Artikel vom 02.05.2010

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Elsass - Allgemeines

«Tempis pour eux!»

50 Kilo Gschwellti, 200 Merguez und ein Fass Taboulé zum verschenken: Das traditionelle Geissàfàscht in Biederthal vom 1. Mai 2010 war ein voller Erfolg, aber wegen des störrischen Wetters blieben diese Bio-Fressalien übrig

Von Jürg-Peter Lienhard



Die Geisslein am «Geissàfàscht» waren die «Hauptpersonen», und die Kinder schlossen sie ins Herz. An der Tombola musste man das Gewicht dieses Zickleins erraten, um es zu gewinnen. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2010


«Les absents ont tojours tort» - die Abwesenden haben immer Unrecht. «Tempis pour eux», sagte Agnès Fernex, die «Managerin» («ohni Boni») der Domaine du Geissberg, auf die Frage, ob die Abwesenden denn nicht etwas von der tollen Atmosphäre verpasst haben. Tatsächlich war trotz abwechselnden Schauern die Stimmung «bombig», ausgelassen, kinderfreundlich und auf demselben Niveau, wie alle Gäste: einfach fabelhaft.



Was nicht in den Magen runterrutschte, wird im Kühlraum der Geissenkäserei der Fernexen aufbewahrt und kann von Liebhabern in der nächsten Woche gratis abgeholt werden. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2010

Während man am Geissàfàscht bei den Fernex fast nur Baseldeutsch und häufig Hochdeutsch Sprechen hörte, und sich praktisch alle Besucher als kultivierte und interessierte Persönlichkeiten im Festzelt, in den Ausstellungen und bei den musikalischen und theatralischen Darbietungen bewiesen, war in Basel im Gefolge des 1.-Mai-Feiertags ein «Saubannerzug» unterwegs und verursachte enormen Schaden an Gebäuden und Autos (siehe Aktualität vom 2. Mai 2010 auf webjournal.ch oder Link unten).

Wenn die einen Steine und Molotow-Cocktails werfen, wehren sich die klügeren mit einem Lebenskonzept, das sogar buchstäblich alternativ ist und vor allem nachhaltig, sprich - eben Tun statt nur Absichten verbreiten. Zum guten Gelingen dieses leicht verregneten Geissàfàscht in Biederthal trugen denn vornehmlich Junge und ganz Junge bei, und auch das Publikum war stark von Jugendlichen und sowieso von Kindern durchsetzt.



Prominente Gäste: Marc Grodwohl, Gründer des Ecomusée d'Alsace (rechts) mit Michel Fernex, der ihn 1974 auf die Idee dazu brachte (links) und Béatrice Grodwohl. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2010


Es war eine schöne Sache: Die Fernex und ihr Gesinde haben ganze Arbeit geleistet, und die Organisation unter der Fuchtel von Agnès funktionierte sowieso reibungslos! Eigentlich hätte man meinen können, Sie müsse abends todmüde und gerädert ins Bett gefallen sein. Aber da unterschätzt man die «Beexere» (oberelsässischer Neckname für die Nordelsässerinnen), aber nicht allein wegen ihrer Energie, sondern weil zum krönenden Festabschluss dieses Jahr ein Konzert der Italo-Kleinbasler-Band «Famiglia Rossi» dazugehörte. Dieses Konzert dauerte mit anschliessendem Tanz bis um 2 Uhr in der Frühe… Es war ausverkauft, und die Leute waren begeistert und stachelten die erschöpfte Band schliesslich dazu an, nach den nichtendenwollenden Zugaben ihre Musik wenigstens ab Konserve von ihrer neusten CD abzuspielen - so sautoll war die Stimmung!

Angnès Fernex schätzt übrigens die Gäste auf über 1’000 Personen, und die füllten die beiden Festzelte fast bis zum letzten Platz, wenn sich die Regengüsse mit Pausen abwechselten. Zum Glück dauerten die «nassen Phasen» nur jeweils ein Viertelstündchen und dann gabs meist «Trockenperioden» von glücklicherweise oft mehr als einer halben Stunde, während der Kind und Kegel sich sofort wieder an den tollen Spielgeräten oder im Zirkus oder bei den Geisslein und den Wollschweinen oder im Tokkelzelt-Kasperlitheater verlustierten.

Die Fernex hofften auf ein Einsehen von Petrus, der in den vorangegangenen Jahren das Geissàfàscht nie im Regen stehen liess, weswegen sie vor allem genügend Vorräte für einen eventuellen Ansturm vorbereiteten. Während Grill- und Crèpes-Stand sowie der Flammeküechà-Ofen und die Bio-Stände nie die Geduld der Gäste strapazierten - auch wegen der reibungslosen Organisation - bleibt doch noch ein ganzer Berg unvertilgter Fressalien übrig: 50 Kilo Bio-Gschwellti, 200 Bio-Merguez und ein Fässlein Taboulé, das auch die vielköpfige Familie Fernex während einer Woche nicht vertilgen mag - zumal nicht jeden Tag…

Wer als «Abwesender Unrecht» hatte, dem bleibt nun nur noch das Angebot der Redaktion von webjournal.ch: Wer will kann gratis die erwähnten und überzähligen (gekühlten) Fressalien im Laufe der kommenden Woche bei den Fernex von der Domaine de Geissberg in Biederthal abholen. Allerdings sollte man zuvor sich telefonisch anmelden, zumal um zu fragen, ob nicht gleichwohl schon alles weggeputzt ist: Tel +33 3 89 70 31 28 - und angeben, dass die Information von diesem Artikel auf webjournal.ch stammt! Die Grillsaison hat erst begonnen, und eine Bio-Grumbeere- oder Hàrdepfel-Röschti, wär doch mal was anderes! Bon appetit!



Bitte zugreifen - s hett so langs hett! Aber zuvor anrufen… Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2010

Laden Sie sich weitere Foto-Erinnerungen vom Geissàfàscht via untenstehendem Link im Format PDF herunter. Alle Fotos: J.-P. Lienhard, Basel © 2010

Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Fotos vom Geissàfàscht im Format PDF

• «Saubannerzug» richtete enormen Schaden an


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