Artikel vom 20.05.2004

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Elsass - Kultur

Die Iris-Tapeten: 19. Juni 2004 bis 1. Juni 2005

Erstmals in Rixheim zu sehen

Das Musée du Papier Peint (Tapetenmuseum) in Rixheim lädt zu einer besonderen Kostbarkeit der Taptenkunst - VERSION FRANCAISE EN PDF A LA FIN DE CET ARTICLE

Von Redaktion



Iris-Tapete mit Motiv aus der Seidenweberei Manufaktur Moeglin Frères Zimmermann, Rixheim (Elsass), 1827: Geripptes, zusammengesetztes Papier, Satin-Fond, irisierender Model-Druck in vier Farben, Rapport 0,47 x 0,47 m. Aus der Kollektion des Tapeten-Museums Rixheim.

Der Mittelpunkt des Motivs, die Blumen sowie die sie umrankenden Blätter, wurde irisierend gedruckt: die Farben wurden im Farbtopf ineinander verlaufend gemischt und danach der Druckstock eingetaucht. Foto: Tapetenmuseum Rixheim © 2004



RIXHEIM (F). red.- Das dürfte Liebhaber der schönen Künste erfreuen: Bisher gab es noch nie eine Ausstellung über die Iris-Tapeten. Das Rixheimer Tapeten-Museum zeigt erstmals Muster dieser Technik aus dem frühen 19. Jahrhundert, die durch raffinierte Farbmischung eine besondere Tiefenwirkung der Motive erzeugt. Dadurch sind illusionistische Effekte von erstaunlicher «Echtheit» möglich. Die Ausstellung beginnt gemeinsam mit «Mulhouse 004», einer Veranstaltung junger Gestalter aus den europäischen Kunsthochschulen, und gleichzeitig mit «Art Basel 04».

Wäre doch was, so ein Sonntagsausflug mit etwas Speziellem zu verbinden: Eines der kostbarsten Museen in unserer Region ist das Tapetenmuseum von Rixheim, wo seit den Anfängen der Tapeten-Druckkunst im 18. Jahrhundert Hunderttausende von Fabrikationsmustern lagern - lückenlos, notabene. Aus diesem Riesenfundus zeigt das Museum jetzt eine temporäre Ausstellung über die Technik der Iris-Tapeten, die zu nie mehr erreichter Gestaltungskunst in der Tapetenfabrikation führte.

Was sind «Iris-Tapeten»?

Im Jahr 1816 stellt der aus Mulhouse stammende Tapetenhersteller Michael Spoerlin in Wien die ersten Iris-Tapeten her. Kurz danach entstanden in Rixheim bereits die ersten Weiterentwicklungen: ein neues Verfahren, das es erlaubt, die bisher einzeln und nacheinander aufgetragenen Farben zu mischen, und zwar sowohl im Fond wie im Motiv.



Eines der Kabinette mit den berühmten Panorama-Tapeten im Rixheimer Tapetenmuseum. Alles ist Illusion: ganze Kontinente in einem Raum und von verblüffender Tiefenwirkung. Foto: J.-P. Lienhard, basel © 2004

Erst dadurch kamen die berühmten Panorama-Tapeten zu ihren leuchtenden Sonnenaufgängen oder Dämmerungsstimmungen in zarten Schattierungen mit grosser Tiefenwirkung; Seiden-Imitationen wirken ebenso schillernd wie das Original. Erstaunlich jedoch, dass dieser Herstellungsprozess zu Beginn der 1830er Jahre eine eigentliche Verselbständigung erfährt und zu kühnen und höchst einfallsreichen neuen Kreationen führt, bedingt durch vorher nie gekannte technische Möglichkeiten, die die Männer an den Druckmaschinen zu echten Höhenflügen trieb.

Moderne Künstler zeigen, was mit der irisierenden Technik auch heute noch möglich ist

Gleichzeitig mit den irisierenden Tapeten präsentiert das Museum Arbeiten eines modernen Künstlers – einer Künstlergruppe eher – die nach einem ähnlichen Verfahren arbeitet. Diese Ausstellung wurde ermöglicht mit Unterstützung der Drac (Elsass), der Stadt Rixheim sowie der Stadt Mulhouse.



