Artikel vom 09.10.2008

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Basel - Allgemeines

Avec communiqué de presse en français

Der Lachs kommt - der Auerhahn geht

Der am 5. Oktober 2008 in Basel gefangene 90 Zentimeter lange Atlantik-Fisch stammt eindeutig aus der Zucht der «Petite Camargue Alsacienne»

Von Jürg-Peter Lienhard



Hier wurde Fräulein Saumon geboren, dem ersten Lachs seit 50 Jahren: In der modernen Fischzucht der historischen Fischzuchtanstalt «Pisciculture de Huningue» im Naturschutz-Reservat der «Petite Camargue Alsacienne». Foto: zVg pca © 2008


Rund zehn Millionen Franken kostete die komplette Erneuerung der Baulichkeiten des Naturschutzreservates und der historischen Fischzuchtanstalt in der «Petite Camargue Alsacienne». Und am 5. Oktober 2008 hat unterhalb der Schwarzwaldbrücke der Hobbyfischer Thomas Wanner gewissermassen die «Früchte» der langjährigen Bemühungen um die Wiederansiedlung des Lachses am Oberrhein an der Angelrute aus dem nunmehr sauberen Rhein gefischt.



Dass der Lachs ein Weibchen ist, erkennt der Fischerexperte an der Unterlippe: Ein Männchen hat einen «Laichhaken» - eine hakenförmige Unterlippe. Aus gesetzlichen Gründen musste der Fisch nach dieser Aufnahme wieder den Fluten übergeben werden. Foto: Olivier Schmidt, Basel © 2008, zVg

Der Zulauf zur Pressekonferenz am Mittwoch, 8. Oktober 2008, geheimnisvoll und kurzfristig zwei Tage zuvor einberufen vom Polizeidepartement Basel, war enorm und stellte zahlenmässig beinahe die alljährliche Riesen-Pressekonferenz des Fasnachts-Comités in den Schatten. Denn die badische Presse, Fernsehen und Radio war auch vollzählig erschienen. Nur die elsässischen Medien glänzten mit Abwesenheit…



Gespannt lauschen die regionalen Medienvertreter vor den Ausstellungs-Vitrinen «Lachs in Basel» den Ausführungen Christian Meyers, dem Direktor des Naturhistorischen Museums Basel, zum Sensations-Fang (auf der Foto hatte allerdings nur ein kleiner Teil der Journalisten-Meute Platz). Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008


«Der Lachs klopft ans Spalentor», so jubilierte Erich Staub, Chef der Sektion Fischerei und aquatische Fauna im eidgenössischen Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Bafu), bei der Begrüssung im rechten Seitenaufgang des Museums, wo zurzeit in Vitrinen die Geschichte des Lachses im Rhein bei Basel dokumentiert wird. 30 Jahre hatte der inzwischen pensionierte Basler Fischereiaufseher Walter Herrmann auf dieses «Klopfen» warten müssen: Er war massgeblich am Lachs-Programm beteiligt (siehe weiter unten), das sein damaliger Chef, alt Regierungsrat Karl Schnyder visionär absegnete.



Der glückliche Angelfischer Thomas Wanner, der am 5. Oktober 2008 unterhalb der Schwarzwaldbrücke dieses Prachtexemplar von «Lachsfräulein» aus dem mittlerweile sauberen Rhein fischte. Foto: Olivier Schmidt, Basel © 2008


Der schlimmste Schlag gegen das Programm erfolgte in der Halloween-Nacht auf den 1. November 1986, als die Sandoz, heute fusioniert zur Novartis, ihr fahrlässig und ungesetzlich gelagertes Preussischblau in Schweizerhalle in die Luft und in den Rhein gehen liess: Das Löschwasser der Brandnacht vergiftete den Rhein von Basel bis Rotterdam und zerstörte die Rhein-Fauna und damit den gesamten Fischbestand auf einen Schlag! Damals wurde offensichtlich, wie Verwaltungsratspräsidenten lügen (Marc Moret), wie Profit statt Verantwortung Maxime dieses Schwiegervaters des heutigen Konzernchefs Daniel Vasellas war und Basel weltweit in Verruf brachte.

