Artikel vom 18.05.2008

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Ottokars Cinétips

Geisterkinder aus der Vergangenheit

Der spanische Horrorfilm «El orfanato» (Das Waisenhaus) wartet auf mit gut plazierten Schockmomenten und einer leidensfähigen Hauptdarstellerin

Von Ottokar Schnepf



Die Hauptdarstellerin Belen Ruada zeigt enormes Durchhaltevermögen und hilft mit diesen Film zum speziellen Erlebnis zu machen.


«El orfanato» ist kein gewöhnlicher, mit übernatürlichen Elementen ausgeschmückter Thriller, sondern besitzt die Intensität und den Überraschungsmoment, um den Zuschauer voll und ganz in den Bann zu ziehen, ihn zu schockieren und zu bewegen.

Ein altes, verlassenes Waisenhaus an einer Küste am Atlantik steht im Mittelpunkt der Geschichte. Laura (Belen Rueda) kehrt mit ihrem siebenjährigen Adoptivsohn Simon und ihrem Ehemann Carlos an den Ort zurück, an dem sie aufgewachsen ist. Das ehemalige Waisenhaus will sie mit ihrem Mann renovieren und in ein Heim für behinderte Kinder verwandeln.

Schon bald beginnt der kleine Simon mit imaginären Spielkameraden zu sprechen, die Laura aus ihrer Vergangenheit zu kennen glaubt. Als ihm die Geisterkinder erzählen, er habe nicht mehr lange zu leben, wird's langsam aber sicher unheimlich. Denn der kleine Simon weiss nicht, dass er HIV-positiv ist.

Schliesslich wird der Knirps gar von seinen unsichtbaren Freunden ins Jenseits verschleppt, wo ihn nicht mal das gruselige Medium Aurore (Geraldine Chaplin) aufspüren kann.

Obwohl man den Film guten Gewissens als einen «sanften Horrorfilm» bezeichnen kann, wartet er mit einigen geschickt plazierten Schockmomenten auf, gegen die man sich als Zuschauer nicht wappnen kann. Aber darum geht's ja im Horrorfilm.

«El orfanato» ist ein geradezu klassischer Geisterhaus-Film in der Tradition von «The Haunting» von Robert Wise, «The Innocents» von Jack Clayton und Stanley Kubricks «Shining». Auch drängen sich Vergleiche zu dem Spanier Alejandro Amenabar auf, der 2001 mit Nicole Kidman in der Hauptrolle seinen Hollywood-Einstand «The Others» drehte.

Horror-Häuser sind ein von Regisseuren beliebtes
Thema. Juan Antonio Bayona jedenfalls belohnt Genre-Kenner mit seinem Spielfilm-Erstling mit angedeuteten Verweisen auf die Filmvorlage und überfordert die sensiblen Gelegenheitsseher nicht mit allzu deftigen Grausamkeiten. Sein Hauptaugenmerk liegt auf den durchgeschüttelten Emotionen seiner leidensfähigen Hauptdarstellerin Belen Ruada.

Ihr gelingt die Herausforderung an die Zuschauer, den Film auch realistisch zu betrachten; als die Geschichte einer Frau, die den Verstand verliert.

Diese Perspektive macht «El orfanato» doppelt spannend und interessant.

Von Ottokar Schnepf


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