Artikel vom 06.09.2013

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Elsass/Basel - Allgemeines

Kleinbasler reklamieren wegen Chemie-Gestank

Billige Textilien der Zelte auf dem Sanierungsgelände von Ugine Kuhlmann in Huningue sind offenbar durchlässig

Von Redaktion



Quelle des üblen Gestanks im Kleinbasel: Die Zelte in Huningue (F), wo Novartis Lindan-Abfall ausgräbt. Foto: Dave Joss/martinforter.ch 2013


Gestank aus der industriellen Abwasserstation der ehemalige Ugine Kuhlmann in Huningue belästigt derzeit die Bewohner von Gross- und Kleinhüningen. Das Gelände wird derzeit aufwendig saniert. Die Baustelle ist mit einem grossen weissen Zelt vor den Witterungseinflüssen gesichert. Doch sei die Qualität der Zelttextilien zu billig und daher durchlässig, so dass bei Wind die hochgiftigen Staubpartikel ins Kleinbasel verfrachtet werden, erklärt der Altlastexperte Martin Forter in Basel.

Anwohner erinnert der Gestand an das Herbizid «Lindan», das von der Ugine Kuhlmann bis in die siebziger Jahre im elsässischen Hüningen herstellt wurde. Damals bot die chemische Fabrik immer wieder Anlass zu Klagen über Umweltverschmutzungen, vor allem durch Einträge in den Boden.

Wegen der Giftigkeit der Substanz stehen aufwändige Bodensanierungen bevor, die nach einem jahrelangen zähen Ringen um die Verantwortlichkeiten und Kosten mit den Nachfolgern, u.a. der Novartis, nun im Rahmen der Bauarbeiten am Novartis-Campus am Rheinufer im Gange sind.



Das Ugine-Kuhlmann Gelände in Huningue (F) am 2.11.1972. Die weissen Berge bestehen hochgiftigem Lindan-Abfall. Foto: martinforter.ch


226’000 Kubikmeter Aushub müssen entsorgt werden, wovon 55 Prozent mehr oder weniger durch HCH-Isomeren (alpha und beta-HCH) kontaminiert, also vergiftet sind. Diese stammen aus der Lindan-Produktion.

Zwar bestätigen laut der elsässischen Ageszeitung «L’Alsace» vom Freitag die Verantwortlichen von Novartis und der industriellen Hüninger Abwasserreinigungs-Anlage (Station de traitement des eaux industrielles de Huningue - Steih), «dass sämtliche relevanten Vorsichtsmassnahmen, gestützt auf die Kontrolle der regionalen französischen Umweltbehörde (Direction régionale de l'environnement, de l'aménagement et du logement - Dreal) ergriffen worden seien.

Die Einträge in die Luft würden durch effiziente Massnahmen verhindert, erklärten gemeinsam Novartis und die Behörde. So decken zurzeit enorme Zeltbauten das Sanierungsgelände ab. Es seien zudem erste Messungen vorgenommen worden, die nun durch ein unabhängiges Laboratorium geprüft werden. Aber die Resultate lägen noch nicht vor.

Demgegenüber reklamiert der unabhängige Spezialist für chemische Abfälle, Martin Forter in Basel, dass «zwar die Zelte über der Giftgrube unter Unterdruck stehen, um Gestanks- und Gift-Austritte zu verhindern. Aber bei Wind würden die Wände flattern und die Zelte blähten sich zum Teil auf. Geschehe dies, so stinke es in der Regel im Kleinbasel heftig. Zudem bestehe dann auch das Risiko, dass der Wind hochgiftigen Lindan-Abfall-Staub in den Zelten aufwirbelt und weiträumig in die Gegend geblasen würde.

Anstatt billige Zelte zu verwenden, hätten Gestank und die Gefahr von Giftstaub-Emissionen mit qualitativ teureren Hallen wie bei den abgeschlossenen Sanierungen im jurassischen Bonfol und im aargauischen Kölliken verhindern können, schreibt Forter auch auf seiner mit einem Video dokumentierten Internet-site.

Von Redaktion

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