Immerhin musste die schmutzige Bude Sandoz - sie war ein Graus für externe Firmen, die dort in den rostigen, dunklen Anlagen Regiearbeiten auszuführen hatten - auf Druck der Konkurrenz-Firmen Ciba-Geigy und Roche, die ihr gutes Ansehen beeinträchtigt sahen, und aufgrund der anhaltenden Empörung in der Bevölkerung der Rheinanliegerstaaten, ein «paar Milliönchen» Wiedergutmachung zahlen. Teile des lächerlichen Betrages - im Vergleich zum verursachten Schaden und zu den stets exorbitanten Gewinne von Sandoz - kamen der Fischzuchtanstalt in der «Petite Camargue» zugute.

Die Fischzuchtanstalt - genannt «Pisciculture de Huningue» - ist 1852 vom Pariser Biologie-Professor Armand de Quatrefage gegründet worden, um in der Folge der rasanten Industrialisierung den stetig steigenden Nahrungsbedarf in Frankreich decken zu können. Die Anstalt erlitt dann aber ein jähes Ende, nachdem der politische Hasardeur und Ehrenbürger des Kantons Thurgau sowie Artillerie-Offizier der Schweizer Armee - besser bekannt als Napoleon III. - mit dem Krieg 1870/71 Unheil übers Elsass bis weit über den Zweiten Weltkrieg hinaus brachte.

Obwohl der Rhein in dieser Zeit für die lokalen Märkte genügend Fische - zumal Lachse - lieferte, wurde der Standort, der damals noch zur Gemeinde Blotzheim gehörte, deswegen gewählt, weil genügend Wasser aus dem Rhein für die Berieselung der Brutapparate vorhanden war sowie die Nähe von Saint-Louis, das lange vor Basel schon ans französische Eisenbahnnetz angebunden war.



Ein Lachspaar: Das Weibchen, oben, und das Männchen mit der typischen Laichhaken-Unterlippe. foto zVg pca


Naturschützern ist es zu verdanken, dass die letzten Rheinauen am Oberrhein unterhalb Basel und die Gebäude der Fischzuchtanstalt mit Wohnhaus des Direktors, Labors und Gebäuden für die Fischbecken erhalten werden konnten. 1982 wurde das Gebiet von 114 Hektaren durch einen Regierungserlass in Paris offiziell als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Man halte sich das vor Augen: Dies war die erste Klassifizierung im Elsass! Mitautor des Staatsvertrages, der die Nutzung des Naturschutzgebietes und der Fischzuchtanstalt durch den baslerisch-elsässischen Verein «Les Amis de la Petite Camargue - Freunde der Kleinen Camargue» seither regelt, war der damalige Basler Fischereiaufseher Walter Herrmann.

Heute betreibt der Verein auf 218 Hektaren ein Naturschutzzentrum, ein Naturschutzgebiet, ein Universitäts-Feldlabor und eine Vogelwarte sowie eine moderne Fischzucht, ferner eine museale Fischzucht wie anno 1852 und die permanente Ausstellung «Der Rhein gestern und heute».

Die Auenlandschaft am elsässisch-badischen Oberrhein, wo sich der Lachs gewissermassen «pudelwohl» fühlen konnte, wurde schon sehr früh weitgehend zerstört: Nämlich noch vor dem Wiener Kongress 1815, als der badische Wasserbauingenieur Johann Gottfried Tulla (1770 bis 1827) ab 1812 mit der Begradigung des mäandernden Rheins und dem Bau des Rheinseitenkanals, dem Grand Canal d'Alsace, begann. Der immer schon unzulässig gewesene Eingriff in die Flora und Fauna und in den Wasserhaushalt des Oberrheins wurde allein aus politischen Gründen vorangetrieben - um eine klare Grenzziehung zwischen der jungen Republik Frankreich und den Koalitionsgewinnern Baden und Württemberg zu ermöglichen. In den Zeiten zuvor legte sich der Rhein nach jeder Schneeschmelze ins Bett, so wie es ihm gerade gefiel…



