Artikel vom 11.11.2010

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Ottokars Cinétips

In Basel im Kino:

Lebend begraben

90 Minuten im Kino im Sarg: Dan Brenner in «Buried»

Von Ottokar Schnepf



In der Enge eines Holzsarges unter der Wüste begraben: Dan Brenner.


Während sich das Kino brüstet, das Unmögliche auf der Leinwand sichtbar zu machen, kommt ein Film, der nur in einem Sarg spielt, einem Tabubruch gleich.

In Tarantinos «Kill Bill» wird Uma Thurman lebend in einem Holzsarg begraben. 1990 vergiftet Jennifer Jason Leigh ihren Filmgatten Tim Matheson in Frank Darabonts «Buried Alive» und begräbt den noch Lebenden in einer billigen Holzkiste. Den gleichen Titel trägt Roger Cormans Schocker aus dem Jahr 1961; Ray Milland spielte einen Kataleptiker, den die Angst, in eine Totenstarre zu verfallen und lebendig begraben zu werden, in den Wahnsinn treibt. Und schon in Carl Theodor Dreyers Klassiker «Vampyr» erlebten 1931 die Zuschauer subjektiv das Begräbnis bei lebendigem Leib des Protagonisten mit.

Lebendig begraben zu werden, diese uralte Angst der Menschen, hat also auch im Kino eine lange Tradition. In der neuesten Version wacht Truckfahrer Paul Conroy in einem Holzsarg unter der Erde auf und hat nur für die Filmdauer von 90 Minuten Luft.

Seine einzige Verbindung mit der Aussenwelt ist ein fremdes Handy mit halbleerem Akku. Und lediglich ein Zippo, das Benzin-Feuerzeug der US-Army, dient ihm als Lichtquelle. Warum der Amerikaner unter dem Wüstensand in Afghanistan begraben liegt, erfahren wir nicht, dafür aber, dass Terroristen im Spiel sind, die Lösegeld in Millionenhöhe verlangen.

Dank dem Handy sollte der unter der Erde stundenlang Telefonierende von den Amerikanern eruiert und befreit werden. Doch die Rechnung geht nicht auf. Langsam aber unvermeidlich sickert der Sand in das hölzerne Grab von Paul Conroy. Der Akku ist leer, der Zippo hat den Geist aufgegeben. Im Saal wird es wieder hell. Wir verlassen gelangweilt und mit Mitleid für Dan Brenner, den einzigen Schauspieler in «Buried», das Kino.

90 Minuten begraben zu sein, ist nicht nur eine Zumutung für einen Schauspieler, sondern auch für den Kinobesucher.

Von Ottokar Schnepf


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