Artikel vom 24.07.2008

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Basel - Allgemeines

Nachwuchsrekord…

Der Storch brachte viele Storchenkinder in den Basler Zolli - so viele wie seit 50 Jahren nicht mehr, als er ausgestorben schien

Von Redaktion



Wieder heimisch in der Region Oberrhein: Meister Adebar, hier im Elsass. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008


Man glaubt es nicht, und doch: Der Basler Zolli glaubt noch, das heisst, glaubt wieder, an den Storch! Vor 50 Jahren galt der Weisstorch in der Schweiz als ausgestorben: Am Donnerstag, 24. Juli 2008, meldet der Zolli, dass heuer beim Beringen in den Baumnestern des Zoo Basel «rekordverdächtige» 42 Storchenkinder vorgefunden wurden, was der Zolli als «eine kleine Sensation» bezeichnet.



Glück in den Storchen-Nestern: Jungstörche zurzeit in Rekord-Anzahl im Basler Zolli. Foto: Zoo Basel © 2008

Freude herrscht im Basler Zolli, wo dieses Jahr die Weisstörche besonders erfolgreich selber 42 Storchenkinder brachten und sie dank des trockenen Wetters über die erste Runde ihres immer noch gefährdeten Daseins bringen konnten. Die Altvögel sind bereits im April aus dem Westafrikanischen Winterquartier zurückgekehrt, und schon nach wenigen Tagen nahmen 16 Paare ihre angestammten Nester auf den Zolli-Bäumen in Beschlag. Dank intensiver Schutz- und Zuchtbemühungen gelang es, die in den 50er-Jahren in der Schweiz als ausgestorben gegoltenen Prachtsvögel in ihrem Bestand auf über 150 Brutpaare anwachsen zu lassen.



Storchenkolonie in der Rhein-Ebene des Elsass. Im Hintergrund die «Blaudunstigen», wie die Hochvogesen auch geheissen werden. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008


Mit zu diesem Erfolg beigetragen hat sicher auch das Elsass, das den Storch gewissermassen als sein «Wappentier» betrachtet und aufgrund der Methode des Schweizer «Storchenvaters», Max Blösch, von der Vogelwarte Sempach erfolgreich die Wiederansiedlung des Vogels anwendete: Eine erste Gruppe von gefangenen Storchenpaare wurden in einer Riesenvolière und mit täglichem Futter an das Gelände gewöhnt, so dass sie auch im Winter den gefährlichen Weg nach Süden nicht unternahmen. Ihr Nachwuchs hingegen, der immer zahlreicher wurde, hatte den Instinkt nicht verloren, und mehr und mehr Jungvögel schafften den Zug in den Süden. Trotz grosser Gefahren durch zunehmende Hochspannungsleitungen und vergifteter Plantagen von Mais und anderer Monokulturen.

Die Zugrouten der Störche nach Süden werden aber immer noch gestört durch Abschüsse und ungenügende Rast- und Nahrungsplätze. Auch die Aufzucht der Jungen ist eine schwierige Zeit. Nistmöglichkeiten und geeigneter Lebensraum, zur Nahrungssuche und Aufzucht sind nicht einfach zu finden. Je extensiver die Landwirtschaft genutzt wird und je artenreicher die Umgebung, desto grösser die Chancen genug Futter für die Jungen aufzutreiben. Und Futter braucht es eine ganze Menge: Weisstörche haben bis zu fünf Junge, und mit rund zweieinhalb Monaten müssen diese gross genug für die Unabhängigkeit sein.

Manchmal macht den Storcheneltern auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Bei Hitze trocknen Böden und Gewässer aus, und Futter ist kaum mehr zu finden. Regnet es zu lange und zu stark, so unterkühlen die Jungvögel in den Nestern und sterben. Es gab im Basler Zoo schon anhaltende Frühlings-Regenperioden, wo die Eltern selbst derart durchnässt waren, dass sie nicht mehr zu den Nestern zur Jungbrut hinauffliegen konnten und die Feuerwehr mit ihrer langen Leiter die Jungvögel herunterholen musste. Doch dieses Jahr stand alles, nicht nur das Wetter, ganz im Zeichen der Störche. Dank perfekten Umweltbedingungen konnte der Zoo Basel mit Hilfe der Feuerwehr 42 Jungvögel in ihren Nestern beringen, eine kleine Sensation.

Auch andere Tiere haben für Nachwuchs gesorgt. Bei den Uhus in der Eulenburg, den Rentieren und Lamas neben dem Kinderzolli, den Blauohr-Honigfressern und Sonnenrallen im Vogelhaus, den Tahren im Sautergarten, den Flamingos und den Pinguinen ist derzeit Nachwuchs bewundern. Mit weiteren Sommerkindern ist in den kommenden Wochen zu rechnen, schreibt der Zolli hocherfreut in seinem Communiqué.




Abendliches Stimmungsbild mit dem Wappentier des Elsass. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008




O stolzer Meister Adebar, auch wenn man Dich früher als Fruchtbarkeitssymbol verehrte, so machen Umweltgifte heute auch den Menschen bei der Fortpflanzung mehr und mehr Probleme! Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008




Das Trockenlegen von Feuchtgebieten macht hierzulande den Störchen das Leben schwer: Die Auen am Hochrhein im Elsass waren denn früher das «fette Paradies» der Störche. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008

Von Redaktion

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Das «Storchendorf» Möhlin im Fricktal


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