Auf dieser Luftaufnahme der «Petite Camargue Alsacienne» sieht man die Baulichkeiten der «Pisciculture de Huningue» sowie die letzte noch fast vollständig erhalten gebliebene Auenlandschaft am Oberrhein mit den typischen Mäandern. Foto zVg pca



Gleichwohl ging die totale Zerstörung der Rheinfauna erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Folge des völlig bedenkenlosen Umgangs mit Gift und Dreck aus den aufstrebenden chemischen und anderen Industrien entlang des Stromes enorm schnell und «effizient» vor sich. 1952 war dann Schluss mit dem Lachs im Rhein. Indes entbehrt die populäre Geschichte jeglicher historischer Grundlage, wonach der Lachs noch um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert derart zahlreich gewesen, dass den Herrschaften gesetzlich vorgeschrieben werden musste, den Dienstboden mindestens einmal die Woche etwas anderes als Salm zur Kost zu geben…

Heute gilt der Rhein als «sauber» - zumindest optisch, obwohl die Belastung mit «unsichtbaren» Schwermetallen immer noch vermutet werden darf. Aufgehört haben jedoch die roten, gelben und blauen Verfärbungen des Rheins als Folge der fast täglichen «Einträge» - sprich tonnenweisem Abwasser - aus den Basler Farbfabriken und dem Schlachthof. Dieser extrem farbige «Gruss aus Basel» verschwand erst mit der Eröffnung der Basler ARA 1982 (!) und konnte aus der Luft oft bis fast zur holländischen Grenze verfolgt werden.



Eines der vielen Becken der Berieselungsanlage für die Lachsbrut in der modernen Fischzuchtanlage der «Petite Camargue Alsacienne». In den Anfängen um 1852 mussten sechs Männer in Tag- und Nachtschicht von Hand (!) die Pumpen zur Berieselung der Brutapparate bedienen - heute gehts elektrisch… Foto: zV. pca


Die enorme Gewässerbelastung in den «Hochkonjunkturjahren» (übrigens in allen Fliessgewässern der Region Basel, ja der ganzen Schweiz), hinterliess bei mir seine unauslöschlichen Vorurteile: Während jüngst das Rheinschwimmen ein Volksvergnügen geworden ist, ziehen mich keine zehn Pferde in den Rhein: Für mich bleibt der Strom im Gefühl immer noch und unauslöschlich die dreckige Kloake, wie er eben nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortungslos vor allem gegenüber den Menschen (!) missbraucht worden war. Der Schriftsteller Hansjörg Schneider überredete, nein zwang mich förmlich während eines vergangenen Sommers, mit ihm vom Café Spillmann zum Santihans-Badhysli zu schwimmen. Es war das erste Mal in meinem Leben, aber ich konnte den Kilometer Schwumm überhaupt nicht geniessen…



Pro Jahr werden in der modernen Fischzuchtanstalt der Petite Camargue Alacienne rund 12'000 Junglachse markiert und ausgesetzt. Foto zVg pca


Die Behebung der früheren Gewässerveschmutzung durch die Chemie wurde übrigens über Jahre mit dem gleichwohl wirkungsvollen Scheinargument der «Arbeitsplatz-Gefährdung» hinausgezögert… Wir wussten es jedoch schon damals, dass es eine Profit-Gefährdung war, dass es so lange dauerte, bis die Chemie zum Handeln gezwungen werden konnte. Und auch nur deshalb, weil die Trinkwassergefährdung eben auch die Gesundheit der Aktionäre zu bedrohen begann…

Das gibt übrigens das Stichwort zur «Kostenfrage» in Zusammenhang mit der Wiederansiedlung des Lachses am Oberrhein. Zunächst allerdings ist zu präzisieren, dass das Aussterben einer Tier- oder Fischart eben immer auch ein Alarmzeichen für die Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen bedeutet: Vergiftete Flüsse bedeuten eben auch vergiftetes Trinkwasser - Schwermetalle im Fischfleisch reicht sich eben auch in der Muttermilch an - usw!

