Artikel vom 16.04.2009

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Basel - Allgemeines

Vandalen wüteten im Naturschutzgebiet

Unbekannte Täter richteten Schaden am Geologischen Denkmal Läuberen bei der Ziegelei in Allschwil an

Von Jürg-Peter Lienhard



Umgerissene Zäune gefährden Kinder und Spaziergänger. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009


Es gibt keine Verbotsschilder, die eine Trotzreaktion unerzogener Lumpen provozieren könnte. Lediglich ein hölzerner Hag war am oberen Grubenrand angebracht - zur Sicherheit für Schüler und Naturkunde-Interessierter sowie der vielen sonntäglichen Spaziergänger. Nun ist der Hag aus dem Boden gerissen und den steilen Abhang in den Amphibien-Tümpel geworfen worden. Grosse Erdbrocken sind zudem aus dem Lehm gewuchtet und den Hang hinuntergerollt worden. Der Schaden an Material ist nicht bedeutend, aber das Unverständnis und die Aggression, mit der an diesem Naturdenkmal gewütet wurde, sind bemerkenswert.



Wie haben die Vandalen das geschafft: Erdbrocken von Mannshöhe aus der Verankerung zu reissen und auf den Tümpelboden schmettern zu lassen… Unter dem oberen Grubendrand sieht man eine Linie - das ist der schmale Saumpfad, der mit einem Zaun geschützt war. Nicht mehr gut sichtbar bei dieser Verkleinerung ist ein Teil der umgerissenen Brüstung. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009

Die Anhöhen südlich von Allschwil sind unter dem Flurnamen Läuberen bekannt. Während Generationen wurde an den nördlichen Abhängen der Läuberen Lehm als wichtiger Rohstoff für die Ziegel- und Backsteinherstellung gewonnen. Nach der Stilllegung der Ziegeleien im Jahr 1975 wurde der Teilzonenplan "Siedlung Ziegeleien" erarbeitet, der am 1. Dezember 1985 von der Allschwiler Stimmbevölkerung gutgeheissen und vom Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft genehmigt wurde.

Knapp ein Drittel der zur Disposition stehenden Arealfläche des Teilzonenplanes konnte für Wald, Natur- und Erholungszonen sowie für eine Naturschutzzone gewonnen werden, wobei grosse Anstrengungen zur Erhaltung der Amphibien innerhalb des gemeindeeigenen Areals, im Speziellen beim «Geologischen Denkmal» unternommen wurden.

Das «Geologische Denkmal» am südwestlich gelegenen ehemaligen Grubenrand zeigt die ursprünglichen Gesteinsschichten der Läuberen. Deshalb stand auch die Erhaltung des Geologischen Profils als Anschauungsobjekt für Schulen und Forscher im Vordergrund. Zusammen mit einem vorgelagerten Tümpelbiotop bietet es ideale Lebensbedingungen für die heimischen Unken, Kreuzkröten und weiteren Amphibien. Solche Landschaftsverhältnisse waren früher typisch entlang von Flussläufen und insbesondere bei deren Krümmungen.

Dank grossem Einsatz von Naturforschern, der Gemeinde und der Universität kann, oder besser gesagt «konnte» von einem Saumpfad aus das Naturschauspiel beim Geologischen Denkmal beobachtet werden.

Jetzt begibt sich in Lebensgefahr, wer das Naturwunder aufsuchen will, denn der Grubenrand ist nicht mehr mit einem Zaun geschützt und fällt steil ab - mindestens 20 Meter tief.




«Natur und Mensch - Fairplay in der Natur», heisst es auf der einzigen Erklärungstafel am Nordrand der Lehmgrube: «Geniessen Sie Ihre Erholung und beachten Sie dabei die Spielregeln.» Ja, die Spielregeln lauten heute: sinnlos zerstören, was andere der Allgemeinheit geschenkt haben… Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009




Respekt vor gar nichst - was sind das wohl für Menschen, was geht in denen vor? Ausgerissene Hinweistafel «Naturschutzgebiet». Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009




Es brauchte doch einiges an Kraft, um einen festgerammten Pfahl eines Geländers ausreissen zu können. Diese Kraft könnte man im Arbeitslager für Volliditon gut gebrauchen - täglich mindestens 15 Stunden… Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009




Beispiel dafür, wie Insekten wohnen. Insekten sind nötig, weil sie Blüten bestäuben helfen, aus denen Früchte werden, womit wir uns ernähren. Bienenhäuser anzünden ist daher ein Verbrechen an der Menschheit! Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009




Wie imposant doch dieser Schnitt durch die Erde ist, und was man dabei alles entdecken kann! Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009




Traurige Überreste des Schutzzauns. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009




Das gelang den Vandalen denn doch nicht ganz - den Zaun vollständig auszureissen. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009

Von Jürg-Peter Lienhard


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