Artikel vom 19.10.2009

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Basel - Kultur

Mit Reaktion des Comité-Obmanns

Fasnachts-Comité erstmals seit 100 Jahren auf Betteltour

Es hat Aussergewöhnliches zum 100-Jahr-Jubiläum in Auftrag gegeben

Von Redaktion



Jubiläums-Pressekonferenz des Fasnachts-Comités im Tinguely-Museum. Sinnigerweise unter dem Mobile mit dem Namen «Der grosse Hannibal». Allerdings könnte es auch anders heissen, aber Hannibal wird möglicherweise ein Sujet der Fasnacht 2010 werden, auch wenn ein gewisser Herr Merz dann nicht mehr Bundespräsident ist. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009


Vor 100 Jahren ist am 1. Januar 1910 das Basler Fasnachts-Comité gegründet worden, um all die Aufgaben zu bewältigen, die der gegenwärtige Obmaa Felix Rudolf von Rohr als «Dienstleistung an der Fasnacht» bezeichnete, als er am Freitag, 16. Oktober 2009, im Tinguely-Museum die «Jubiläumsgeschenke» präsentierte.

Die Fasnacht 2010 beginnt am 22. Februar mit dem Morgenstreich um 4 Uhr, dauert drei Tage und «feiert» sich wie jedes Jahr stets selbst. Das Comité als «Dienstleistungs-Unternehmen» jedoch gibt es erst seit 100 Jahren. Auch das feiert sich selbst - aber erst nach der Fasnacht, wenn es seinen Dienst an der Fasnacht geleistet hat. Höhepunkt ist ein Musikwerk von George Gruntz, das zusammen mit einer Ballettchoreographie «Milky Way» von Richard Wherlock uraufgeführt und als Produktion mit dem Basler Symphonie-Orchester im Saison-Plan 2010 des Theater Basel aufgenommen werden soll.

Eine weitere Rosine hat die Schweizerische Post in den Geburtstags-Gugelhopf des Comités gesteckt: Ein Satz von drei Briefmarken zu je 1 Franken, der am 12. Januar 2010 in den Verkauf gelangt. Die noch streng geheimen Sujets sollen aber am 29. Dezember 2009 an der Blaggedde-Vernissage «enthüllt» werden. Obama, pardon, Obmaa Rudolf von Rohr verriet immerhin, dass die fasnächtlichen Sujets etwas mit dem Münster, dem Rathaus und dem Spalentor zu tun haben.

Fasnachts-«übergreifend» gibt es vom 2. Februar bis 16. Mai 2010 im Tinguely-Museum eine Sonderausstellung zum Thema «Fasnacht & Kunst & Tinguely». Wie Tinguely selber ein Fasnächtler mit Leib und Seele war, auch wenn er als Mitglied der «Kuttlebutzer» dem Comité in eigentlicher Hassliebe begegnete, so ist der Anteil der Kunst an der Fasnacht durch die vielen mitgestaltenden berühmten Künstler sehr hoch, nebst dem, dass die Fasnacht selber sehr häufig Themen der Kunst zum Sujet nahm.

Ein besonderer Höhepunkt der Vorfasnacht wird zweifellos ein Schulfasnachts-Umzug sein, der ausnahmsweise am Donnerstag, 11. Februar, von allen Schulen und Kindergärten gemeinsam bestritten wird. Bislang haben sich schon über 4223 Kinder aus Kindergärten und Primarschule mit 339 Begleitern sowie 26 Cliquen und 15 Jungen Garden gemeldet, und es werden täglich mehr. Dieser vorfasnächtliche Umzug, «der nichts kostets», so Obama, wird vom Erziehungsdepartement begrüsst. Die Route geht vom Münsterplatz über die Mittlere Brücke zum Theodors-Kirchplatz.

Schliesslich soll im November 2009 im Christoph-Merian-Verlag ein «Publikationsset» (diese Bezeichnung ist erst provisorisch) herauskommen. Es umfasst ein Buch über die Fasnacht mit Fasnachtsgeschichten und -Geschichte sowie einer CD und einer DVD mit Audio- und Video-Elementen. Alle drei Medien sollen in einem durchsichtigen Ständer verpackt sein, so dass sie als Geschenk oder im Büchergestell schön repräsentieren.



Der transparente Aussteller der Medienbox mit Buch, CD und DVD sowie einer Hampfle Räppli.


Neben diesen fünf zentralen Jubiläumsprojekten sind noch weitere Aktvititäten zum Anlass des Comité-Geburtstages geplant oder in Vorbereitung. Darüber soll weiter informiert werden, sobald die Zeit reif ist.

Die Jubiläumsgeschenke würden indessen die finanziellen Möglichkeiten des Comités bei weitem übersteigen. So sähe sich das Comité zum ersten mal in seiner 100-jährigen Geschichte dazu gezwungen, auf Betteltour zu gehen. Denn die regulären Einkünfte aus dem Plakettenverkauf dienten seit seiner Gründung zur Ausschüttung von Subventionen an die Cliquen und dürfen daher nicht zweckentfremdet werden.