Erich Staub, Chef der Sektion Fischerei und aquatische Fauna im eidgenössischen Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Bafu), sprach ziemlich Klartext an der Pressekonferenz zum Fang des Hobbyfischers Thomas Wanner: Die Medienvertreter trügen eine direkte Mitverantwortung bei der Renaturierung des Rheins und der Wiederansiedlung des Lachses. Denn «Politiker lesen Zeitung» meinte er (optimistisch…). Das Thema Wasserqualität und Rheinsauberkeit sei etwas aus den Schlagzeilen gekommen. Dabei brauchte es ständige Anstrengungen, um das Bewusstsein gegenüber diesem für die Gesundheit der Gesellschaft eminent wichtigen Thema buchstäblich nicht zu «verwässern» oder gar dem Vergessen anheim fallen zu lassen.

Ein Lachs allein macht jedoch noch keinen «Lachs-Frühling», auch wenn die Fischereispezialisten eindeutig nachweisen konnten, dass der von Wanner gefangene 90-Zentimeter-Lachs - ein Fräulein notabene - aus der Fischzuchtanstalt der «Petite Camargue Alsacienne» stammt. Man schätzt, dass «sie» aus den Jahrgängen 2005 oder 2006 ausgesetzt worden war.

Die Freude der Verantwortlichen und Protagonisten an dieser ungewöhnlichen Pressekonferenz an diesem treffend gewählten Ort hat zweifellos seine Berechtigung, ist Mademoiselle Saumon doch problemlos von Huningue in den Atlantik und von dort zurück über mehrere Staustufen, zumal durch die noch schlecht für Fische bewätigbare rund 100 Kilometer lange Strecke von Iffezheim bis Basel gelangt.



Sinniges Detail der Skulptur von Bettina Eichin, die von Sandoz zum 75. Jahrestag der Chemiebude zum Schmuck des Marktplatzes bestellt worden war, aber nach der Katastrophe vom 1. November 1986 nicht mehr opportun war. Die mehrteilige Skulptur mit dem nach der Feuersbrunst von der Künstlerin nachträglich angebrachten Verse aus Johann Peter Hebels Gedicht «Die Vergangenheit» ist jetzt im Kreuzgang des Basler Münsters aufgestellt. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008


Erich Staub vom Bafu konnte immerhin mitteilen, dass bis Iffezheim alle Kraftwerkstaustufen mit adäquaten Fischpässen im Zuge vereinter Massnahmen der Rheinanliegerstaaten und der Revitalisierungsmassnahmen seit den späten 1980-er-Jahren ergänzt worden sind. Hingegen sind von Iffezheim rheinaufwärt an noch sieben Stufen falsch oder schlecht erschlossen, was die Lachs«-Welle» Richtung Basel in die Wiese, in die Birs und in die Ergolz noch sehr beeinträchtigt. Jedoch ist klar, dass die Lachse nun vor Basel «warten», wo das just gefangene Weibchen doch schon «an die Türe der Stadt geklopft hat». Man vermutet, dass der eben gefangene Lachs wohl im Sog der Schiffe, die in die Schleusen einfahren, die ungünstigen Fischtreppen buchstäblich umschifft hat.

Die Beseitigung der ungünstigen Fischtreppen an den Kraftwerken von Iffezheim an aufwärts ist zuerst eine politische, sagte mir Staub: Die Kosten werden für die Fischpassagen der sieben Staustufen auf rund hundert Millionen €uro geschätzt. Das scheint eine grosse Summe, ist es aber nicht angesichts der enormen Einkünfte die die Kraftwerke erwirtschaften und Angesichts der Verantwortung, die die staatlichen Kraftwerkbetreiber gegenüber Natur und Umwelt zukommt.

Also auch da tragen die Medien Mitverantwortung, denn nur wenn die Botschaft zu den verantwortlichen Politikern gelangt, und wenn die Botschaft lautet, dass die Politiker sich für das «Lachs-Engagement» Meriten, sprich Wählerstimmen holen können, dann bewegt sich was (vielleicht).



Baustelle der Fischpassage bei der Staustufe Gambsheim (Bas-Rhin). Foto zVg pca


Wenn man bedenkt, dass seit dem Verschwinden des letzten Lachses fünfzig Jahre vergangen sind, enorm mühsame Arbeitsstunden von grossartig motivierten Fischern und Naturschützern geleistet worden waren - trotz riesigen Enttäuschungen zumal durch die Folgen der Affäre Sandoz -, dann muss man auch bedenken, was das Verschwinden jeder Spezie auf diesem Planeten an unwiderbringlichem Verlust der Lebensqualität bedeutet.



