Artikel vom 27.08.2010

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Ottokars Cinétips

Reise in die Vergangenheit

«Mammuth» ist ein skurriler und zugleich berührender Film mit einem etwas anderen Gérard Depardieu

Von Ottokar Schnepf



Der französische Schauspieler als voluminöser Rentner mit Rockermähne unterwegs zu seinen ehemaligen Arbeitgebern.


Der Gelegenheitsarbeiter Serge Pilardosse (Depardieu), seiner massigen Statur wegen Mammut genannt, tritt mit 60 in den Ruhestand. Er arbeitet seit er 16 ist; die letzten Jahre hat er im Schlachthof Tiere zerlegt. Da ihm wichtige Papiere für die Auszahlung seiner Rente fehlen, muss er diese bei seinen früheren Arbeitgebern anfordern. So macht sich Mammut auf seinem alten Motorrad auf die Suche nach seinen ehemaligen Arbeitgebern.

Dieser Trip führt den gutmütigen Riesen zurück in seine Vergangenheit und lässt ihn die traurige Wahrheit spüren, dass er von niemandem jeweils wirklich ernst genommen worden ist. So wird seine Fahrt eine Reise in seine eigene Vergangenheit, und seine Suche nach seinen Lohnabrechnungen wird bald zur Nebensache. Dabei erinnert er sich auch an seine erste Liebe Yasmine (Isabelle Adjani), die ihn im Unterbewusstsein wie ein Engel auf seiner Fahrt begleitet.

Benoit Deléphine und Gustave Kervern, die 2008 schon mit «Louise Hires A Contract Killer» einen Kinohit landeten - mit der grossartigen Yolande Moreau, die als Mammuts Ehefrau wieder mit dabei ist - schrieben und inszenierten auch diesen Film mit anarchistischem Humor und voller Emotionen im Sinne von «Unsere Filme sind poetisch realistisch. Sie sind realistisch, da sie von der realen Welt erzählen. Und sie sind poetisch, denn sie versuchen, ihr zu entkommen. Aber Vorsicht: die Typen, die den Müll einsammeln, sind für uns poetisch.»

Die Story vom Rentner, der seinen Papieren hinterherfahren muss, ist simpel, gewinnt aber durch Depardieu für nahezu volle zwei Stunden unsere Aufmerksamkeit. Daneben ist «Mammuth» auch voller Kritik gegenüber unserer profitorientierten, lieblosen Gesellschaft, die oft von Dummheit regiert wird.

Und anachronistisch ist dieser Film im wahrsten Sinne des Wortes. Selbst die Bilder sind anachronistisch, gedreht mit einer Super-8-Kamera, die heute niemand mehr benutzt. Doch die wackligen Bilder in allzu grellen Farben lassen scheinbar Professionalität vermissen. «Völliger Schwachsinn», kontern die Filmemacher Benoit Deléphine und Gustave Kervern, «wenn ein Film unvollkommen ist, dann gefällt er uns!»

Von Ottokar Schnepf

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Trailer auf arte.tv

• Pressekonferenz auf der Berlinale 2010


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