Obwohl die Fasnacht dem Gewerbe der Stadt, dem Tourismus, dem Ansehen des Wirtschaftsstandortes viel bringe, gestalte sich die Mittelbeschaffung unerwartet schwierig, sagte Obmann Rudolf von Rohr. (Wir raten ihm, doch mal bei Herrn Marcel Ospel kräftig anzuklopfen - schliesslich profitierte der nicht nur mit vollen Händen von Basel, sondern ist ja auch aktiver Fasnächtler. Und auch Daniel Vasella sollte seinen Integrationswillen besser zum Ausdruck bringen…) Zu dieser Bemerkung hat Comité-Obmann einen präzisierenden Kommentar an webjournal.ch zugemailt (siehe unten).

Die Basler wissen es, und die Nichtbasler müssen es hier zur Kenntnis nehmen: Die Basler Fasnacht ist ein Ereignis, das Comité-Obmaa Rudolf von Rohr als «Naturereignis» bezeichnet, in Tat und Wahrheit aber drei Tage Chaos bedeuten, an denen in Basel nichts, aber rein gar nichts so ist, wie es durchs Jahr gewöhnlich ist… Es handle sich um ältestes Brauchtum, das sich heute aber als Volksbrauch «ungebremst» weiterentwickelt, sagte der Obmann des Comités.

Die Basler Fasnacht ist natürlich ein paar Jahrhunderte älter als das Comité, sogar älter als die «böse Fasnacht» von 1376, die schriftlich gut belegt ist, aber Berichte von noch früher sind durch das grosse Erdbeben vom 18. Oktober 1356 zerstört worden.

In Basel nehme die Fasnacht die Rolle des Hofnarren an, der der Gesellschaft den Spiegel vorhalten darf und auch muss. Ihr komme auch ein sozialer Wert zu, zumal Zugezogene aus anderen Landesteilen erst durch sie Zugang zur lokalen Gesellschaft erhalten und die Fasnacht daher eben integrativ wirke. Die Fasnacht belebt den Dialekt, indem sie ihn mit ihren Versen auf geistreiche Weise lebendig hält. Sie fördert auch die Musikkultur, was daran zu messen ist, dass rund 10’000 Leute sich mit Trommeln und Pfeifen beschäftigen - meist das ganze Jahr über.

Die Fasnacht hat zudem eine grosse Bedeutung für die Jugendfreizeit, weil die Cliquen-Vereine nebst den Übungen auch sonstige Veranstaltungen während des Jahres durchführen. Nicht zu unterschätzen sei schliesslich die ehrenamtliche Arbeit erwachsener Betreuer und Instrumenten-Instruktoren, was gemäss einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz rund 60 Vollzeitstellen entspreche. Schliesslich ist auch die wirtschaftliche Seite nicht zu unterschätzen, indem die Fasnacht nebst dem, dass sie Umsatz für das Hotel- und Gastgewerbe generiert, vor allem touristisch und imagefördernd in die Welt hinausstrahlt.

Präzisierende Bemerkung von Comité-Obmaa Felix Rudolf von Rohr

«Zu Ospel und Vasella noch eine Bemerkung.

Ospel will ich fairerweise zugute halten, dass er sich zu seiner Zeit tatsächlich schon ganz konkret für die Fasnacht eingesetzt hat: Vielleicht kennen Sie die Broschüre "Fasnacht in Basel - eine Gebrauchsanleitung", welche 2003 mit Textbeiträgen von Corina Christen und mir, reich bebildert, in Deutsch, Französisch und Englisch herausgegeben wurde. Die Publikation (die Reserven sind mittlerweile leider praktisch erschöpft) war nicht für den Verkauf bestimmt, sondern kostenlos bei der UBS und beim Comité erhältlich. Das war eine Idee von Ospel und hat ihn resp. die UBS rund 100'000 Franken gekostet.

Vasella hingegen weiss wohl nicht vom Jubiläum. Die zuständigen Stellen bei der Novartis hingegen haben mir auf meine Bitte um ein Gespräch bereits am 25. Mai 2009 eine Standard-Absage mit dem folgenden Wortlaut geschickt:

"Obwohl wir für Ihr Anliegen Verständnis haben, können wir leider nicht in gewünschter Weise darauf eintreten. Wie Sie sicher verstehen werden, sind die uns für Sponsoring- und Vergabungszwecke zur Verfügung stehenden Mittel nicht unbeschränkt. Da wir uns für die nächsten zwei Jahre bereits mit signifikanten Beiträgen für kulturelle Projekte verpflichtet haben, müssen wir von weiteren Beitragsleistungen in diesem Bereich absehen."

Soviel ist die Fasnacht wert…»


red.- Zu Letzterem gibts nichts beizufügen - die Zeilen sprechen für sich (oder gegen Vasella…).


Von Redaktion

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Homepage des Fasnachts-Comités


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