Der eine kommt, der andere geht: Der Lachs kommt wieder, der Auerhahn ist in den Nordvogesen akut vom Aussterben bedroht. Foto: Vincent et Michel Munier @ 2008


Soeben meldete Olivier Géhaime vom Naturschutz Vogesen, dass die eh schon immer gefährdete Vogelart Auerhahn in unserem Nachbargebirge nun nur noch bestenfalls einhundert Exemplare zählt. Seit 1972 noch 500 dieser prächtigen, truthahngrossen Vögel in den Hochvogesen erfasst worden waren, ist deren Zahl schon 1989 auf 350 zurückgegangen, und mit lediglich 100 «Überlebenden» heute, muss mit dem vollständigen Aussterben gerechnet werden!

Auch hier ist der Mensch der verantwortliche Verursacher, wenngleich nicht mithilfe von Gift und Chemie, sondern ironischerweise wegen dem «Naturbedürfnis» der Menschen im Dreiland! Der Auerhahn nistet bodennah und wird daher durch die zunehmenden Wanderermassen - jawohl: Massen und erst noch oftmals begleitet von Hunden - sowie den bis hoch hinaus radelnden Mountainbiker permanent gestört und tödlich gestresst.

Der Auerhahn in den nahen Vogesen hat nicht wie die Fische in Basel eine «Lobby» und konnte bislang auch nicht von irgend einer «Sandoz» gesponsert worden. Vielmehr soll der Hinweis auf das drohende Aussterben des Auerhahns eben aufzeigen, dass Fluss, Wald und Luft unserer Region tierische Bewohner haben, die zu einem Ökosystem gehören, zu dem auch die Menschen eingebunden sind, die es aber ständig durch Unwissenheit, Gier und Profit und - sagen wir es offen - durch Dummheit in Gefahr bringen. Mithin zum Preis der eigenen Existenz!

Schauen Sie sich via untenstehendem Link die site der Gruppe Vogesen-Auerhahn (auf Französisch «Grand Tétra» geheissen) an. Sie finden darauf sensationelle Fotos der absolut grossartigen Künstler und Naturfotografen Vincent und Michel Munier sowie Sequenzen von selten möglichen Aufnahmen des Auerhahns mittels ferngesteuerter Videokamera. Aber Achtung: Auch in der Petite Camargue sind Naturfotografen nicht unbedingt erwünscht - der Ehrgeiz nach sensationellen Aufnahmen lässt die Fotoamateure nur zu oft vom Weg und ins Gehege von Vögeln treten. Auch bei dieser Freizeitbeschäftigung zeichnet sich eine enorme Massierung zum Nachteil von Tier und Natur ab!

Nochmals zurück zum Rheinlachs: Der pensionierte Fischereiaufseher Walter Herrmann hat zuhanden von webjournal.ch unter dem Titel «Neues Leben im Rhein» eine Chronologie der Geschichte der Wiederansiedlung des Rheinlachses zusammengefasst, die wir unseren interessierten Lesern hier im gesamten Wortlaut wiedergeben. Die Medienmitteilung des Bafu im Format PDF zur Rückkehr des Lachses und zum ersten nachgewiesenen Fang im Rhein bei Basel können Sie sich mit untenstehendem Link ebenfalls herunterladen.




Die Lachs-Retter (von links, im Vordergrund): Walter Herrmann (pens. Fischereiaufseher Basel-Stadt und Initiant des Lachs-Programmes), Erich Staub (Bafu, Chef Sektion Fischerei und aquastische Fauna, Bern), Thomas Wanner (Angel-Fischer), Olivier Schmidt (Projektleiter Ausstellung «Lachs in Basel» im Naturhistorischen Museum Basel) und Claude Wisson (amtierender Fischereiaufseher und Projekt-Nachfolger von Walter Herrmann). Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008


Neues Leben im Rhein

- Von Walter Herrmann, Fischerei-Aufsicht Basel-Stadt -


Aus alten Fangstatistiken geht hervor, dass noch im Jahre 1878 zwischen Basel und Laufenburg 4565 Lachse gefangen wurden. Diese Zahl mag erstaunlich hoch erscheinen, doch war der Lachsbestand bereits damals gefährdet.

