Artikel vom 19.03.2009

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Basel - Allgemeines

Alice Finsterbach gestorben

Die frühere Inhaberin der Spenglerei W. & A. Finsterbach AG war eine Kultur-Mäzenin

Von Jürg-Peter Lienhard



Alice Finsterbach an ihrem 90. Geburtstag in bester Laune. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2009


Am 10. März 2009, feierte Alice Finsterbach in fröhlicher Runde ihren 90. Geburtstag. Acht Tage darauf, am Mittwoch, 18. März 2009, verschied sie sanft und völlig unspektakulär in Anwesenheit ihrer Haushälterin in ihrem Haus in der Santihans. Die Beerdigung ist am Dienstag, 24. März 2009, 14.45 Uhr, Kapelle 2, auf dem Basler Friedhof «am Hörnli» in Riehen. Ihrem letzten Wunsch gemäss sollen statt Blumen, der Basler Zolli und die Ita-Wegmann-Klinik in Arlesheim mit einer Spende bedacht werden.

Alice Finsterbach legte Zeit ihres Lebens Wert darauf, als «Fräulein Finsterbach» angesprochen zu werden. Sie war eine Geschäftsfrau, die zusammen mit Ihrem ebenfalls hoch betagt verstorbenen Bruder Walter, die Spenglerei W. & A. Finsterbach AG, als kaufmännische Direktorin leitete. Die Firma ging aus einem Familienbetrieb hervor, der zeitweise über 150 Mitarbeiter beschäftigte, die meist im Sanitärbereich in der damaligen Sandoz arbeiteten, aber auch in den technischen Büros am Firmensitz an der Sankt-Johanns-Vorstadt 25.

An dieser Adresse bewohnte Alice Finsterbach, über lange Jahre zusammen mit ihrer betagten Mutter, das Vorderhaus - ein stets sehr schön unterhaltenes mittelalterliches Bürgerhaus.

An ihrem 90. Geburtstag, am 10. März 2009, lud sie zu grosser Gesellschaft, vor allem ihre ebenfalls betagten Nachbarinnen und alten Freundinnen sowie frühere und gegenwärtige Begleiter. Bei diesem Anlass war sie sehr gut gelaunt, richtig aufgestellt, und hätte man nicht um die hohe Ziffer des Geburtstages gewusst, so hätte man durchaus ihr Alter unterschätzt.

Sie war körperlich eine grosse Person, was ihr im hohen Alter Beschwerden, vor allem in den Knien brachte. Aber im Haus gab es keinen Lift, und sie bestand darauf, im obersten, zweiten Stock, wohnen zu bleiben. Mit ihrer Haushalthilfe, zuletzt Frau Pfändler, unternahm sie aber immer wieder gerne Ausflüge in ihrem grossen Mercedes oder machte gerne mal Kommissionen in der Umgebung.

Die Santihans zwischen Totentanz und Johanniterbrücke hat als historische Vorstadt kaum bauliche Substanz eingebüsst, und deren Bewohner gelten als Alteingesessen. Die Familien Finsterbach waren echte Santihanslemer; ihr Dialekt war altes Baseldütsch, aber nicht Daig, denn in Basel sprachen, respektive sprechen nur die hugenottenstämmigen Bewohner der Dalben diese spitze Dialektform.

Dass Alice Finsterbach so grosse Freude geniessen konnte, ein friedliches und fröhliches Geburtstagsfest zu erleben, ist für die Teilnehmer doch trotz grosser Trauer auch ein gewisser Trost. Und das Wichtigste für alle ihre Geburtstagsgäste und Hinterbliebenen: Wir durften sie in bester Laune erleben und können daher ein überaus liebenswürdiges letztes Bild von ihr in Erinnerung behalten.

Als ihr früherer Begleiter zu grossen Konzertreihen in Basel und am Lucerne-Festival durfte ich dank ihr Herbert Karajan und Christoph Eschenbach kennenlernen, was mir später auch die Begegnung mit Paul Sacher und Pierre Boulez sowie den Stipendiaten der Paul-Sacher-Stiftung ermöglichte. Dies hat meinen musikalischen Horizont ungemein erweitert sowie Begegnungen mit interessanten Menschen aus der Musikwissenschaft erlaubt, die teils auch Freunde geworden sind. Dafür bin ich Alice Finsterbach unendlich dankbar. Sie wusste es.


Beerdigungsfeier

Dienstag, 24. März 2009, 14.45 Uhr, Kapelle 2,
auf dem Basler Friedhof «am Hörnli» in Riehen.

Ihrem letzten Wunsch gemäss sollen statt Blumen, der Basler Zolli und die Ita-Wegmann-Klinik in Arlesheim mit einer Spende bedacht werden.


Die Fotos vom 90. Geburtstagsfest

Alle Fotos: J.-P. Lienhard, Basel © 2009




In diesem Sessel hörte sie sich ihre Lieblingsmusik am liebsten an: Béla Bartók, interpretiert von Clara Haskil.




Die Gäste versammeln sich im Salon - Alice Finsterbach sitzend rechts vorne.




Die Jubilarin, umgeben von ihren Nachbarinnen (ebenfalls alte Santihanslerinnen) und Freundinnen an der festlichen Tafel (in der hinteren Reihe in der Mitte).




Und noch ein Bild von der Tafel.




Klar, zu einem 90. gehört Champagner und das gemeinsam gesungene «Happy Birthday liebi Alice»…




Der Protégé und die Mäzenin im und vor dem Spiegel: Aadié Alice!




Von Jürg-Peter Lienhard


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