Artikel vom 07.01.2010

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Ottokars Cinétips

Gefühl und Gesellschaft

Sechs Jahre nach ihrem Thriller In the Cut kehrt die Piano-Regisseurin Jane Campion mit einer historischen Romanze ins Kino zurück

Von Ottokar Schnepf



Abbie Cornish als Fanny und Ben Whishaw als John Keats; ihre grosse Liebe ist von kurzer Dauer.


Der Historienfilm ist so etwas wie die hohe Schule des Genrefilmemachens: Nur die allerbesten Regiekräfte bringen es zuwege, über der akribischen Rekonstruktionsarbeit zeitgemässe Kinowirkung nicht ausser Acht zu lassen - wie beispielsweise Kubrick («Barry Lyndon»), Scorcese («Age of Innocence») oder Visconti («Il gattopardo»).

Die neuseeländische Regisseurin Jane Campion - «Sind wir nicht alle ein wenig verblüfft, dass 97 Prozent aller Filme weltweit von Männern gemacht werden?» - erweist sich nun, nach «Portrait of a Lady», erneut als Virtuosin dieser Form. Ihr neuer Film «Bright Star» zeichnet die zarte, leider nur allzu kurze Liebe nach, die sich zwischen dem Dichter John Keats (1795-1821) und seiner jungen Nachbarin Fanny Brawne entwickelt.

Es ist ein ganz auf das exquisite Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller (Abbie Cornish und Ben Whishaw) konzentriertes Melodram, das nicht auf entfesselte Leidenschaft, sondern - sehr im Stil der Zeit - auf äusserste Zurückhaltung und auf den Klang der filigranen Poesie Keats' setzt; ein Film wie ein Gedicht.

Das Spiel des Winds im hohen Gras, das Licht auf den Körpern, die kostbaren Worte Keats', das textile Material: Bei Jane Campion ist alles Konzentration aufs Wesentliche. «Bright Star» beginnt mit der Erstbegegnung der Liebenden und endet mit Keats' Tuberkulosentod.

Die erzählerische Perspektive ist, wie stets bei Campion, strikt weiblich: Dies sei nicht so sehr die Geschichte des Dichters Keats, sondern jene von Fannys Keats, erklärt Campion spitzfindig (jetzt im kult.kino Club).

Von Ottokar Schnepf


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