Artikel vom 24.01.2009

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Basel - Allgemeines

Wieder richtige Mordnacht!

Reumütig ist die farbentragende Studentenverbindung Zofingia von den Ballonen wieder auf das traditionelle rotweisse Plakätchen mit dem maskierten Baslerstab zurückgekommen

Von Redaktion



Statt Ballone machen wieder die traditionellen rotweissen Plakätchen in der Stadt auf den beginnenden Vorverkauf für das Zofinger-«Conzaertli» aufmerksam. Bild: Titelbild des Programms 2009


Wenn die rotweissen Plakätchen mit dem maskierten Baslerstab hoch an den Fassaden der Basler Innenstadt kleben, hat sich wieder einmal eine «Mordnacht» ereignet. Dann wissen die Eingeweihten, dass die Fasnacht nicht mehr weit weg ist, dass die älteste Vorfasnachts-Veranstaltung Basels vor der Türe steht: In genau zwei Wochen, nämlich am Donnerstag, 12. Februar, startet das traditionelle «Zofinger-Conzaertli» und dauert bis Samstag, 14. Februar 2009.

Auch dieses Jahr wurden in der «Mordnacht» vom Freitag, 23., auf Samstag, 24. Januar 2009, wieder Plakätchen geklebt, nachdem letztes Jahr aufgrund von Reklamationen versucht worden war, statt Papier an die Fassaden zu kleistern, rotweisse Luftballone daran festzubinden - um auf den beginnenden Vorverkauf für das «Conzaertli» aufmerksam zu machen: Bei «Spinnler–Schweizer» dem Uhrengeschäft am Marktplatz 11.

An einer kurzen Pressorientierung am Vormittag der «Mordnacht» im «Haus zum Breo» am Nadelberg, dem Verbindungs-Haus der Zofingia, lüftete «Concaertli»-Präsident Valentin Manetsch das Geheimnis um die drei «Leichen», die «drey Lyyche», die von der studentischen Satire dieses Jahr aufs Korn genommen werden sollen: Die «dramatis personae» sind Moderator René Häfliger, alt Bundesrat Samuel Schmid und Francine Jordi, Folkloresängerin.

Die farbentragende Studentenverbindung Zofingia ist die zweitälteste der Schweiz und wurde nach den Revolutionskriegen 1819 in Zofingen im ehemaligen Untertanenland Aargau gegründet, woher sie eben den Namen hat. Schon 1821 folgte die Gründung der Basler Sektion, die heute 26 Aktive in zwei Lokalsektionen an der Uni und in den Gymnasien zählt. Schweizweit sind es 400 Aktive und 3000 Altherren in 13 Sektionen mit Herkunft aus fast allen Universitäten des Landes.

Ihr Wahlspruch lautet lateinisch, obwohl die wenigsten der Studenten (auch ausserhalb der Verbindung) heute noch Latein lernen: «Patria, Amicitiae, Litteris», also etwa «Vaterland, Freundschaft und (Schrift-)Gelehrtheit». In diesem Sinne veranstaltet der Verein nebst bösen Bierzeremonien - das Verbindungshaus heisst «Breo», was «Brauerei» bedeutet - auch politische oder wissenschaftliche Vorträge. Momentan gehören die 26 Basler Mitglieder allen Fakultäten an; allerdings ist im gegenwärtigen Jahrgang zufälligerweise kein Theologe dabei.

Das «Conzaertli» in Basel wurde erstmals 1889 veranstaltet - als eigentliches Konzert -, und wurde mit der Zeit von studentischem Ulk umrahmt, bis es seine heutige Form der Vorfasnachts-Veranstaltung annahm. Immerhin hat sich das «Conzert» erhalten; dieses Jahr wird es als Klavierkonzert von einem Altherren namens Christian Brunner (vulgo «Q-Dur») mit je einer Etüde und Polonaise von Chopin bestritten.

Die diesjährige Version wäre die 121. Ausgabe, aber weil im Zweiten Weltkrieg eine ausfallen musste, ist es die 120. Traditionell ist das «Conzaertli» vierzehn Tage vor der Fasnacht angesetzt. Dieses Jahr ist Premiere am Donnerstag, 12., und Dernière am Samstag, 14. Februar 2009. Es beginnt um 20 Uhr und findet im Festsaal des Stadt-Casinos statt.



Wie wird wohl der Jahrgang 2009? Der letzte sei schon «unübertrefflich» gewesen, erzählen Insider… Foto zVg Zofingia © 2008


Das Zofinger-«Conzaertli» ist Laientheater. Die Altherren unterstützen die aktiven Mitwirkenden bei der Ausarbeitung der Sketches stets tatkräftig. Die Hauptarbeit, das heisst die Texte und die Darstellung, wird aus Aktualitätsgründen erst in den zwei Wochen vor der Premiere geleistet. Mit der Semesterumstellung werden die Mitwirkenden neuerdings hart gefordert, da die Vorbereitungszeit und das «Conzaertli» mitten in die Prüfungszeit fällt. Trotz jahrhundertelanger Tradition sei es «wie immer unklar, ob es ein „Conzaertli“ geben wird», heisst es im Pressedossier…

Aber klar, wird es 2009 ein «Conzaertli» geben; das Programmheft (gleichzeitig auch Eintrittsbillett) ist bereits gedruckt, und der Vorverkauf seit der «Mordnacht» angelaufen. Wie immer muss man sich sputen, will man eines der Billette ergattern.

Das Programm - so viel ist immerhin bekannt - umfasst denn nebst dem «Conzaertlicantus», Prolog und «Conzert», die «Stiggli» - 1. Teil: «Programmwechsel in der Chefetage», 2. Teil: «Auf „Tag und Nacht“ folgt „Rothorn, Lügengipfel und Jungfrau“» und wird traditionell von einem Glygge-Aufgtritt, dieses Jahr die «Lälli», umrahmt sowie von «La Blanche» abgeschlossen (weiss allerdings nicht mehr, was damit gemeint ist).



Der Conzaertli-Chor beim Absingen des «Conzaertlicantus» - wie immer opernreif. Foto zVg Zofingiea © 2008


Information

Zofinger-«Conzaertli» vom Donnerstag, 12., Freitag, 13., und Samstag, 14. Februar 2009;

jeweils um 20 Uhr im Stadt-Casino Basel (grosser Festsaal, Eingang Steinenberg). Preis pro Nase: 25 Franken

Vorverkauf: Chronometrie Spinnler-Schweizer, Am Marktplatz 11, Basel




Das ist ungünstig für den Ruf der betreffenden Basler Medien: Die Batterie leergetrunkener Weissweingläser (10.45 Uhr) an der Bar im Breo-Haus der Zofingia…




Kurz und schnurz die Pressekonferenz über das diesjährige Zofinger-Concaertli - das Wichtigste wird man naturgemäss erst am Conzaertli erfahren…




Nein, das ist es nicht (mehr), das ominöse Schild über dem Haupt des Conzaertliregissseurs Joel Eschmann - wenn mich nicht alles täuscht, ein Aargauer (aber ein sympathischer). Alle drei obigen Fotos: J.-P. Lienhard, Basel © 2009



Von Redaktion

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