist ja fast ausgestorben… Gleichwohl hält sich die Mär, dass man in Basel «Baseldytsch» spricht. Aber es entschuldigt nicht, wenn aus «näb», «näbe» wird…



Nicht überzeugend, aber trotzdem originell: Die Schuuflebuur-Bänd.



Noch ein Motz zum Inhalt: Beinahe «auf der Haut» spürbar war das Durchfallen des ersten Banggs, dem Schuuflebuur und seiner «Band»: Nicht mal dessen «Buureregle» hatten Biss. Hingegen erntete der Auftritt der beiden groteskt kostümierten Glettyyse-Gumslen tosenden Applaus - auch wenn deren Verse überhaupt nicht geistreich waren: Ihre Verse leben von der «unpolitischen Unkorrektheit». Fasnacht ist eben auch Ventil dafür; «Furz» und «Füdle» sind wohl darum Pointen, weil diese unterm Jahr als «unaussprechlich» gelten…



Glettyyse-Bangg als groteske Gumslen



Ein Wort zu den Räämelern, die als Darsteller ein besonderes Lob verdienen: Das ist Profi-Cabaret, was die an Gesang und an Kapriolen bieten!

Besonders schön, die Raucher-Szene - auch ein Genuss für alle Nichtraucher. Gesanglich sind die Räämeler ebenfalls hervorragend und bemerkenswert - trotz Motz - in der «Cats»-Szene, wo man übrigens Rolli oder Busi am Wackeln der Popos unterscheiden konnte…

Jürg-Peter Lienhard



So wie es den Drämmli im Depot Wiesenplatz zum Gähnen ist, so war es auch für die Zuschauer bei diesem Rahmestiggli…



* * * * *

Lassen wir nun den Ueli-Trommelhund Marcel Schaffner «sprechen»; er hat bei den Trommel- und Pfeifer-Darbietungen ganz genau zugehört:


Legende zum Palmarès…

* * * = ainsami Schpitze!!!
* * = immer no sehr guet!!
* + = fascht sehr guet!
* = sosolala
– = duuregheyt!!!

…und jeweils ein Satz Kommentar dazu



Reihenfolge des Palmarès gemäss Auftritten am Monstre-Trommelkonzert und der Numerierung im Programmheft. (Nicht berücksichtigt werden konnten die Muggedätscher und die Basler Bebbi, die erst am 4. Februar aus Anlass ihres 50. respektive 75. Jugiläums einen Separat-Auftritt haben werden.)


1. Schnurebegge (Sujet: Soda = Sinn fir aimol/ohni Usnahm/dur s Band ewägg/alles Indianer)

* (Kein Volumen bei den Trommlern und Pfeifern)



Schnurebegge



3. Basler Dybli
(Sujet: Le Lancier. Liebs Publikum vo Stadt und Land: Stehn uff - und drugget ans Härz eieri Hand. Stimmet mit uns Dybli ii, en ainig Volgg vo Basler z sii.)

* + (Schöner Vortrag, fehlt noch etwas Sicherheit.)



Basler Dybli



4. Alti Glaibasler
(Sujet: Elfer. Le 11-ème «catastrophe» oder Mit em Elfer in d Stadt)

* * * (kompaktes Musizieren, hervorragender Auftritt und Vortrag)



Alti Glaibasler



6. Basler Bebbi
(Drummel- und Pfyfferschuel. Sujet: Mir Junge vo de BBB mir leens hitt z Oobe grache mit Drummelschuel und Wettstaimarsch und zaige, wies muesch mache, dass drotz 75, voll derbii, jung stolz kasch Bebbi sii.)

* * * (Toller Vortrag, perfekt getrommelt und gepfiffen!)



Basler-Bebbi-Basel



7. Schnooggekerzli
(Brunnemarsch)

* + (Das Schöne liegt so nahe: Alte und neuzeitliche Märsche… Trotzdem ein guter Vortrag)



Schnooggekerzli



10. Alti Richtig
(Pfyffer-Daagwach)

* (Tambouren sehr unsicher. Einsätze nicht miteinander. Kein Volumen!)



Alti Richtig



12. Rhyschnoogge 75 Joor
(Dr Schnooggestich. Sujet: Wenn s Summer isch, sticht als am Rhy/E Schnooggeschwarm uff d Mentschen yy;/So Schnooggestich dien hailloos steere -/Nur unsre nit: Wirsch s gsee und gheere!)

* + (Sollten besser aufeinander hören. Unsicherheiten im Marsch)



Rhyschnoogge



13. Junteressli
(Dr Rossbolle - Wält-Uur-Ufffiehrig. D Pfyfferstimm het der Michael Robertson gschriiebe und dr Drummeltäggscht stammt uus der Fäädere vom Albi Bachmann)

* * (Warum so gesuchte Kompositionen? Kein «Ohrwurm»!, aber gut getrommelt und gepfiffen)



Junteressli



15. Spezi-Clique 100 Joor
(Sujet: 100er Note. Dr Jubelmarsch fir d Spezi, komponiert vo de Heere Michi Robertson und Urs Eble)

* * (Militärischer Vortrag, statt Musik. Perfekt getrommelt und gepfiffen!)



Spezi



16. Sans-Gêne
(Rossignol. Sujet: «Vo jetzt aa» - hett dr Jögge gsait -/herrscht z Basel «Bolizeystund light!»/Als Nachtveegel bringt is das nit z gruuse,/mir sitze uff unserne Stiehl voruuse.)

