Artikel vom 21.04.2010

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Ottokars Cinétips

Kritischer Kriegsfilm

Paul Greengrass' «Green Zone» übersetzt das politische Versagen der USA im Irak in eine packende Actionhandlung mit einem idealisierten Helden

Von Ottokar Schnepf



Matt Damon spielt den Roy Miller, dem im Afghanistankrieg bald klar wird, dass er von seinen Vorgesetzten bis hinauf zu Präsident G.W. Bush verarscht worden ist.


Irak 2003. Die siegreiche amerikanische Armee richtet sich in Bagdad ein. Spezialeinheiten schwärmen aus auf der Suche nach dem Kregsziel: Massenvernichtungswaffen. Chief Roy Miller (Matt Damon) ist einer dieser Soldaten. Er begreift schnell, dass ihm die Vorgesetzten bis hinauf zum Präsidenten einen Bären aufgebunden haben.

Und so macht er sich auf eigene Faust auf die Suche nach der Wahrheit. In der Form eines opulenten Actionkriegsfilms schreibt «Green Zone» tatsächlich die Geschichte neu im Sinne einer verbindlichen Erzählung, die nach den Lügen der Bush-Jahre einen gemeinsamen Nenner bildet.

Doch Regisseur Paul Greengrass möchte in seinem durchaus mutigen Film verschiedene Dinge zugleich machen: Die Heldenlogik des Kriegsfilms nicht aufgeben und zugleich der Politik ihr Recht einräumen.

Die meisten der amerikanischen Filme, die sich bisher auf den Irakkrieg eingelassen haben, haben entweder eine sehr eingeschränkte Perspektive gewählt oder sie haben sich gleich auf die Heimatfront konzentriert.

Greengrass nun versucht mit seinem Film den Blick zu weiten, ohne die klassische Ökonomie des Genres zu sprengen. Die Plünderungen, die abgeschottete Existenz der Amerikaner, die Häuserkämpfe, all das wird in fast schon orientalischer Farbenpracht schwelgende Bilder gebettet, denen auch das raue Element des physischen Überlebenskampfes nicht fehlt.

Wie nebenbei wird auch die Zersetzung der amerikanischen Armee durch die von Bush & Cheney betriebene «Privatisierung» des Krieges deutlich. Denn die Leute, die Roy Miller schliesslich jagen, sind nicht irakische Untergrundkämpfer, sondern amerikanische Verbände in Form von

«Green Zone» - ein Kriegsfilm, auf den sich eine kritische Öffentlichkeit einlassen sollte.

Von Ottokar Schnepf


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