Artikel vom 20.10.2009

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Basel - Allgemeines

Anders gelesen…

Ehrgeiz war Absturzursache

Der Flugunfallbericht über den Flugzeugabsturz am 23. Juli 2007 auf den Häuserblock an der Roggenburgstrasse in Basel erkennt Fehler des Piloten und der Aufsicht des Bundes

Von Redaktion



Mitnichten ein «Held»: Der ehrgeizige Absturzpilot Hans-Georg- Schmid und «Swiss»-Vize Paul Kurrus, der ihm eher das Fliegen verboten statt ihm die Hand geschüttelt hätte. Foto Matthieu Hoffstetter, St-Louis © 2009


Das Eigenbau-Flugzeug, das am 23. Juli 2007 in Basel auf das Dach eines Häuserblocks an der Roggenburgstrasse 9–15 stürzte, war überladen, wie aus dem am Dienstag, 20. Oktober 2009, veröffentlichten Bericht des Büros für Flugunfalluntersuchungen (BFU) hervorgeht. Der Pilot habe die Probleme aus Ehrgeiz unterschätzt. Aber auch die Aufsicht des Bundes sei ungenügend gewesen. (webjournal.ch berichtete damals über den Absturz exklusiv - siehe Link am Schluss)



Auch wenn die Schäden am Gebäude auf dem Bild mit Ausnahme der Brandspuren an der Fassade nicht wirklich sichtbar sind, der Wohnblock war während Monaten unbewohnbar. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009

Die hauptsächlichste Unfallursache sei das Übergewicht des Kleinflugszeugs gewesen. Der Pilot Hans-Georg Schmid hatte Zusatztanks angebracht, um seinen Rekordflug ohne Zwischenlandung zum Auftanken durchführen zu können.

Durch das Übergewicht «aufgrund seiner Masse, seiner Schwerpunktlage und der verfügbaren Leistung nach dem Abheben» sei die Maschine «weder in der Lage zu beschleunigen, zu steigen, noch eine Kurve zu fliegen» gewesen, heisst es im BFU-Bericht.

Der Pilot Hans-Georg Schmid sei zwar ein «erfahrener Pilot» gewesen, doch sei er «unter Zeitdruck und Erfolgszwang» gestanden, was «sein Urteilsvermögen beeinträchtigt» habe. Mit anderen Worten: Er war ganz einfach überehrgeizig erfolgsblind…

Ferner liessen die Abnahmeverantwortlichen den Ehrgeizling fahrlässig einfach machen und wursteln, denn das BFU stellte unmissverständlich fest, dass «Begleitung und Aufsicht während des Erprobungs- und Zulassungsprozesses unzureichend» war. Ja, der «Swiss»-Vize und Flughafen-Direktionsmitglied Paul Kurrus verabschiedete den Absturzpiloten vor dem Todesflug mit jovialem Händedruck…

Keine Schuld trifft den Hersteller des Bastel-Flugzeugs, dessen Bausatz laut BFU für ein Höchstgewicht von lediglich 1542 Kilogramm ausgelegt ist. Unter dem technokratischen Begriff «overweight condition» erlaubte das Bundesamt für Zivilluftfahrt eine Abflugmasse von insgesamt 2475 Kilogramm. Der BFU-Bericht hat eine Abflugmasse von 2602 Kilo errechnet…

Beim Absturz kam wie durch ein Wunder allein der Unglückspilot ums Leben. Die Absturzstelle lag kaum 100 Meter vom Felix-Platter-Spitalhochhaus entfernt, und auf dem danebenliegenden Robinson-Spielplatz, wo brennende Kerosen-Zusatztanks das sonst belebte Klettergerüst einäscherten, waren die Ferienkinder von der Aufsicht zufälligerweise gerade im weiter entfernten Spielplatzgebäude versammelt worden.

Hingegen konnten die Bewohner der drei Häuser Roggenburgstrasse 9 bis 15 wegen der Brand- und Löschschäden während Monaten der Renvoation ihre Wohnungen nicht mehr benutzen und mussten in der ganzen Stadt verteilt provisorische Unterkünfte beziehen. Bei den meisten Bewohnern handelte es sich um ältere langjährige Mieter, denen der Absturz und seine Folgen schwer zu schaffen machte.



Der Schutzengel für gut 19 Ferienkinder wachte aufmerksam: Auf dem verkohlten Klettergrüst im Hintergrund hätten sie herumgeturnt, wenn sie nicht kurz vor dem Absturz zufälligerweise von ihren Betreuern im Aufenthaltshaus versammelt worden wären. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009


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Von Redaktion

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• Die Absturz-Berichterstattung vom 23. Juli 2007


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