Hauptübel war die übertriebene Befischung, besonders in den Niederlanden. Im sogenannten Lachsvertrag von 1885 versuchten die Rheinanliegerstaaten den Befischungstick zu mässigen: Lachsnetze durften nur noch über die halbe, statt über die ganze Rheinbreite gesetzt werden.

Der Erfolg blieb jedoch aus, was auch der Verschlechterung der Wasserqualität zuzuschreiben war. Um die Jahrhundertwende wurden in der Schweiz jährlich noch rund 2000 Lachse gefangen. In den Jahren 1910 bis 1930 nahmen die Fangzahlen erneut stark ab. Mit dem Bau des Kraftwerks Kembs, 1932, war das Ende der Lachsfischerei besiegelt; nur noch wenige Tiere schafften den Weg bis Basel.

Einzig im Kriegsjahr 1945 konnten nochmals gegen 300 Lachse gefangen werden, da teilweise zerstörte Staustufen bei Kembs während längerer Zeit für die Fische passierbar waren. Nach 1958 sind die zwar geringen, aber alljährlichen Fänge völlig ausgeblieben, und der Atlantische Lachs wurde in den Ausführungs-Vorschriften zum neuen Fischereigesetz als ausgestorben erklärt. Eine künstliche Wiederansiedlung bedurfte daher nach Fischereigesetz der Bewilligung des Bundesrates.

Durch die Hochkonjunktur wurden unsere während Jahrhunderten gewachsenen Fischweiden in eklatant hohem Masse beeinträchtigt. Die Verschmutzung unserer Flüsse und Seen, die Luftverschmutzung, ferner die technische Anpassung der Oberflächenwasser an Verkehrsanlagen wie Autobahnen oder Flugplätzen, die Beeinträchtigung der Naturufer durch Weekendbauten, Strandbäder etc., alle diese Fremdeinwirkungen beeinflussten und beeinflussen immer noch in irgend einer Form die Fischwanderung.

Nach langen Jahren waren im Sommer 1980 im Rhein vermehrt wieder Trüschen gefangen worden. Auch Aeschen, Hechte, Barsche, Zander und weitere Edelfisch-Arten stellten sich wieder ein.

Ihre Rückkehr darf als sicheres Zeichen dafür gewertet werden, dass sich die Qualität des Rheinwassers (bei Basel) wieder stark verbessert hat, ohne Zweifel eine Folge der Inbetriebnahme der verschiedenen Kläranlagen im Raume Basel.

Diese markante Verbesserung der Wasserqualität dank grossen Anstrengungen auf dem Gebiet der Abwasserreinigung hat uns schliesslich dazu bewogen, den Versuch zur Wiederansiedlung des Lachses zu beantragen und durchzuführen.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL). Finanziert wird das Wiederansiedlungsprojekt durch den Bund, Kanton Basel-Stadt, Private und in Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Fischereiverband und den Fischerei-Interessenten am Oberrhein (FIO).

Zweifelsohne wird mit dem Basler Versuch zur Wiederansiedlung des Lachses eine Signalwirkung über die Schweizer Grenzen hinaus erzielt.

Die Untergruppe "Km" der Internationalen Kommission zum Schutze des Rheins gegen Verunreinigung (IKSR) befasst sich im Rahmen ihres Gesamtauftrages mit den Bereichen Oekologie und Fischerei.

Die Minister und der Vertreter der Kommission der EG unterstützen alle Studien und Massnahmen, die für eine Rückkehr der früher im Rhein wohnhaften Fische und ihre Lebensraumverbesserung erforderlich sind.

Mit dem festen Willen, das Aktionsprogramm zu einem Erfolg werden zu lassen, setzen sich die Minister dafür ein, dass in den jeweiligen Rheinanliegerstaaten die finanziellen Mittel sowohl in den betroffenen Industriebranchen als auch von den Körperschaften bzw. den zuständigen Verwaltungen vorgesehen und zweckgebunden verwendet werden.

