Artikel vom 12.11.2009

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Ottokars Cinétips

Menstruierender Papst

Was schon mal Esther Villar in «Die amerikanische Päpstin» als geniale Parodie einfiel, verstümpert Regisseur Sönke Wortmann in seinem lächerlichen Historienschinken

Von Ottokar Schnepf



Androgyner Papst, respektive Päpstin im Film «Die Päpstin» erzeugt unbeachsichtigt Lachsalven durch das aufgeklärte Publikum…


Eine eindimensionale Johanna von Ingelheim kämpft sich als Mann durch die Widrigkeiten des Mittelalters, um später den Papstthron zu besteigen: Die Verfilmung des Historienromans «Die Päpstin» ist ein groteskes Debakel.

Es ist eine der absurdesten Legenden der Kirchengeschichte: Eine Frau regiert im Vatikan. Bevor diese Johanna von Ingelheim aber in Rom den Thron besteigen kann, muss sie zunächst noch unter ihrem despotischen Vater aufwachsen; verbotenerweise lesen und schreiben lernen; ihren geliebten Bruder verlieren; an seiner Stelle in der Domschule aufgenommen werden; sich in ihren Gastvater verlieben; von dessen eifersüchtiger Ehefrau fast zwangsverheiratet werden; einem Angriff der Normannen entkommen und schliesslich getarnt als Mönch Johannes in der Kirchenhierarchie aufsteigen.

Nachzulesen ist das alles auf 566 Taschenbuchseiten, die Regisseur Sönke Wortmann ungelenk in 150 Kinominuten einzufangen versuchte. Sein Film, der ein grosser Historienfilm hätte werden können, findet nirgendwo eine filmische Übersetzung des nicht uninteressanten Stoffes, springt stattdessen von Episode zu Episode - der Zuschauer langweilt sich dabei zu Tode.

Eine Lachsalve geht durch die Publikumsreihen, wenn Hollywoodstar John Goodman als Papst Sergius die als tuntigen Mann verkleidete Johanna zu seinem Leibarzt macht, mit den Worten «So einer hat uns noch gefehlt!».

Oder wenn er wie einst Peter Ustinov in seiner Kaiser Nero-Rolle lauthals nach Wein verlangt. Auch wenn Johanna als Mönch Johan plötzlich menstruiert und es ihr als «Papst» ein weiters Mal in der Öffentlichkeit passiert, amüsiert sich der Zuschauer im Kino köstlich ob solch hochinteressanter Regieeinfälle.


Von Ottokar Schnepf


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