Tapetendrucker an der Arbeit im Rixheimer Tapetenmuseum. Foto: Musée du Papier Peint, Rixheim © 2004

Die erste Transformation, der sich die Tapetenmanufaktur in Rixheim widmete, war 1822: Form und die Farbe des Dessins zu zerlegen und die Wahrnehmung von «auslaufend» oder «verschwimmend» zu ermöglichen - und so eine neue künstlerische Freiheit zu erfinden.


So einfaches Prinzip, dass der Erfinder selbst staunte

Der Erfinder dieser Neuheit war Michael Spoerlin, Schwager von Jean Zuber, der seine Ausbildung in Rixheim erhielt, bevor er seine eigene Firma in Wien gründete. Er schreibt: «diese neue Art von Tapeten, die ich erfunden habe und deren Herstellung ich in der Manufaktur der Herren Jean Zuber & Co in Rixheim mit grossem Erfolg einführte, wurde Iris oder irisierend genannt (...) Das Prinzip meiner Erfindung ist so einfach, dass ich Mühe habe zu glauben, ich sei der erste Hersteller, der diese ausserordentlich glückliche Idee hatte; ich bin mir aber ganz sicher, dass vorher niemand den Mut hatte, die Idee in die Praxis umzusetzen».

Die Erfindung entstand in Rixheim und scheint nicht aus der Erkenntnis des Textildrucks zu stammen; der neue einfache Herstellungsprozess bedingt keine nennenswerte Investition; die Schwierigkeit liegt allein in der Regelmässigkeit des Farbauftrags des Druckers. Tatsächlich trägt er mit einem Model nicht eine einzige Farbe auf wie bisher, sondern einen ganzen Farbfächer.

Verwirrende Effekte möglich

In den Archiven der Manufaktur erscheint diese Neuheit erstmals 1822. Jean Zuber irisiert zunächst die Fonds, indem er eine einzige Farbe degradierend auslaufen lässt, danach mischt er zwei oder drei Farben; etwa ab Ende des Jahres 1822 trägt er irisierende Motive auf den bereits irisierenden Fond auf und kreiert so verblüffende Effekte: zum Dessin gesellt sich das grafische Spiel der Farbverläufe in Form einer Diagonale, eines «V», von Zickzack-Mustern, Kreisen. Diese verwirrenden Formen und Farben vermitteln eine ganze spezielle, unwirkliche Atmosphäre.



Die Deutschritter-Komturei von Rixheim, worin sich das Tapetenmuseum befindet: Eine schöne Anlage und eine interessante Sehenswürdigkeit. Foto: Musée du Papier Peint, Rixheim © 2004

Temporäre Ausstellung in Rixheim: «Die Iris-Tapete» vom 19. Juni 2004 bis zum 1. Juni 2005

M u s é e d u P a p i e r P e i n t
La Commanderie, 28 Rue Zuber
B. P. 41
F – 68171 RIXHEIM CEDEX
Tél. : + 33 (0)3 89 64 24 56
Fax : + 33 (0)3 89 54 33 06

Das Museum ist täglich geöffnet (ausser Dienstag) von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr.

Zurzeit zeigt das Tapetenmuseum ebenfalls eine temporäre Ausstellung bis 1. Oktober 2004 mit Tapetenmustern aus der Periode 1898 bis 2003 - eine interessante Retrospektive zur Entwicklung der Mode der Tapeten bis in die Gegenwart.



Zeitgenössischer Stich der Deutschritter-Komturei von Rixheim, worin sich heute das Tapetendruck-Museum befindet. Illustration: Musée du Papier Peint, Rixheim © 2004

Von Redaktion

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Artikel von J.-P. Lienhard über das Rixheimer Tapetenmuseum

• Lesen Sie die Artikel von J.-P. Lienhard zur Mülhauser Industriegeschichte

• CET ARTICLE EN LANGUE FRANCAISE EN VERSION PDF

• Internetseite des Tapetenmuseums von Rixheim (französich/englisch)


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