Artikel vom 06.08.2009

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Ottokars Cinétips

Chabrol bleibt Chabrol

Ein Leckerbissen für Kenner des französischen Kinos müsste eigentlich Publikumsmagnet sein: «Bellamy» mit Gérard Depardieu als Commissaire Bellamy jetzt im Kino Movie in Basel

Von Ottokar Schnepf



Dem Tod begegnet Claude Chabrol gerne heiter. Am Friedhof von Sète lässt er zu Beginn seines jüngsten Films jemanden eine fröhliche Melodie von Georges Brassens pfeifen, während sein Blick am Grab des Sängers vorbei auf ein ausgebranntes Auto und eine verkohlte Leiche schweift. Foto: Inspektor Paul Bellamy (Gérard Depardieu) ist immer noch verliebt in seine Frau Françoise (Marie Buñel). 


Die wirklich tollen Filme des kult.kino-Programms wandern nach kurzer «Probezeit» im Atelier-Kino und schwachen Besucherzahlen ab ins Kino Movie. So ist es jetzt auch «Bellamy» ergangen, dem ersten Film von Regie-Altmeister Chabrol mit Frankreichs Alt-Star Gérard Depardieu. Eigentlich müsste allein schon dieses Star-Gespann die Kino-Kasse klingeln lassen. Aber das Gegenteil ist der Fall - offenbar fragt sich das ausbleibende Publikum: Chabrol, Depardieu, wer sind die?

Doch Chabrol lässt das kalt. Er inszeniert als bald Achtzigjähriger inzwischen Filme so wie andere Zigarren rauchen oder an einem Glas Wein sich erfreuen. Der Nouvelle-Vague-Regiesseur macht am laufenden Band Filme, die als Chabrol-Filme zu erkennen sind: Chabrol bleibt Chabrol. Das können nur noch wenige Filmemacher von sich behaupten.

«Bellamy», Paul Bellamy, heisst in seinem neuesten Oeuvre der von Gérard Depardieu verkörprerte alternde Polizist, der, wie Chabrol, niemandem mehr etwas beweisen muss. Aus Neugier und Rastlosigkeit nimmt Bellamy während seiner Ferien in Südfrankreich eine Recherche auf: Ein Fremder kontaktiert ihn, der behauptet am Tod eines Obdachlosen beteiligt, aber kein Mörder zu sein, obwohl alles gegen ihn spreche.

Chabrol konzentriert sich vor allem auf seinen «Helden» - den Depardieu mit Walross-Statur und ungebrochenem Charme grandios abgibt - und verzahnt dessen familiäre und berufliche Angelegenheiten mit den Untergangszyklen der Weltwirtschaft.

Am Ende, wenn sich der Kreis mit einem zweiten Todesfall an der provenzialischen Küste schliesst, zitiert Chabrol den englischen Dichter Wystan Hugh Auden quasi als Programm: «Es gibt hinter der Geschichte immer noch eine Geschichte. Das ist mehr, als das Auge sieht.»

Wie gesagt, Chabrol bleibt Chabrol.




Regisseur Claude Chabrol ist im Alter etwas milder geworden, aber immer noch präzise geblieben.

Von Ottokar Schnepf

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