Die Minister und der Vertreter der Kommission der EG unterstreichen ihre Entschlossenheit, alle im Rahmen IKSR noch zu leistenden Arbeiten zur Verbesserung der Wasserqualität und des Oekosystems des Rheins termingerecht zu erledigen. Aufbauend auf die Ergebnisse dieser Anstrengungen können in einer nächsten Ministerkonferenz weitere Massnahmen zum Schutze des Rheins beschlossen werden.

Im Rahmen des Projekts Lachs 2000 hat der Kanton Basel-Stadt sich engagiert, eine grössere Menge Junglachse einzusetzen. Soweit die Pheromontheorie (Jungfische geben Duftstoff ab) für die Rückkehr der geschlechtsreifen Lachse eine Rolle spielt, ist es von Bedeutung, dass im obersten Ende des Rheins Junglachse vorhanden sind. Das Engagement bei der Lachsaufzucht hat neben dem obigen, biologischen Element auch eine psychologische Wirkung, wenn es darum geht, die freie Fischwanderung bis Basel bald zu gewährleisten.

Betrachtet man die bereits vorhandenen Erfolge mit der Lachsansiedlung an der Sieg (Rheinzufluss) oder beispielsweise mit dem Seeforellenaufstieg in den Alpenrhein bis Domat-Ems, kann erwartet werden, dass der Zeitpunkt vermutlich nicht mehr allzu fern ist, bis Lachse oder Meerforellen bei lffezheim oder vor Gamsheim gefangen werden können.

Fischerei-Aufsicht Basel-Stadt


Was es sonst noch braucht

jpl.- In den 80-er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es in Basel den von den beiden populistischen Journalisten Noldi Köng und Guido Bagutti initiierten «Gewässerschutzverband». Der Verband hatte allein zum Zweck, den beiden Lokalreportern entsprechend brisantes Informationsmaterial für sensationelle Stories zu vermitteln. Damals waren Verstösse gegen den Gewässerschutz an der Tagesordnung: Viele aufmerksame Spaziergänger entlang der Regio-Flüsse meldeten immer wieder Beobachtungen von Fischsterben und Veschmutzungen. Mit der Zeit schlief dieser «Verband» zwar ein, aber die Publikumsbeobachtungen hatten gleichwohl einen nicht zu unterschätzenden Einfluss bei der Sensibilisierung von Behörden und Öffentlichkeit.

Die Idee einer Naturbeobachtungsstelle hingegen wäre auch heute noch ein wirksames Mittel gegen Verstösse wider die Natur und die Umwelt. Spaziergänger, Wanderer und Sportler böten ein grosses Netz an freiwilligen Beobachtern und könnten sich anonym per Handy an die Meldestelle wenden und dadurch zu einer Sensibilisierung der Öffentlicheit gegen Abfall- und andere Sünden in der Natur beitragen.



Nochwas: Wie die Chemie den Lachs färbt

Würden Sie blass-graue Lachsfilets anstatt rosafarbenen Fisch kaufen? Vermutlich nicht. Lachse sind rosa, weil sie Krebstiere fressen. Diese geben das rötliche Pigment Astaxanthin, ein natürliches Carotinoid, an die Fische weiter. Lachse werden aber auch in den Fjorden Nordeuropas oder Kanadas aufgezogen, wo Krebstiere kaum vorkommen. Damit das Fleisch trotzdem nicht blass aussieht, wird Astaxanthin dem Futter beigegeben. Man kann das Pigment auf verschiedenen Wegen gewinnen: aus bestimmten Hefebakterien, aus Algen – oder chemisch, indem man es aus verschiedenen Kohlenstoffbausteinen zusammensetzt, wie es die BASF macht…

Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Erlebnisbericht zum Sensations-Fang von Olivier Schmidt

• Das Bafu-Communiqué deutsch und französisch

• Homepage «La Petite Camague Alsacienne» (nur franz.!)

• Rettet den Auerhahn in den Hochvogesen


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