* * (Ein schöner älterer Marsch, fein vorgetragen!)



Sans-Gêne



18. Rhygwäggi
(Dr Schryyberling - arrangschiert fir Pfyffer und Schryybmaschinene vom Stephan Schneider)

* * (Tolle Idee…!!)



Rhygwäggi



19. J.B.-Clique Santihans 1920
(Orcheschtervordraag: dr Nätt. s Orcheschter uff dr Wältbühni: Nätti, no Nätteri, Obernätti und Supernätti)

* * (Warum wieder eine Komposition, die nicht ins Ohr geht? Pfeifer und Trommler waren aber überzeugend!)



J.B. Santihans



21. Spale-Clique
(Opus 4051. Komponist: signorino tj Bern; Trommeltext: Fabian Kuhn Spale Basel)

* + (Was soll das? Schade um die vielen Übungsstunden!)



Spale



22. Basler Rolli
(dr Hofnarr vom Michael Robertson)

* * (Tambouren trommeln die Pfeifer kaputt: falsche Aufstellung! Sonst ein überzeugender Vortrag.)



Basler Rolli



24. Gundeli
(Sujet in kyrillischer Schrift und englischer Übersetzung: The Only True and New Swiss Sound - by Donizetti, arrancia di Arturo Paolo)

* * * (Ausgezeichnet! Faden nicht verloren! Super!)



Gundeli



25. Wettstai-Clique zusammen mit den Grachsymphonikern
(Wettstai: Basler Marsch mit eme Schuss… – Grachsmyphoniker: …Bourbon)

* + (Ein Chaos: Beide Klangkörper fanden sich nicht immer! Schlagzeuger überpolterten alles!)



Wettstai-Clique und Grachsymphoniker



27. Glunggi
(Basler Pfyffergruess. Mir griesse - Iir gniesset…/…mit em Pfyffergruess!)

* * (Lustiger Auftritt. Und überzeugend!)



Glunggi



28. Alti Stainlemer
(Daagwach)

* * * (und erst noch sehr speziell!)



Alti Stainlemer



30. Breo-Clique
(BREOLLINI von Nino Rota, arrangiert von Alex Henderson; Trommel-Text von Jean-Claude Gerspacher)

* (Komposition eine Nummer zu gross!)



Breo-Clique



31. Vereinigte Kleinbasler
(Retraite à discrétion. D‘Idee und dr 8-schtimmig Pfyffertäggscht - diable - sin vom Beery Batschelet)

* * * (Tambouren waren in ein/zwei Versen nicht ganz zusammen. Trotzdem sind die einfach Spitze! Eben: uus em Glaibasel!)



VKB




Immerhin sind die drei Sterne für die VKB auch so etwas wie der abschliessende Höhepunkt für das Drummeli 2005 und für unsere Berichterstattung!

Marcel Schaffner, Ueli






Gut gemacht, aber langatmig und vom Stil her etwas deplaziert: «Let's Cats, let's Fetz»-Ramestiggli.



jpl.- Zum Schluss noch dies: Trotz Motz und Kritik, schläggds kai Geiss ewägg, dass das Drummeli ohne den herzblutenden Einsatz der vielen freiwilligen und professionellen Mitarbeiter kaum je das 100ste Jubiläum erlebt hätte. Weil auch das 100ste Drummeli gefällt und geraten ist, sollen die Mitwirkenden hinter der Bühne nun auch einmal namentlich und mit ihrer Funktion genannt werden:

Das Drummeli-Team: Regie: Franz Lindauer; Regieassistenz: Dorsi Wacker; Räämeler: Silvia Adler, Walter Aeppli, Franz Baur, Adelheid Dörflinger; Erika Giger (diese original Basler Wurzel ist einfach stets beeindruckend präsent!), René Quiche, Daniel Schärli und Cornelia Soliva; Musikalische Leitung: Jean Hoffmann; Bühnenbild: Andreas Daniel Vetsch; Kostüme/Design: Lotti Köpf; Bühnenbau und Requisiten: Andres Linsin/Daniel Vetsch; Maske: Diana Fischer; Chef Bühnenpersonal: Hugo Vogt; Chef Saalpersonal: Rolf Hägler; Beleuchtung/Ton: Audio-Rent AG.

Vielen Dank an alle Aggdive und Helfer hinter der Bühne, die das Drummeli 2005 zu einem musikalischen Hochgenuss machten und besonderen Dank an unseren Ueli-Trommelhund und Ordonnanz-Trommler des Militärspiels der Gz Div V, Marcel Schaffner (uss em Glaibasel!).



Und mit diesem Helge-Schlussbild beenden wir vom webjournal.ch den Bericht übers Drummeli 2005 und freuen uns schon jetzt auf die Ausgabe 2006!



N.B. Sollte irgendwo ein Lob unter den Tisch gefallen, oder eine Kritik unbegründet geblieben sein, so entschuldigt sich der Editor von webjournal.ch mit dem traurigen Hinweis darauf, dass er wegen einer Fehlmanipulation fast die Hälfte dieses Artikels nochmals frei aus dem Kopf schreiben musste (vielleicht zur Strafe?).



Nach der Premiere: Die lange Nacht an der Drummeli-Bar

Von Redaktion

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Bericht und Palmarès vom Drummeli 2004

• Die Geschichte über die Herkunft des Waggis

• Fotogalerie rund um die Fasnacht und deren Veranstaltungen im Jahr


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